Gammelig, aber schön

So könnte man den Zustand beschreiben, in dem sich Deutschland zu befinden scheint. Marode Infrastruktur, kaputte Schulen, fehlendes Personal an allen Ecken und Enden, dazu die abgesenkte Konjunkturprognose… “Untergang einer Kultur” könnte man theatralisch schreiben, ganz im Duktus des hierzulande sehr kultivierten Pessimismus oder auch der “German Angst” – wie eine Volkskrankheit. “Ist doch alles scheiße!” oder “Es wird alles nur noch schlimmer!” hört man an allen Ecken posaunen.

Verrostete Anlagen im Stahlwerk Landschaftspark Duisburg-Nord

Ist das so? Sicherlich degenerieren viele Bereiche unserer Gesellschaft, natürlich auch die Wirtschaft. Trotzdem sollte man sich vor Augen halten, was wir uns alles leisten können – noch. Aber schon vor 20 Jahren sagte man “Es wird alles schlimmer, es geht nur noch bergab!”. Wenn das wirklich so stimmt, dann wären wir jetzt schon nicht mehr im Keller, sondern würden schon fast am anderen Ende der Erde durch die Kruste brechen. Also: wir sollten nicht all unseren Luxus als natürlich gegeben ansehen und vor allem etwas lockerer sein, mal “locker durch die Hose atmen”

Faszination des Häßlichen

Vor kurzem sah im auf Youtube einen Clip, in dem die häßlichsten Städte Europas erwähnt wurden. Vor allem Industriestädte mit noch aktiver Produktion oder auch verlassenen Anlagen waren darunter. Aber nicht alles, was zurückgelassen wird ist auch oll und nutzlos, sondern auch interessant, lehrreich und bisweilen hat das “Häßliche” auch seine Faszination.

Landschaftspark Duisburg-Nord: Blick auf den Hochofen 5

Ein Beispiel sind die wunderbar hergerichteten Instustriekulturanlagen im Ruhrpott, wie der Landschaftsparkt Duisburg-Nord. Auf 180 Hektar wurde hier ab 1901 Stahl erzeugt. Nach der Schließung 1985 entstand ein Gelände zur allgemeinen öffentlichen Nutzung bzw. Erholung. So kann man zwischen den erkalteten Gießanlagen und den Hochöfen flanieren, Musikkonzerten lauschen, sich nächtlichen Fackelwanderungen anschließen, zahlreichen Routen des alpinen Klettergartens folgen (vom Deutschen Alpenverein eingerichtet) und vieles mehr.

Bläsersymphonie der Abtei Hamborn im Landschaftspark Duisburg-Nord (11.05.2025)

Vor allem aber kann man die rostigen Ungeheuer bestaunen und ein Gefühl für die Mächtigkeit der Industrieanlagen bekommen. Und: man kann auf den gut erhaltenen Hochofen 5 hinufklettern. Wer in schwindelerregender Höhe von ca. 70m (!) einen wunderbaren Ausblick auf die Anlage und die Stadt Duisburg geniessen möchte, muß zunächst eine waghalsige Kletterpartie auf einer alten Stahltreppe hinter sich bringen.

Insgesamt ist es ein faszinierendes Erlebnis, dass man im Gastro-Bereich ausklingen lassen kann…

Wer da mal hinmöchte: https://www.landschaftspark.de