Aufbruch in ein neues (altes) Land

Teil 1 – Abreise und physisches Ankommen

Wir sind angekommen. Etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Umzug haben wir uns langsam eingelebt in unserer neuen Heimat. Die Familie fast um die Ecke, die Arbeit 10 min mit dem Fahrrad entfernt, das Auto muss nur noch wenig bewegt werden (was den Geldbeutel und die Umwelt freut). Das sind doch schon mal gute Vorraussetzungen.

Das war´s, die Wohnung ist leer.

Allerdings war dieses halbe Jahr auch eregnisreich. Alles begann mit dem Umzug. Bereits im April begannen wir zu packen, die Wohnung wurde schrittweise “zurückgebaut”, bis nur noch Kisten übrig blieben. Leider musste ich bis zum vorletzten Tag arbeiten. Meine Chefin sah angeblich keine Möglichkeit, mir mehr Urlaub zu geben. Das machte alles nicht einfacher. Schließlich kam der Transport-LKW der Umzugsfirma, die wir beauftragt hatten und die Wohnung war leer.

Genau das richtige Abschiedswetter

Die letzten 2 Nächte schliefen wir auf einer aufblasbaren Matratze meines Kollegen Bert, bevor wir in eine Gästewohnung des schwedischen Mietervereins umzogen. Zur Übergabe hatten wir glücklicherweise eine Firma für die Reinigung unserer alten Wohnung beauftragt, was zwar teuer war, sich aber als sehr klug herausstellte. Unser Vermieter fand ständig etwas zum Aussetzen und ließ die Putztruppe mehrere Stunden nachputzen! Aufpreis kostete das für uns allerdings nicht.

Endlich mal Sonne und etwas Wärme…

Am Tag unserer Abreise war es nebelig-trüb und kalt. Das störte uns jedoch nicht. Neben Nico und den Katzen war unser Auto mit jeder Menge Zeug vollgestopf, alles jedoch generalstabsmäßig sortiert, ansonsten hätte man nur die Hälfte unterbringen können.

Unser Ziel war Göteborg am Mittag zu erreichen und am frühen Abend die Fähre nach Kiel zu befahren. Zunächst ging es durch die fast herbstlich-winterlich anmutende Landschaft Mittelschwedens. Bei weitgehend fehlender Autobahn und Tempo 90 zog sich die Strecke in die Länge. Etwa 200 km weiter südlich von Falun bekamen wir ihn erstmals in diesem Jahr zu Gesicht: den Frühling. Auf einem Rastplatz wurden die Katzen und Nico Gassi geführt. Was für ein Spass!

 

Nico freute sich an den wärmenden Sonnenstrahlen und einer herumsurrenden Hummel, während die Maggi und Tonia tatsächlich die Chance wahrnahmen und das Katzenklo benutzten. Anschließend ging es weiter gen Süden. Tatsächlich klappte alles ohne größere Schwierigkeiten, sodaß wir am Abend die “Kabine für Passagiere mit Haustieren” beziehen konnten.

Diese ist bei den Fähren meistens mittig angelegt, sodaß man also kein Meerblick hat.Statt Kabine hätte man jedoch eher von “Zelle” sprechen können. Auf engsten Raum hatten wir als zwei Erwachsene und Baby schon Probleme, nicht auszudenken, wenn dann noch ein Rottweiler hätte Platz finden müssen, oder Herrchen ein kleiner Elefant gewesen wäre…

Nico und Maggi “eingeparkt”.

Die Belüftung war auch nicht besonders, weshalb wir die Tür den halben Abend offen ließen. Nach kurzer Eingewöhnung hatten sich jedoch auch unsere beiden Fellnasen mit der neuen Umgebung angefreundet.

Nach einem kleinen Frühstück ging es pünklich gegen 9 Uhr von Bord, sodaß wir unsere Reise Richtung Berlin rasch fortsetzen konnten.
Während mein Bruder in Osnabrück bereits den Umzugs-LKW in Empfang nahm und fleissige Helfer alles entluden (Danke!!!), hatten wir das nächste kleine Projekt zu meistern: Auflösung unseres Lagers in Berlin und alles nach Osnabrück karren. Zum Glück hatten wir auch hier fleissige Helfer, ohne die wird das nicht so ohne weiteres geschafft hätten (Danke u.a. Oxana und Daniel!).

Erstaunlich (praktische) Kombination. Hier kann man sich sprichwörtlich zu Tode saufen. – gesehen am U-Bhf Berlin-Mariendorf, der Friedhof ist 150m weit weg…

Mit einem gemieteten Transporter ging es dann wieder auf die Piste zur letzten Etappe: Berlin-Osnabrück. Auf halben Wege hatten wir das Glück, wieder unsere Weggefährtin Kristin mit ihrem kleinen Justus zu treffen.

Treffen mit Kristin

Ach wie herrlich!!! Wieder einmal wurde uns bewusst, wie sehr uns Bahrain und Middle East generell fehlen…

In Osnabrück angekommen wurden wir wärmstens empfangen. Nach ein paar Nächten auf einer Matratze gings erst einmal in ein preiswertes schwedisches Möbelhaus. Alles musste sehr schnell gehen, da ich bereits nach ein paar Tagen meine neue Stelle antreten musste. Daher verzögerte sich so einiges, sodaß wir noch immer nicht vollständig eingerichtet sind, und im Flur immer noch eine nackte Glühbirne von der Decke baumelt…

Ich “liebe” Umzüge… (aber wen es oft in die weite Welt zieht, muss diese Kröte schlucken)

Wie es einem so geht, wenn man wieder nach Deutschland zurück kommt, könnt Ihr im nächsten Blog lesen. Dann auch, ob wir jetzt eine richtige Lampe im Flur haben und warum Überlebensstrategien noch genauso aktuell sind wie in der Steinzeit…

Der Winter, der nicht enden will

So kommt es uns wenigstens vor. Während für Deutschland schon Temperaturen um die 15 Grad plus an den ersten Märzwochenenden agekundigt worden waren, erreichen wir Ende des gleichen Monats gerade einmal die „schwarze Null“ und ein paar mickrige Grade darüber.

schon wieder Winter.jpg

Noch einmal Schnee…

Heute scheint die Sonne und es ist etwas wärmer. Der Schnee war in den letzten Tagen schon ordentlich weggeschmolzen, bis es gestern nachmittag wieder kräftig anfing zu schneien. Aber es gibt Hoffnung: die Tage werden merklich länger, die Winterdepression weicht der Frühjahrsmüdigkeit .

Naturlich sollte es uns nicht verwundern, dass die warmen Jahreszeiten hier etwas kürzer und weniger großzugig ausfallen, was die Temperaturen anbelangt.

 

(Aus-) Rutscher

An einem Wochenende vor zwei Wochen schneite es noch einmal richtig kräftig. Unsere ehemaligen Nachbarn waren zuvor im Januar in ein anderes Haus, etwa 200m weiter hangab, gezogen. Um etwa 15  Uhr waren wir zur Einweihungsfika (Fika = “Kaffetrinken”) eingeladen. Nett so etwas. Also rein in die warmen Klamotten, den kleinen Knilch schön warm eingepackt und los gings. Natürlich hatte unser Vermieter, der auch für den Parkplatz und den anschliessenden Weg zuständig ist, nicht gestreut. Der Weg war extrem glatt. Nico lag in seinem MaxiCosi, dem Auto-Kindersitz fur kleine Würstchen. Wenn ihm langweilig würde, so könnte er darin etwas schlummern. Wie wir nun versuchten wie alte Leute den Weg nach unten zu ertasten, immer auf der Hut nicht doch auszurutschen, sah ich beim Blick nach hinten, wie ein alter schrottiger Golf 2 den Weg zum Parkplatz fand. Drinnen zwei junge Burschen. Der Fahrer liess den Wagen auf dem Parkplatz schleudern. Es war halt so schon glatt…

 

Mitgehangen, mitgefangen – ein “Doppelpack Pussies”

Wir stolperten derweil weiter nach unten, ich Nico im Kindersitz im linken Arm. Plötzlich ein Hupen.  Eigentlich unverschämt uns hier vom Weg zu nötigen. Ich machte einen Schritt zur Seite – und schon war es passiert! Ich flog so schnell, so schnell konnte ich gar nicht gucken. Neben mir ging Nico in seinem Stuhl zu Boden, Olga hampelte derweil irgendwo am Rande vor sich hin. Hinter mir war bereits das Auto. Zuerst fuhr es gegen mich, was ich in diesem Moment gar nicht merkte. Ich versuchte nur wegzukommen. Dann erwischte das Auto Nicos Stuhl. Olga schrie wie am Spiess und versuchte verzweifelt das Auto wegzuschieben.

Bei mir lief dann plotzlich ein ganz anderer Film: ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich zwei Halbstarke im Auto sah, die uns platt machen wollten. Ich sprang auf. Der kürzeste Weg zum Auto war das offene Beifahrerfester. Ich stürmte drauf los, sah die beiden Typen, die uns bedrohten und schlug zu. Dem Erstbesten, den ich bekommen konnte, wurde “eingeschenkt”. Voll auf die Glocke! Ich schaute nach Nico, der schreiend im Stuhl lag und zappelte. Gott sei Dank!!!! Ihm schien es gut zu gehen. Olga war unter Strom. Ich wandte mich den beiden zu, die nur im Auto sassen und auch schrien! Die zitterten vor Angst! Lol! Der Fahrer war bleich, stammelte nur etwas, dass er nicht hätte bremsen können und der Beifahrer, der was auf`s Auge bekommen hatte,  schrie wie am Spiess.

Olga war außer sich. Als sie die beiden kreischen sah, schrie sie nur: “Was schreit Ihr so, was seid Ihr nur für Pussies!!!” (lol 😉 )

Zunachst hatten sie noch Angst gehabt, dass ich weitermache, aber langsam beruhigte sich die Lage. Nur ¨das Auge¨ schrie noch. Ich untersuchte ihn noch kurz, aber er hatte nur etwas am Jochbein abbekommen, sozusagen “etwas angditscht“.

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Gelungene Werbung, oder?

Wie ein Tier war ich anscheinend auf die losgegangen. Eine Affekthandlung. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich mir nicht Zeit genommen hatte zum Fahrer zu spurten. In diesem Moment aber waren beide im gleichen Boot fur mich gewesen – und eine Bedrohung für meine kleine Familie! Unvorstellbar, was alles hätte passieren können, wenn Nico nicht im Kindersitz gesessen hatte!!! Er hatte schon beim Sturz sich den Kopf verletzen konnen und mit dem Autoreifen hatte er es erst recht nicht aufnehmen konnen…

Anschliessend gingen wir trotzdem noch zum Kaffeetrinken, am Abend schrieb ich eine saftige Email an den Hauseigentümer. Am liebsten hätte ich dem auch eine rübergebraten.  Am nachsten Morgen war überall gestreut…

Der Vater des ¨Auges¨ rief mich später an. Wir trafen uns in den darauffolgenden Tagen  um noch einmal darüber in Ruhe zu sprechen. Er wollte aber für seinen Sohn eine Entschädigung haben! Dazu könne er sich an seinen Kumpel und den Hauswart wenden, der nicht gestreut hatte, war mein Kommentar dazu.

Schon etwas dreist, immerhin hatten ja beide Buben Spass daran gehabt zu schnell und etwas verrückt zu fahren! Und wenn er nicht “im Weg” gewesen wäre, hätte ich ja auch den richtigen erwischt. Halt Pech gehabt, was muss er auch auf dem Beifahrersitz sitzen und die Augen so weit aufreißen… sorry!

 

Erklärter Ex-“Nutellist”

Natürlich gab es neben diesem Ereignis noch andere Dinge, mit denen wir uns beschäftigt haben. Z.B. den Kampf gegen den Zucker. Inzwischen bin ich stolz sagen zu können, dass ich “trockener Nutellist” bin. Ja, wirklich: ich esse kein Nutella mehr! Dieses geile cremige Zeug – nix mehr für mich. Ich versuche eigentlich ganz von der “süßen Droge” wegzukommen. Der Gesundheit wegen. Doch das ist wirklich extrem schwer! Es sind eigeschleifte Verhaltensmuster: ich habe Stress oder Langeweile, also öffnet sich die Luke und die Beisswerkzeuge werden aktiv.

“Immer rinn in die hohle Birne”  Das, was für alkoholische Getränke gilt, gilt für die Droge Zucker schon lange. Und: ist auch für unter 18 Jahren kein Problem zu bekommen und gesellschaftlich voll akzeptiert. Ich sehe allerdings so viele Diabetiker auf der Arbeit, dass mir regelmäßig schlecht wird. Der Kampf gegen die Sucht ist hart, was sich auch daran zeigt, dass ich gerade einen Schokoriegel zwischen den Zähnchen habe…

 

“Repatriation”

Und sonst? Wir bereiten unseren Weggang aus Schweden vor. Ja, Ihr habt richtig gelesen, wir haben genug gefroren hier oben. Zurück in die Heimat. Wie, wann und wohin genau, das werde ich beim nächsten Mal genauer beschreiben…

 

 

 

 

“Russischer Winter in Schweden”

So titelte gestern eine Tageszeitung in großen Lettern. Ein Horrorszenario mit Schnee- und Eissturm wurde da prophezeit. Tatsächlich ist das Thermometer in einen empfindlichen Bereich gefallen:

"Nen bissel frisch isses hier"

“Nen bissel frisch isses hier”

tagsüber -16°C und jetzt um 20:45 Uhr ist es -20°C. Tja, wer hätte das gedacht, dass es im Winter in Skandinavien kalt ist…

Letztes Jahr hatten wir auch schon mal -28°C morgens gehabt. So ist das eben. Leider ist das nicht zu unserem Vermieter durchgedrungen. Irgendwie funktionierte das heute mit der Heizung nicht. Folglich hatten wir nur 17°C in der Wohnung. Erst am Nachmittag wurde die Bude richtig warm.

Betont oft wird jedoch in den letzten Monaten Russland erwähnt. “Wie die Russen uns ausspähen” titelte da eine ähnlich preiswerte Zeitung.

Mit Decke und Miezekatzen geht´s dann aber mit der Kälte

Mit Decke und Miezekatzen geht´s dann aber mit der Kälte

Heiß ging es in der Debatte zu, ob man Russland gestatten sollte, zwei Häfen auf Gotland zu mieten. Es geht um den Bau einer weiteren Erdgaspipeline, die die Russen verlegen wollen.

In Zeiten von Cyberattacken und bewaffneten Konflikten in der Ukraine und anderswo haben die Schweden schon eine zwanghafte Angstneurose entwickelt. Überall wird Putin und die Russen vermutet.

Lange befanden sich keinerlei militärische Einrichtungen auf der Insel Gotland und faktisch auch kein schwedischer Soldat. Jetzt wurde wieder eine Kompanie dorthin verlegt. Na, “wenn´s schee macht”.

 

Wladimir Wladimirowitsch der Wettergott der Schweden?

Auch wenn der Kremlherrscher unergründliche Pläne hat, das Wetter kann er nicht beeinflussen. Vielleicht ja doch…? Schwedische Logik eben. Kälte, der Wind, Schnee. Das nennt man Winter und der heißt auch im Schwedischen vinter. 

Das war Anlaß für mich mal etwas über den Winter in Russland zusammenzustellen:

Ein Bericht über eben den so gefürchteten und legendären Winter in Russland.

Bilder gibt es natürlich auch! Also zieht Euch warm an!

Abrechnung – Teil 3

„Warum Schweden?“

Wie versprochen, geht´s jetzt ans Eingemachte. Beginnen wir mit der o.g. Frage. Das wird sich der ein oder andere auch gefragt haben. Wie ich schon vorher schrieb, wird Schweden bei deutschen Ärzten besonders wegen der sog. „work-life-balance“ geschätzt, also das Verhältnis zwischen Arbeitsbelastung und Lebensualität könnte man sagen. Zumindest suggeriert es dieser Ausdruck. Da ist generell auch etwas dran, wenn auch nicht für jeden und nicht überall. Als ich 2010 in einem kleinen Potsdamer Krankenhaus anfing, war mir nach 3 Wochen klar: Ich muss mich entscheiden. Entweder Karriere oder Familie. Ich entschied mich für die Familie, und das war auch der Grund für unsere Hin- und Herreiserei in den letzten Jahren.

Schweden –  Als deutscher Arzt angeblich sehr geschätzt. Man geht pünktlich nach Hause, keine Überstunden, nette Kollegen, flache Hierarchien. Das stimmt teilweise auch. Aber die Hauptmotivation für uns nach Schweden zu kommen bestand in der Möglichkeit, eine gute Weiterbildung zu bekommen und dabei auch noch ein Leben zu haben.

Vårdcentral Rättvik

 Eine bessere Ausbildung als in Deutschland

Rein beruflich war das der Hauptgrund. In Deutschland ist die Ausbildung  zum Allgemeinmediziner oftmals ein Spießrutenlauf. Zum Einen ist man billige Arbeitskraft und nicht besonders geschätzt:

“Allgemeinmediziner wird der, der nicht weiß, was er mit seinem Studium anfangen soll, und möglichst billig einen Facharzt haben will. Nicht viel machen müssen und anschliessend Omas bequatschen, Rezepte, Globuli und anderen Müll verteilen. Also: keine Ahnung haben und sich ausruhen.”

So ein Bild bekommt man oft vermittelt. Die Realität sieht so aus: Allgemeinmediziner haben in Deutschland keine Lobby. Bezahlt wird nicht nach Arbeit, sondern nach allem, was man in Zahlen fassen kann. Also z.B. Eingriffe: wieviele Hüften, Herzkatheteruntersuchungen usw., auch wenn diese mitunter unnötig sind. Die Kohle muss fliessen! Der Patient als Objekt, der Arzt als Gerät und das Krankenhaus ist die Fabrik. Mehere „Prozessoptimierungen“ wurden wirklich aus der Industrie übernommen.

 

Der Patient als fette blöde Kuh, der Arzt am dicken Euter

Auch wenn es dort längst nicht mehr so viel zu holen gibt, so kämpfen viele Fachdisziplinen um den besten “Zapfplatz”. Und der Allgemeinmediziner? Der zieht schlichtweg an der falschen Stelle, vielleicht am Ohrläppchen oder mißt den Blutdruck… Zumindest wenn es um den wirtschaftlichen Aspekt geht scheint es so. Wie kann man denn ein Gespräch mit einem depressiven, „gewinnbringend“ abrechnen, der vielleicht noch drei oder fünfmal im Quartal oder Monat kommt?

 

„Facharsch für Allgemeingedönse“

Der angehende „Allgemeini“ ist ein beschwerlicher Kostenfaktor. Warum in einem Fach ausbilden, wenn er nach einem halben Jahr sowieso wieder verschwindet? Natürlich können kleine Krankenhäuser sich so etwas nicht leisten. Ausbildung muss sich lohnen und ein Assistenzarzt im 3. Jahr HNO kann eben schon verschiedene operative Eingriffe alleine machen und „rechnet“ sich. Und der Allgemeinmediziner? Nase-gucken kann er auch alleine vor dem Spiegel.

 

Ausbildung als Puzzle

Die „Rotationen“ in Deutschland muss man sich selber zusammenbasteln. In einem Krankenhaus der mittleren Größe kann z.B. ein Internist oft die gesamte Facharztausbildung durchlaufen, vorrausgesetzt er bekommt seinen 2-Jahresvertrag verlängert. In vielen Kliniken wird dann eine Rotation geplant, sodaß er nach 6 Jahren etwa fertiger Facharzt ist, womöglich noch mit Schwerpunktbezeichnung (z.B. FA für Innere Medizin und Kardiologie). Ansonsten muss man sich auch mal ab und zu einen andern Arbeitgeber suchen, aber das ist eher die Ausnahme.

Wir sind previlegiert: wir haben ein Röntgen

Wir sind previlegiert in Rättvik: wir haben ein Röntgen!

Der angehende Hausarzt muss sich hingegen immer wieder neu bewerben, egal ob Krankenhaus oder Praxis. Das ist natürlich nervenaufreibend und verlangt eine gewisse Zigeunernatur. Wenn man sich dann für einen Praxisarbeitsplatz entschieden hat, so ist die Arbeit dort mit erheblichen Einkommenseinbußen verbunden. Während ich im zweiten Jahr an einem Krankenhaus auf etwa 2800 Euro netto kam (mit Nachtdiensten über 3000 Euro), hatte ich in der Praxis lediglich 2100 Euro! Und das ist ein bedeutender Unterschied! Inzwischen gibt es ja die Initiative für die Ausbildung der Hausärzte, bei der die Praxisinhaber bezuschußt werden, sofern sie einen Weiterbildungsassistenten der Allgemeinmedizin anstellen. Wieviel dann davon aber an diesen dann weitergereicht wird, weiß ich nicht genau. Damals habe ich wie gesagt ein Quentchen bekommen, genug um zu überleben, inzwischen soll man davon aber leben können (Danke für die Info, Susanna!), sodaß es inzwischen anscheinend wirklich etwas besser aussieht.

 

Schweden als Vorbild – eigentlich

Und in Schweden? Zum Einen haben die Fachärzte für Allgemeinmedizin generell einen etwas besseren Stellenwert, zum Anderen werden sie besser bezahlt (ein paar hundert Euro mehr). Auch die Ausbildung ist strukturierter. Als ST-läkare (Arzt in Weiterbildung) hat man eine feste ST-Stelle bis zum Ende der Ausbildung. Ich habe z.B. einen unbefristeten Vertrag bekommen. Jeder ST hat einen persönlichen handledere (“Anleiter”), der einen in allen Fragen der alltäglichen Arbeit zur Seite steht und einmal in der Woche ein Weiterbildungsgespräch führt. Ausserdem hat man als ST einmal in der Woche einen halben Tag als Studienzeit zur Verfügung. Die nächste Instanz in der Ausbildungspyramide ist der „Studierektor“. Das ist ein Kollege, der mehere ST in einem Gebiet (bei mir z.B. Nordwest-Dalarna) betreut. Mit diesem werden Ausbildungsinhalte, v.a. Rotationen und Wünsche besprochen. Rotationen werden von ihm organisiert, sodaß man also einen festen Plan in die Hände bekommt, wann welche Rotation gemacht wird. So wurde bisher gefordert, dass ein angehender „Distriktsläkare“ (Allgemeinmediziner) in der Augenheilkunde, Gynäkologie, HNO, Kinderheilkunde, Chirurgie, Orthopädie, Inner Medizin usw. Erfahrung sammelt, ehe er sich zur Prüfung anmeldet. Diese ist wiederum freiwillig (hä? – Hab ich auch nicht recht verstanden, was das dann für einen Sinn macht). Zusätzlich muss man eine kleine wissenschaftliche Arbeit schreiben, dessen Thema man sich aussuchen kann. Dafür gibt es dann auch noch einen Kurs und einen wissenschaftlichen Supervisor als Hilfe.

Wenn man das so betrachtet, dann kann man in Deutschland schon neidisch werden. Und das war auch der Grund, um hierher zu kommen: Eine fundierte Ausbildung, nicht so wie in Deutschland, wo man statt Kinderheilkunde einen 2-wöchigen Kurs machen kann und anschliessend X Stunden in einer Praxis hospitieren muss. Wohlgemerkt muss man dem Praxisbetreiber etwas dafür bezahlen und dann kann man das Ganze entweder im Urlaub machen, oder nach der eigenen Arbeit!

Arztzimmer

Arztzimmer

 

Falsch deklarierte Ware

Also nix wie weg nach Schweden, dachten wir uns. Da ich schon mehere Fachrichtungen durchlaufen habe, wurde mir gesagt, dass ich meine Ausbildung “nur noch komplett machen” müsse. Etwa 2-3 Jahre inkl. Sprachkurs wurden mir suggeriert. Keine konnte mir genau sagen, was alles angerechnet wird, aber Gesamtpaket sah vielversprechend aus. Wenn ich von den Versprechungen die Hälfte abschnitt, so kam ich in den anscheinend realistischen Bereich, der für mich immer noch attraktiv erschien. Ausserdem muss man auch ein gewisses Risiko eingehen…

Nach dem Sprachkurs fing im im Januar diesen Jahres richtig an zu arbeiten. Die Kollegen erschienen nett, die Chefin etwas zu distanzgemindert und die Patienten sowie einige Schwestern fragten mich mit großen Augen, ob ich denn jetzt etwas länger bleibe (als die anderen). Aha...

Im Frühjar diesen Jahres war dann angedacht gewesen, dass ich meinen Studirektor treffen sollte. Wir wollten einen Plan machen, damit man etwas für den Herbst organisieren könnte. Im Sommer ist eh niemand da, also muss man bis Mai alles unter Dach und Fach haben. Nachdem ich selbst und meine Chefin mehrmals versucht hatten meinen Studirektor zu einem Treffen zu bewegen, wurde es still. Mehrfach sagte er kurzfristig Treffen ab. Auf einem ST-Treffen, bei dem wir am Rande sprechen wollten, ging ich auf ihn zu. „Ach so? Wir wollten heute reden? Das ist jetzt aber ungünstig“. Aha…

Im Juli (!) klappte es dann schliesslich. „Aber um etwas für den Herbst zu organisieren ist es jetzt zu spät“.  – Gesichtsmassage gefällig? Ich hätte ihn an die Wand klatschen können, aber die erworbenen diplomatischen Kenntnisse liessen nur ein mildes Lächeln zu. Und was wird mir anerkannt? Das roch jetzt langsam nach Mogelpackung…

 

„Jetzt mal runter mit den Hosen!“

Im Herbst trafen wir uns wieder. Diesmal mit der Idee einen Plan zu machen. Äh Moment, wollten wir das nicht schon vor dem Sommer machen? „Also Innere Medizin, Kinderheilkunde, HNO, Orthopädie, Chirurgie… musste Du ja noch machen.“

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Ach ja, Bahrain… Die Tasse habe ich bewußt gewählt…

Aha, und was wird mir dann anerkannt? Warum soll ich noch einmal 3 Monate Innere Medizin machen? Und Orthopädie? Hä? „Naja, das ist so…. blablabla…“ war die Antwort. Ich muss dazu sagen, dass mein Studirektor aus Skåne (sprich Skone) in Südschweden kommt. Wenn er redet versteht ich ihn nur mit einem Höchstmaß an Konzentration. Und er redete schnell. Dieser Dialekt klingt so, wie wenn ein Sachse Schwedisch spricht, nur noch viel schlimmer.

Ich fragte mehrmals nach, was mir denn nun endlich anerkannt wird, und als ich ihn nun endlich auf eine Aussage festnageln wollte, sagte er: „Meine Chefin kann ein qualified guessing machen“. Bitte was? Qualified guessing? Also Rätselraten für Fortgeschrittene? Wie wäre es denn mal mit einer richtigen Aussage? Ob es denn einen Kontakt bei der zuständigen Behörde gebe (dem Socialstyrelsen), fragte ich. Wieder nur Herumgedruckse. Ich war kurz davor an Ort und Stelle meinen Darm zu entleeren. Nach einigem Hin- und Her dann die Antwort: Nein, man könne nicht fragen. Wieso? Telefon? Email? Schließlich gab er dann zu, dass sie keinen Kontakt haben, keinen Ansprechpartner, keine Email, kein Telefon. Die einzige Möglichkeit: wenn man gedenkt, Facharztreife zu haben, kann man alles hinschicken, und  die Behörde sagt einem dann, was man noch alles machen muss. Kann also gut sein, dass man dann noch ein oder zwei oder… Jahre dranhängen muss. Ausserdem kostet diese „Anmeldung“ (Auskunft) gut 200 Euro… Hä, Wa???

Ich lass das jetzt mal so stehen, aber Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, was mir da so alles durch den Kopf gegangen ist.

Meine Chefin meinte, solange das ST läuft “ist doch alles super, ist doch egal, wie lange es dauert”. Eine Meinung, die ich nicht teile (Mann bin ich diplomatisch geworden), aber dafür bin ich zu Deutsch, also zu zielorientiert. In der Tat brauchen viele Kollegen (egal welcher Fachrichtung) unendlich lange. Ein deutscher Kollege berichtete es mir ebenfalls. Sie fühlen sich wohl, weniger Verantwortung, erst einmal Kinder gebären, Häuschen basteln usw. …

 

Mach doch was Du willst!

Wenn man sich einmal die „Weiterbildungsordnung“ anschaut, so gab es auch hier etliche Neuerungen in den letzten Jahren. Inzwischen sind die Beschreibungen so wässrig, dass es gar keine Pflichtrotationen mehr gibt, wenn man genau liest. Theoretisch kann man also die Weiterbildung so gestalten wie man will. Aber: Wird das dann auch vom Socialstyrelsen anerkannt? Das kann man wieder unter qualified guessing verbuchen…

Ich habe einen Kollegen, der eigentlich Facharzt für Augenheilkunde ist. Nach meheren Jahren hat er sich enstschieden noch den Allgemeinmediziner zu machen. Er möchte z.B. keinerlei Innere Medizin machen, was ich für totalen Quatsch halte. Wahrscheinlich möchte er Rettungsstellendienste  umgehen, die ein gewisses Stresslevel bereithalten und arbeitsaufwendig sind. Aber ein Allgemeinmediziner, dessen Arbeit sich zumindest 50-70% um innere Erkrankungen dreht ohne Innere Medizin? Natürlich muss man dazu sagen, dass die Arbeit in der Primärversorgung eine ganz andere ist, als im Krankenhaus. Klar sind Medikamente und Behandlungsstrategien dieselben, aber die Patienten in der Allgemeinmedizin gehen anschliessend nach Hause. Kontrolltermin? Wenn die allein wohnende Oma womöglich wegen meinem Blutdruckmittel jetzt aus den Latschen kippt, zu Hause mit geborchenen Oberschenkelhals 3 Tage auf dem Boden liegt, dann müssen andere Regeln gelten. Allerdings ist das Lernen und Arbeiten im Krankenhaus in der Inneren Medizin ein gewisser Grundpfeiler. Nur: was will ein schwedischer Arzt in 3 oder auch 5 Monaten lernen, was ich in 1,5 Jahren nicht sicher beherrschen kann?

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Alle medizinischen Einrichtungen auf der Welt sehen wohl ähnlich aus…

“Work-Life-Balance”

Das, womit so eifrig geworben wird, stimmt auch nur teilweise. „Keine Überstunden“ lautet die Devise. Weil jede Überstunde entweder in Freizeit oder Geld ausgeglichen wird (also der Mitarbeiter an einer anderen Stelle fehlt oder mehr kostet), darf man quasie keine Überstunden machen. Was sich zuerst schonend anhört wird total verdreht. Tatsächlich verbringen wir nur einen Teil mit den Patienten, ein großer Teil geht für „Administration“ drauf. Das was so nach Sekretärsarbeit klingt ist im Endeffekt auch Patientenarbeit: Laborbefunde durchgehen, Rezepte, Überweisungen… Alles in allem eine kraftraubende Sache. Selbst ein kleines Labor kann zu einer komplexen internistischen Detektivarbeit ausarten und keiner von den Schwestern (incl. Chefin) versteht, dass das nicht nur abzuhaken ist. Jeder kleine Zettel, jede kleine Überweisung ist mit großem Aufwand verbunden. So kommt es, dass einige Kollegen bis spät in den Abend (z.B. 22 Uhr) sitzen, am Wochenende kommen, oder sich Arbeit nach Hause mitnehmen! Anschliessend hagelt es Kritik von Seiten der Chefin, warum man denn nun schon wieder so viele Extrastunden gemacht hat.

Ich mache das nicht. Da hört der Spaß endgültig auf. Es gibt kaum einen schwedischen Kollegen in meiner Vårdcentral, der kein Burnout hatte. Es gibt Kollegen, die deswegen 1,5 Jahre krank geschrieben waren. Bei dem einen meinte die Versicherung (als er anschliessend mit Teilzeit wieder einstieg), er könne ja als zweiten Job Gras mähen gehen… Er entschied sich für den Vorruhestand.

Was das „handledning“ (Anleitung, Arbeit unter Supervision) angeht, so sieht es nicht viel besser aus. Also einfach nur Arbeit. Also das hätte ich auch in Deutschland haben können, dafür muss man nicht ins Ausland gehen und eine neue Sprache lernen.

 

Fazit:

Ein zusammenfassendes Statement abzugeben ist nicht einfach, die Facetten des Lebens (wie immer) zu vielfältig. Wir haben sehr viele schöne Sachen hier erfahren, auch Freunde gefunden, die wir nicht verlieren wollen, aber dennoch muss man sich fragen: Wo soll die Reise hingehen? Falun als Stadt ist ein Abstellgleis. Die Ausbildung droht zu einer „unendlichen Geschichte“ zu werden und nicht unbedingt die langen Winter machen uns zu schaffen, sondern die Art, Lebens- und Arbeitsweise.  Es ist eben nicht alles „lagom“ und fair verteilt.

Für Aspiranten, die gerade am Anfang ihrer Facharztausbildung stehen, oder Kollegen mit Facharzt, die vielleicht noch eine Subspezialisierung erlangen wollen, lohnt es sich eher nach Schweden zu kommen.

Trotzdem: Ich muß noch einmal betonen, daß wir jetzt nicht “total enttäuscht” und haßerfüllt unsere Köfferchen packen. Wir haben in den letzten Monaten auch sehr viele nette, wunderbare Menschen kennengelernt, Chancen bekommen, die wir so ohne weiteres nicht in Deutschland bekommen hätten. Das muss man auch ganz klar sagen. Wir sind trotz aller Distanz immer wieder sehr offen aufgenommen worden, was uns dann immer wieder erstaunt hat.

Schweden ist auch sehr kinderfreundlich, auch wenn es manchmal übertrieben wird. Das ist nicht zu unterschätzen. Dennoch nicht gerade leicht in der Ferne ohne Familienunterstützung die ersten Schritte als kleine Familie zu machen, zumal das Netzwerk mit anderen Familien und Freunden (noch) nicht so ausgebaut ist.

Am wichtigsten: Wir sehen uns hier nicht als Einwanderer, wir wollen keine Wurzeln schlagen, das haben wir inzwischen für uns festgelegt.

Was das jedoch genu heißt und welche Pläne uns durch den Kopf gehen, das behalten wir vorserst für uns 😉

 

Abrechnung – Teil 1

 

Es ist kurz vor 10 in Falun. Donnerstag. Mein „kleines Wochenende“, wie ich es nenne. Ich habe meinen pappaledig-Tag, kann also einen Tag zu Hause verbringen. Mit Nico und Olga. Was sich erst einmal nach Ausschlafen und Gammeln anhört, ist in Wirklichkeit Arbeit. Naja, so schlimm auch nicht. An diesem Tag (und an den Wochenenden) bin ich es , der in der Früh oder in der Nacht aufstehen darf um das Jungtier zu füttern, Popochen zu polieren usw., während sich Olga mit einem Lächeln auf den Lippen umdreht. Mach ich natürlich gerne, vor allem, weil Nico wunderbar bis 5-6 Uhr durchschläft. So hat man also doch einen guten Schlaf.

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Herbst in Mittelschweden

Ich sitze bei Waynes Coffee, einem Cafe im Zentrum. Nico an meiner Seite in seinem „Porsche“, wie ich seinen Kinderwagen nenne. Inzwischen schläft er wieder. Ich sitze vor dem Laptop und gehe durch die wunderbaren Bilder aus Bahrain und Oman, die wir damals gemacht haben und bin einfach sehr glücklich und dankbar, dass wir so eine spannende Zeit erleben durften. Es ist wie eine Reise durchs Leben, eine Reise, die immer noch weitergeht. Momentan sind wir in Schweden, aber wer weiss, wie es in 5, 10 oder 15 Jahren aussehen wird?

Inzwischen haben wir 1 Jahr „rum“, und ich denke, es ist an der Zeit mal eine Bilanz, sozusage eine 1-Jahres-Bilanz zu ziehen. „Inventur“. Wo stehen wir heute? Hat es sich gelohnt? Wie lange wollen wor hier bleiben? Spannende, wie auch sensible Fragen.

Während ich bisher wie in einem Reiseblog geschrieben habe, so will ich Euch heute mal an den alltäglichen Dingen teilhaben lassen, die man nicht unbedingt als normaler Besucher so in der Form mitbekommt. Ich beschreibe etwas genauer das Leben hier, bevor ich Euch an meinem Résumé teilhaben lasse.

Meine Beschreibung spiegelt meine/unsere eigenen Erfahrungen wider bzw. so viel wie wir selbst verstanden haben. Möglich, dass wir einige Sachen falsch aufgefasst haben oder sich geändert haben.

Doch beginnen wir zunächst sanft und zärtlich…

 

Natur

Die meisten Besucher Schwedens sind begeistert von der Natur. Auch wenn es hier nicht die atemberaubenden Fjorde des Nachbarlandes gibt, so hat es doch seinen besonderen Reiz durch diesen Teil Skandinaviens zu reisen. Während im Süden die Kulturlandschaften mit geringeren Waldbeständen und ausgedehnten Feldern vorherrschen, so übernimmt nördlich der großen Seen Vänern und Vättern die unberührtere Natur das Zepter.

Seen, Flüsse und Wälder prägen die Landschaft in weiten Teilen Schwedens

Seen, Flüsse und Wälder prägen die Landschaft in weiten Teilen Schwedens

Die Besiedelung wird dünner und die Waldbestände größer. Mehr und mehr wirkt die Natur uriger und mächtiger. Wenn ich hier von Wald spreche, so meine ich nicht die „Wäldchen“ in Deutschland. In Deutschland gibt es scheinbar fast nur noch Forst, aus dem querliegende Bäume herausgezogen werden und alle Pflanzen scheibar einen festen Abstand zueinander haben müssen. Spontan fällt mir nur der Steinwald in der Oberpfalz ein, der einen ursprünglichen Charakter zeigt. Hier in Schweden (Mittelschweden und „aufwärts“) sind Wälder richtige Wälder. Herrlich!!! Wilde Bäche durchziehen das Unterholz, große Findlinge, in der Eiszeit von den Gletschern einfach liegen gelassen, Sümpfe und einsame Seen. Hier ein Häuschen an einem „eigenen“ See mit eigenem Zugang zu erstehen ist kein Problem und kostet auch (noch nicht) viel.  Ich habe sogar einen Patienten getroffen, der auf seiner eigenen kleinen Insel wohnt!

 

Wie es weiter im Norden aussieht wissen wir aus eigenen Erfahrungen nicht, aber es gibt unendlich viele schöne Stellen, an denen man Wurzeln schlagen möchte…

Die Sommerzeit ist kurz und wird auch weiter nach Norden hin immer kürzer. Schnell holt sich der Winter das Land zurück, und damit auch die Menschen. Die Tage werden kürzer, dasd Leben stirbt förmlich. Die Blätter fallen innerhalb kurzer Zeit und schon ist der Herbst vorbei. Schon im Oktober hatten wir dieses Jahr mehrfach Temperaturen knapp unter Null und am 1. November schneite es 15 cm! Das ist hier in Falun jedoch nicht ganz so häufig. Bis in den Januar hinein läßt der Schnee auf sich warten, während die Temperaturen auf weniger als -25°C sinken. Alles erscheint dunkel und wenn der erst Schnee kommt, freuen sich die Leute wie kleine Kinder. Der Grund ist einfach: es ist nicht ganz so dunkel. Alle sind draussen, wandern, laufen Ski usw. Es gibt sogar eigens für Skilanglauf kilometerlange Pisten durch den Wald, sodass man also auch in der Dunkelheit durch die Gegend schlittern kann. Das Leben erwacht gewissermassen wieder.

 

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Soziales

Schweden, oder vielleicht ganz Skandinavien, ist, naja, wie soll ich sagen, „speziell“. Ich will mal ein paar Beispiele nennen. Wenn man am Wochenende mit Freunden und Familie in ein Café gehen möchte, wie das, in dem ich gerade sitze (zentral in einer kleinen Mall), so wird man um 15.45 Uhr darauf hingewiesen, dass man bald gehen muss, weil man um 16 Uhr schliesst. Aha, geht ja schon mal gut los. Ein Cafe, dass um 16 Uhr zu macht am Sonntag, auch im Sommer!

Doch schon vorher verschwinden alle Anzeichen von Leben. Die Strassen leeren sich und nur dumme Touristen und „Aussengeländer“ wie wir stehen herum und wundern sich. Das Leben spielt sich in den eigenen vier Wänden oder in Vereinen ab.

Das kann für Ausländer, vor allem solche aus den warmen Ländern Europas oder Nahost, Afrika usw., sehr anstrengend sein. Freundschaften mit Schweden zu knüpfen ist nicht einfach, so auch für uns. Wir sprechen inzwischen die Sprache, finden uns zurecht und fühlen uns trotzdem nicht angekommen.  Am meisten haben wir Kontakt mit Nicht-Schweden.

Unsere Nachbarn sind zwar Schweden, aber sie sind unser Alter. Interessant war die Reaktion Jimmys, eines unserer Nachbarn: nachdem wir in das Haus eingezogen waren, klingelten wir an allen Türen, um uns mal vorzustellen. So auch bei Jimmy. Ein junger Mann, etwa Anfang 30, rotes Haar, mit Sommersprossen im Gesicht, öffnete. Auf unser „Hej!“ machte er erst einmal einen grossen Schritt rückwärts. Wir haben uns einige Male zum Kaffee getroffen und er ist auch ein sehr umgänglicher Schwede, allerdings muss er viel arbeiten (ja, auch solche Schweden gibt es).20160704_201352

Das Pärchen nebenan ist geschätzt Ende 20 und haben eine kleine Tochter, Annie, etwa 2 Jahre alt. Erst mit der Geburt Nicos kam ein Kontakt zustanden, den man als „lockere Nachbarschaft“ bezeichnen könnte.

Auf Arbeit klappt es ganz gut. Man fühlt sich geschätzt, aber man weiss nie genau, was die anderen über einen denken. Es ist etwa so wie in der Schweiz: alle schön nett, aber mitunter kann man sich nicht ausstehen.

 

Bürokratie

Es gibt wie immer und überall zwei Seiten der Medaille. So natürlich auch hier.

Beispiel 1: Die „personnummer“

Das Leben eines Neuankömmlings in Schweden beginnt eigentlich erst und nur mit der sogenannten „Personnummer“ (sprich perschonnümmer). Dies ist eine 12-stellige Zahl, die sich in ihren ersten acht Ziffern auch dem Geburtsdatum und vier weiteren spezifischen Ziffern zusammensetzt. Aus den letzten Ziffer kann man das Geschlecht ablesen: gerade Zahlen für Frauen, ungerade für die Männchen. Diese personnummer ist weit mehr als nur eine Ausweisnummer oder so etwas. So gut wie alles ist mit dieser Nummer verknüft. Will man ein Konto eröffnen, so braucht man diese, will man eine Wohnung mieten ebenfalls… Der Vorteil ist, dass man sich nur einmal beim Skatteverket, der Steuerbehörde, anmelden muss und anschliessend wird man automatisch bei Krankenkasse, Rentenversicherung, Arbeitslosen-dingsbums usw. angemeldet.

Das Skatteverket (Finanzamt) - ebenso "beliebt" wie in Deutschland

Logo des Skatteverkets (Finanzamt) – ebenso “beliebt” wie in Deutschland

Auch bei einem Arztbesuch ist es recht einfach. In Dalarna gibt es ein gemeinsames System, das trotz aller Mängel den großen (und vielleicht einzigen) Vorteil besitzt, dass jeder Arzt in dieser Provinz mit der Personennummer auf alle relevanten Daten des Patienten zugreifen kann. In Deutschland hat jedes Krankenhaus, jede Arztpraxis seine eigene Datenverarbeitung, die nicht verknüpft ist mit denen von anderen Krankenhäusern. Wenn also ein Patient in die Akutsprechstunde kommt, oder Rettungsstelle, so reicht ein Blick in den Computer und man weiss Bescheid über Medikamente usw., auch wenn der Patient 250 km weiter eigenlich wohnt und dort seinen Arzt hat. Der Arzt dort wiederum kann nach der Entlassung des Patienten aus dem Krankenhaus dann direkt schauen, wie dieser behandelt wurde. Es gibt auch unzählige andere Beispiele, bei denen deutlich wird, dass so ein System vieles vereinfacht.

 

Soweit die Theorie,

… doch schauen wir uns einmal die Realität an: Olga und ich haben 5 Wochen (oder sogar mehr) auf diese bekloppte Nummer gewartet. Eine Zeit, in der wir vom  deutschen Konto gelebt haben. Natürlich wurde mir das Geld nachträglich überwiesen, aber eine finanzielle Belastung war das trotzdem (und wer bezahlt mir die Gebühren für die Auslands-Barabhebungen?).

Bei uns klappte es also mehr oder weniger. Bei unseren Bekannten, Krankenschwester und –pfleger aus München plus kleinem Sohn, lief das ganze aber weit aus dem Ruder: es dauerte etwa 3 Monate! Als er wiederholt beim Skatteverket vorstellig wurde und penetrant nachhakte, was denn nun mit seinem Antrag sei, so sagte man, der Antrag wurde gerade abgeschickt nach Örebro. Wohlgemerkt: er hatte den Antrag Wochen

Sicherheit wird v.a. für Kinder groß geschrieben (Bild: "Würmchen-Geschwindigkeit")

Sicherheit wird v.a. für Kinder groß geschrieben (Bild: “Würmchen-Geschwindigkeit”)

vorher abgegeben! Und: keiner konnte mir bisher erklären, warum die Anträge in verschiedene andere Städte zur Bearbeitung geschickt werden! Meiner landete vielleicht in Kiruna (Nordschweden), Olgas vielleicht in Trelleborg…  Er musste einsehen, dass er trotz des zarten schwedischen Gemüts mal seine Freundlichkeit vergessen musste. Mit den Worten (auf Englich) „was ist denn das für eine Bananenrepublik“ und einigen anderen Dingen, ließ er „mal den Deutschen raushängen“. Mit Erfolg. Am nächsten Tag hatte er für die gesamte Familie die ersehnte Nummer… Doch damit noch kein Geld. Mit der Nummer kann man die ID-kort beantragen, eine Identitätskarte wie der Perso. Aber das dauert auch wieder 2 Wochen etwa. Mit dieser kann man dann zur Bank gehen und ein Konto eröffnen. Geld kommt aber trotzdem noch nicht, weil die Auszahltermine ja eingehalten werden müssen.

Das Geld kommt übrigens wirklich pünktlich für jeden Schweden am 27. jeden Monats, oder eben früher, wenn das ein Wochenend- oder Feiertag sein sollte.

 

Beispiel 2: Die Skatt (Steuer)

Es wird ja immer viel darüber geredet, dass alles in Skandinavien so teuer sei. Stimmt ja auch, aber in der Schweiz ist es nun wirklich nicht billiger (auch dort habe ich in Bern mal eine Dönerbude gesehen, an der der Döner etwa 9 Euro kosten sollte). In der angeblich so immens hohen Steuer ist aber u.a. schon die Krankenversicherung inbegriffen und generell relativiert sich die Ansicht „teuer“ schon etwas. Mit Steuersündern gehen die Skandinavier aber besonders unzärtlich um. In Deutschland kann ich meine Steuererklärung machen, hier muss ich. Mir war das nicht so richtig bewusst, als ich die Formulare zugeschickt bekam und mit der Geburt Nicos verpasste ich dann natürlich die Frist. Im August bekam ich dann einen Brief, in dem stand, dass (Achtung schwedische Diplomatie bzw. Ausdrucksweise!) „erwogen wird, ob“ ich eine Strafe zahlen müsste. Dazu standen die verschiedenen Bußgeldniveaus, abhängig wie lange man getrödelt hatte. Bei mir belief sich die Summe auf über 100 Euro. Na super… Man kann aber ein Statement abgeben, was ich dann auch per Email tat. Ich erklärte die Situation mit Nico usw. (erst kurz in Schweden, blablabla) und wenige Tage später bekam ich eine Antwort, dass man auf ein Bußgeld verziechte, mit dem Schlusssatz „Willkommen in Schweden!“. Das war mal etwas wirklich positives!

 

Beispiel 3: Welches Land darf’s sein? – Geographie(un)kenntisse

Die Schweden bezeichnen ihr Land in der Regel als „klein“, wobei sie die Bevölkerungszahl meinen, nicht aber die geografische Größe. Dass man in unterschiedlichen Gegenden die eigene Lage unterschiedlich betrachtet (Süd-, Mittel, Norddschweden) hatte ich vielleicht irgendwann schon einmal erwähnt. Während die einen sich in Gävle schon zu „Norrland“ zählen, so ist es für die dort oben eher Südschweden, obwohl es geografisch gesehen eher Mittelschweden ist. Naja, soviel zur Eigenwahrnehmung. Richtig abenteuerlich wird es, wenn es um andere Länder geht:

Für Nico brauchten wir einen Kinderreisepass, weil die Eintragung in den Pass der Eltern nicht mehr vorgenommen wird. Dazu brauchten wir einen Auszug vom „Skatteverket“ („Steuerwerk“, als Finanzamt, dort, wo man die lustige Personnummer bekommt). Auf diesem mussten Namen, Geburtsort und –land, Geburtsdatum, Personennummer natürlich von uns allen inkl. Nico draufstehen. Eigentlich nur ein Ausdruck, nicht so schwer. Was Olga dann aber in die Hand bekam war ein Dokument, auf dem Olga als deutsche Staatsbürgerin geführt wurde mit Geburtsort „Brest in Russland“. Ok, also die gute alte Sowjetunion gibts ja nicht mehr, schon mal gut, dass sich das auch zu den Schweden rumgesprochen hat, und auch viele Deutsche werden nicht wissen, dass Brest in Weissrussland liegt, oder dass es so etwas überhaupt gibt. Aber: Olga eine andere Nationalität zu verpassen, wobei wir alles bei der Anmeldung hier und über das Migrationsverket (Ausländerbehörde) richtig gemacht haben… das ist schon… äh.. eigenartig. Noch besser: als Olga die Dame am Schalter darauf aufmerksam machte, fragte diese, woher Olga denn solche Informationen habe… Brest nicht in Russland??? Olga verwies die Dame an GoogleMaps und irgendwie drang das (vielleicht) auch zu ihr durch. Dennoch: die Änderung der Daten könne mehere Wochen dauern. Das könne man nicht einfach so schnell machen. Hä? Wa? Wir hatten Sommer, 2 Monate später wollten wir nach Deutschland fahren und die wollte uns womöglich auf den Herbst vertrösten?? Naja, Olga hat ihren Scharm spielen lassen und am nächsten Tag bekam sie einen Anruf: sie könne das Dokument abholen. Wir waren wirklich gespannt. Dieses Mal vielleicht mal die nordkoreanische Staatsbürgerschaft? Brest in Frankreich als Geburtsort?  Aber es klappte dann doch…

 

Der gläserne Bürger
Beispiel 4: Die Abschaffung des Bargelds

Das, was in Deutschland undenkbar wäre (zumindest momentan), ist hier schon längst Realität: eine möglichst lückenlose Überwachung des Bürgers. Die Kehrseite der personnummer z.B. ist die Verknüpfung von Daten, die aus meiner Sicht nicht an andere Stellen als z.B. die Gesundheitsbehörde usw. weitergereicht werden sollten. Weiter geht es mit den EC-/Kreditkarten. Man kann so gut wie alles fast überall mit der Karte bezahlen. In Stockholm gibt es auf dem Bahnhof eine m/w-gemischte Toilette (!), die glaube ich 50 cent oder 1 Euro kostet. Auch diese kann man mit der Karte bezahlen. Bargeld wird mitunter gar nicht mehr angenommen. Mit der Erhebung und wahrscheinlich auch Speicherung der Daten kann man also sehen wann ich wo auf der öffentlichen Toilette war, oder den Parkautomaten gefüttert habe. Es hinterlässt einen fahlen Beigeschmack.

Na, einen Snack mit Karte zahlen? - Automat im Krankenhaus

Na, einen Snack mit Karte zahlen? – Automat im Krankenhaus

Weiter geht es mit Besitz bzw. Einkommen. Es ist normal, dass in der Zeitung mit Namen und Betrag steht, wer wann welches Haus oder Grundstück zu welchem Preis gekaúft hat. Mehr noch: in zeitlichen Abständen wird in der Zeitung abgedruckt, wieviel ich jeden Monat verdiene. Mit Namen und Betrag! Ich werde auch gar nicht gefragt, ob ich im Telefonbuch erscheinen möchte oder nicht. Diese Daten werden anscheinend selbstverständlich veröffentlicht. Letztens entdeckte ich mich mit Altersangabe, Telefonnummer, Adresse. Ob die auch meine Hämorrhoiden zählen? Vielleicht sollte ich lieber die Behörden fragen, ob ich überhaupt welche habe, ich geh ja davon aus, dass die inzwischen mehr über mich wissen, als ich über mich selbst! Die Schweden scheinen das als ganz normal zu empfinden. Sicherheit wird gross geschrieben, was ja eigentlich nicht verkehrt ist.

Insgesamt passt das aber zu einer „gesamtsozialistischen“ Einstellung der Bevölkerung. Schweden hatte ja mal eine sozialistisch angehauchte Phase, aber so ganz haben sie die nicht überwunden. Dazu zählt die weitverbreitete Einstellung, dass „Papa Staat“ schon alles regeln wird und muss. Da nimmt man auch eine Einschränkung der Privatsphäre in Kauf.

Beispiel 5: Das Autokennzeichen

In Schweden besteht jedes Autokennzeichen aus 3 Buchstaben und 3 Ziffern. Da steckt glaube ich auch die Angabe drin, wann das Auto zum „bilprovningen“ (so etwas wie TÜV) muss, also in welchem Monat. Das muss man nämlich jedes Jahr. Ansonsten sagen den Buchstaben und Ziffern leider nichts aus über den Wohnort des Halters, wie etwa in Deutschland.

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Des Schweden liebstes Auto: der Volvo. Hier zwei ältere Modelle, die noch nicht in China gebaut wurden… (also, die Autos meine ich…)

Bei der Ummeldung eines im Ausland zugelassenen Autos ist das etwas unständlich (Ursprungskontrolle, technische Überprüfung und allerlei andere Sachen). Schliesslich bekommt man dann das Kennzeichen, dass übrigens eine Art Identität des Autos darstellt, nicht aber des jeweiligen Besitzers. Im Gegensatz zu Deutschland bleibt das Nummernschild immer am Auto, egal wie oft der Besitzer wechselt. Jedoch steckt noch etwas Anderes, „Gewitztes“ dahinter. Wenn ich wissen möchte, wem das Auto momentan gehört, kann ich auf einer Internetseite das Kennzeichen eingeben und anschliessend wird mir zwar (zum Glück) nicht der Name genannt, aber ob das Auto einem Mann/Frau gehört und in welchem Ort derjenige wohnt. Sind wir also wieder beim Thema Datenschutz, wobei sich das vielleicht bei einer Großstadt wie Stockholm doch etwas relativiert. Hier im ländlichen Bereich könnte man jemanden aber deutlich schneller zu Hause besuchen, als es diesem recht sein dürfte.

Neben diesen Informationen kann man aber, und das denke ich ist wirklich gut, sehen, wie alt das Auto ist, wie es versichert ist, wie oft es in der Reparatur war und wieviele Besitzer es hatte. Also mit viel rummogeln so wie in Deutschland ist es also nicht, wenn man gedenkt ein gebrauchtes Fahrzeug zu kaufen.

 

Arbeit und Arbeitsmoral

Ja, es gibt Leute in Schweden, die arbeiten. Warum ich das so sage? Naja, in Scheden gibt es eine andere Arbeitskultur, von der man in Deutschland schon etwas lernen könnte, andere Sachen aber ganz bestimmt nicht abkupfern sollte:

  1. Man hat Recht darauf mehere Wochen im Sommer Urlaub zu machen. Punkt. Das ist so, egal ob Kinder im schulpflichtigen Alter oder nicht.
  2. Arbeitnehmer kann man nicht so leicht aubeuten: stimmt in gewisser Weise. Es ist gesellshaftlich inakzeptabel, dass man mehere Stunden arbeitet, ohne eine Pause zu machen. Es wird erwartet, dass man sich als Arbeitnehmer mit seinen Kollegen zusammensetzt und eine „Fikapause“ macht. Das ist eine Kaffeepause mit anderen Worten. Wer sich verkrümelt uns weiter arbeitet wird als komisch wahrgenommen. Überstunden sind auch nicht richtig akzeptiert und überhaupt sollte man sich nicht kaputtmachen auf Arbeit. Das, was in Deutschland Alltag ist, ist hier nicht akzeptabel. Gut so! Dennoch funktioniert das auch hier nicht immer so, und generell gibt es in den öffentlichen Einrichtungen eine ganze Menge Leute, die gefühlsmässig nur „fika“ machen, während andere wirklich arbeiten.
  3. Kinder zu haben und zu arbeiten ist etwas normales in Schweden. Es gibt auch kaum Hausfrauen, da sich die „reichen Schweden“ das nicht leisten können. Dass man auch als Mann eine Weile zu Hause ist beim Kind wird geradezu erwartet, und das Bekanntwerden einer Schwangerschaft ist für einen Chef nicht gleichbedeutend mit einem heraufziehenden Atomgewitter. Auch wenn es den Chef vor Personalprobleme stellt, so wird die Ankunft eines neuen Erdenbürgers als viel positiver wahrgenommen, als in Deutschland.

In manchen privaten Betrieben sieht es mit den Pausen etwas anders aus, besonders wenn diese von ausländischen Eigentümern betrieben werden. Unser Nachbar Jimmy arbeitet in der nahegelegenen Kabelfabrik. Vor wenigen Jahren wurde die Fabrik von einem dänischen Unternehmer gekauft. Die Folge: Entlassungen, Mehrarbeit für die übrig gebliebenen Mitarbeiter. Diese spüren jetzt einen gewissen Druck, den es in Deutschland und anderen Ländern ja schon länger gibt. (Dennoch wird es bestimmt etwas milder sein als bei uns.) Die Arbeitnehmer haben in Schweden dank der sozialistischen Einstellung weitreichenden Schutz, anschheinend mehr noch als in Deutschland. Übrigens mit bedeutenden negativen Folgen für die Arbeitsuchenden: Einen Mitarbeiter zu kündigen ist noch schwieriger als in Deutschland. In der Folge gestaltet sich die Auswahl des geeigneten Mitarbeiters sehr kompliziert. Junge Aspiranten müssen (wie auch in manchen grossen internationalen Unternehmen) mehere Tage Tests und Prüfungen durchlaufen, bevor sie in die engere Auswahl kommen. Die Folge ist eine nicht unbedeutende Arbeitslosigkeit bei zeitgleichem Fachkräftemangel. Das was die deutsche Wirtschaft schon länger beklagt (unzureichende Schulkenntnisse) kann man auch hier antreffen und die Jugendlichen disqualifizieren sich selbst. Aber auch für die reiferen Kandidaten ist es nicht unbedingt besser, müssen sie doch mit den jungen „knackigen“ konkurrieren.

Die Rasenmäher-Roboter sind ja ganz modern hier, aber der hier ist sogar besser: ferngesteuert.

Die Rasenmäher-Roboter sind ja ganz modern momentan, aber der hier ist sogar besser: ‘ne Nummer größer und ferngesteuert.

Noch ein Wort zur Arbeitsmoral: Es fällt auf, dass sich viele Schweden als “arbeitsscheu” zeigen. Es wird betont langsam gearbeitet, was man eigentlich schon als geschäftsschädigend bezeichnen kann – würde man in einer Marktwirtschaft leben, in der Konkurrenzfähigkeit das Überleben der Firma sichert. Konkurrenten gibt es hier v.a. auf dem lande wenig und so kann man sich einen ruhigen Arbeitsgang auch leisten. Verantwortung? Nein, danke! Das ist auch so eine Haltung, die hier weit verbreitet ist. Und wenn man grad nicht weiter weiß, macht man eben ein Meeting. Das sind Veranstaltungen, auf denen viel, sehr viel geredet wird. Aber eigentlich sagt man nicht sehr viel, weil alles durch “Diplomatie” verwässert ist. Nach meheren Stunden bedankt man sich für das Gespräch und stell fest, dass man sich ja noch einmal zum gleichen Thema treffen müsse, weil man ja nichts beschlossen habe…

 

“Professionelle Amateure mit Spezialisierung”

Noch ein Wort zur Arbeitssituation in Schweden. Auffallend ist, dass auch unqualifizierte bzw. weniger qualifizierte Personen einen Job bekommen können, z.B. als Lehrer bzw. “Hilfslehrer”. Als solcher bekommt man natürlich nicht so viel Geld und überhaupt ist die Bezahlung von Lehrkräften recht mager. Dennoch: eine wunderbare Chance für jene, die dringend arbeiten müssen, aber keine richtige Ausbildung oder Legitimation haben. Auf der anderen Seite fragt man sich natürlich, wie eine mangelnde Qualifikation mit einem anspruchsvollen Beruf vereinbar ist. Viele haben keinerlei pädagogische Vorkenntnisse. Einzige Qualifikation ist z.B. Englisch als Muttersprache. Ein Fall verdeutlicht die Notsituation und prekäre Lage sehr gut: Olga hat eine italienische Bekannte, eine Junge studentin, die “Haushaltskunde” -oder Wissenschaft an einer weiterführenden Schule unterrichtet. Auf die Frage, was sie qualifiziere, antwortete sie, sie backe gerne Muffins… Hä?? Wie?? Kein Witz, stimmt wirklich!

Dieser Besonderheit begegnet man auch in anderen Bereichen, doch dazu später.

Soviel erst einmal zum Allgemeinen. In Teil 2 gibt`s mehr “lustiges Allerlei aus Schweden”, vor allem aus meinem beruflichen Alltag. Seid gespannt auf Neues aus dem Land der “ungeahnten Unmöglichkeiten” ! 😉

Eine Reise, die ist lustig…

… mer eller mindre (mehr oder weniger)

Samstag, 30 Juli 2016 –  Endlich Urlaub. Erster Tag nach anstrengenden Tagen, Wochen, Monaten. Das erste Mal seit einem Jahr geht es nach Berlin. Zu dritt im Auto – und natürlich einem kleinen Engel im Himmel. Ich weiss gar nicht wie, aber irgendwie ist das Auto gerammelt voll. Da sind weniger unsere Reiseklamotten, sondern vielmehr der Kinderwagen, der im Kofferraum nur ein paar kleine Spalten und Lücken übrig lässt. Wie erwartet brauchen wir mehere Stunden, bis wir endlich mal in die Gänge kommen. Das Auto hatte ich schon am Vortag gepackt, aber man reist mit Baby eben anders als zu zweit. Kaum will man los, sind die Hosen wieder voll, also Windeln wechseln und dann hat der kleine Mann natürlich Hunger. Anschliessend muss man noch das obligatorische Bäuerchen (liebevoll von uns auch „Farmerli“ genannt) abwarten und dann könnte man eigtentlich los. Aber dann muss man ja selber noch mal pinkeln und im Bauch zwickt es auch schon usw… Kurzum: gegen 12 sind wir dann unsere ca. 720 km weite Reise von Falun nach Trelleborg angetreten.

Falun-Trelle

Von Falun aus nach Trelleborg durchquert man praktisch ganz Südschweden

Wir haben einen schönen Tag erwischt. Die Sonne scheint, es ist nicht zu warm (haha, in Schweden zu warm…). Auf Land-, und „Bundes“strassen geht es Richtung Süden. Bis zur ersten richtigen Autobahn vergehen mehere hundert Kilometer. Zwischendurch gibt es immer wieder einmal etwas ausgebautere Streckenabschnitte, aber mehr als 100 km/h darf man dort in der Regel nicht fahren. Bei Motala nähern wir uns dem Vätternsee, dem zweitgrössten See Schwedens (1900 km2 – Bodensee 540 km2 Fläche). Hier überqueren wir wie auf unserer Anreise nach Falun im letzten Jahr den gleichnamigen Fluß Motala. Dazu müssen wir eine mautpflichtige Brücke benutzen. Eigentlich nichts besonderes, würde der schwedische Staat nicht die stolze Summe von ganzen 0,53  Euro erheben und diese auch per Post im Ausland eintreiben! Schon letztes Jahr erhielt ich ein Schreiben in Deutschland, in dem ich aufgefordert wurde, die entsprechende Gebühr zu überweisen. Gewöhnlich hat man dafür rund 2 Monate Zeit, aber versäumt man es fristgerecht zu zahlen, „so wird ein Verzugszuschlag von 32 Euro in Rechnung gestellt” !!! Das ist das 60-fache der eigentlichen Gebühr!!! Sehr gerne habe ich diese Summe auf 55 Cent aufgerundet, wobei ich wirklich gerne mal wissen würde, was das Porto des Briefes kostet…

Wir passieren die Ruine des Brahe-hus. Graf Per Brahe der Jüngere hatte es ursprünglich Mitte des 17. Jahrhunderts für seinen Frau erbauen lassen, die jedoch im Jahr der Fertigstellung verstarb. Anschliessend wurde es nur kurze Zeit genutzt und anschliessen „ausgeschlachtet“ und verlassen.

Die Fahrt ist ruhig, aber zieht sich endlos in die Länge. An einer Tankstelle werden Baby und Auto betankt. Ich gehe in den Laden um mir einen Schokoriegel zu kaufen, Nico auf dem Arm. Da kommt mir ein Mann entgegen mit einem kleinen Mädchen, vielleicht 3-4 Jahre alt. Das kleine Mädchen dreht sich in der Tür um, zeigt auf Nico und ruft ganz laut: „Guck mal Papa, da ist ein Baby!“ Nico guckt ganz entgeistert. Ich ahne, ich muss meinem Sohn zur Seite stehen, beuge mich ihr mit Nico entgegen und erwidere: „ Du bist doch auch noch ein Baby!“. Jetzt guckt das kleine Mädchen ganz entgeistert, während Nico vor sich hin grunzt. Ihr Vater lacht und ich habe auch meinen Spass, nur die Kleine (und bestimmt auch Nico) versteht die Welt nicht mehr…

Brahehus

Das Brahe-Hus am Vännernsee

Als es schliesslich dunkel wird kommen wir gegen 22 Uhr in Höllviken bei Trelleborg an.  Die Unterkunft, die ich in aller Eile gebucht hatte liegt etwa 50 Meter vom Meer entfernt. In der Abenddämmerung kann man die Öresundbrücke gerade noch erkennen. Eine wunderbare Lage, wären es jetzt nicht so spät.

In der stressigen Zeit vor der Abreise hatte ich übersehen, dass man bei einer späten Ankunft vorher Bescheid geben soll. So stehen wir jetzt vor der verschlossenen Eingangstür mit der Aufschrift „Rezeption schliesst um 20 Uhr“. Ich könnte ausrasten! Einerseits über die Schweden (bei welcher normalen Unterkunft ist in der Hauptreisesaison die Rezeption abens nicht nach 20 Uhr besetzt?), andererseits aber über mich selber! Wieso habe ich das Kleingedruckte nicht gelesen? Dort steht es ganz klar Schwarz auf Weiß! Außerdem: bei Stornierungen weniger als 24 Stunden vor der Anreise oder bei Nichterscheinen wird der volle Betrag in Rechnung gestellt! Na großartig!!! Wenn ich so gelenkig wäre, würde ich mir jetzt wirklich das Gesäß zerkauen!!! Andererseits hätte ich große Lust mich auf diese kleine Bank zu stellen und gegen die Fenster zu urinieren und…

Ich sehe es schon vor meinem geistigen Auge: junge Arztfamilie haust wie die „Clochards“ unter einer Brücke, das Kind schreiend in zum bersten vollen Windeln, die Rabeneltern zusammengekauert daneben mit knietiefen Augenringen und einem leeren Blick wie bei CrystalMeth-Konsum. Das mit der obdachlosen Kleinfamilie in bitterkalter Nacht klingt etwas nach Josef und Maria, aber das will ich mir nicht anmaßen. Außerdem sehe ich hier weit und breit keinen Stall. Und dann auch noch den vollen Preis von über 100 Euro bezahlt!!!! Ich könnte heulen…

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Strand bei Höllviken, im Hintergrund die Öresundbrücke, die Malmö mit Kopenhagen verbindet

Bevor ich mich an meinem zusammengeheulten emotionalen Sabber verschlucke klingelt das Telefon. Eine SMS informiert uns, dass wir in einem Safe in der Aussenwand  den Zimmerschlüssel finden können. What?? Wie…? Ich kann es kaum glauben, bin erleichtert und die Brücke vor meinem geistigen Auge verwandelt sich in ein angenehmes Hotelzimmer mit angenehmen Bett und Dusche. Ich könnte die Schweden umarmen – wenn sie denn hier wären!! Das klingt echt affektlabil: Eben noch gedanklich Bomben gebaut und jetzt Glücksgefühle wie ein Feuerwerk, aber die Nerven liegen etwas blank und wir sind hundemüde. Ich bin froh, dass ich doch nicht die Fenster „verziert“ und Exkremente an der Häuserwand verschmiert habe. Jedoch degeneriert das angenehme Hotelzimmer meiner verwunschenen Vorstellung zu einem kleinen Zimmer in dem uns erst einmal zwei fast nackte Doppelstockbetten angrinsen.

Trotzdem, wir sind dankbar für diese kleine Unterkunft, die unseren gesunkenen Ansprüchen voll und ganz gerecht wird. Auch das Fehlen der Bettwäsche, die man laut Aushang an der Rezeption ausleihen kann (LOL) oder besser gleich selber mitbringt, wird verträumt ignoriert. Ist nicht schlimm, bloß ein Bett, etwas fließend Wasser und alles ist gut. Die Kopfkissen werden provisorisch mit unseren Jacken überdeckt und so kann man das Haupt enspannt in den ersehnten Schlaf sinken lassen. Irgendwie scheint diese Reise auch eine Zeitreise zu sein, ein Gedanke, den ich noch öfters haben sollte. Dieses Zimmer, die dunkle gelblich schimmernde Lampe… das versprüht den Charm der alten NVA-Kaserne im tieftsten Brandenburg, in der ich damals meine Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvierte. Mit rot-weiss karierter Bettwäsche könnte es aber auch fast so aussehen wie diese alten Bauernstuben aus dem Mittelalter. Ein bewohntes Museum. Sogar der Geruch passt. Es ist 1 Uhr nachts, als ich mich nun endlich aufs Bett werfe und  ich bin froh, dass es nicht gleich auseinander bricht.

 

Trelleborg

Um 4 Uhr in der Früh ist die Nacht schon wieder vorbei. Wir schälen uns aus den Betten und machen den Hasen fertig. Es dämmert und direkt an der Küste fahren wir die gut 13 km nach Trelleborg. Dort wartet bereits eine Schlange von Autos aus Deutschland, Polen, den Niederlanden und natürlich Schweden. Einige der Fahrer schlafen in ihren Transportern. Eine ältere Frau wühlt in den Mülltonnen nach Pfandflaschen, und fragt an jedem Auto danach. Was soll man denn auch in Deutschland mit schwedischen Pfandflaschen? Allerdings ist der Pfandwert mit 10-20 Cent umgerechnet auch nicht besonders uppig. Endlich ist es soweit, es geht los. Während die einen noch schlafen, fahren die anderen schon um die noch Schlafenden herum. Insgesamt geht es aber sehr geordnet zu. An dem kleinen Kontrollhäuschen legen wir die Pässe vor. Schweden hatte bereits letztes Jahr die Passkontrollen im Zuge der Flüchtlingskrise wieder eingeführt, was bedeutete, dass unser kleiner Hase ebenfalls einen Pass brauchte.

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Der Hafen von Trelleborg, der südlichsten Stadt Schwedens

Das war zum Glück leichter als gedacht. Zuständig für die Ausfertigung von Pässen ist die deutsche Botschaft in Stockholm. Für die erstmalige Ausstellung mit Anerkennung der Staatsbürgerschaft für Kinder deutscher Eltern im Ausland ist die Vorlage verschiedener Dokumente in beglaubigten Kopien erforderlich. Allerdings gibt es in Schweden kein dem deutschen vergleichbares Urkundenwesen. Auch nehmen es die Schweden nicht unbedingt so genau. Als Geburtsurkunde gibt es jediglich das Protokoll des Krankenhauses. Auf dem Auszug des „Melderegisters“ wird hingegen nicht der tatsächliche Geburtsort angegeben, sondern der Ort, an dem die Eltern zur Geburt des Kindes gemeldet waren. Aha. Daher, so war auf der Seite der deutschen Botschaft in Stockholm zu lesen, kann nur über Umwege auf Wunsch eine deutsche Geburtsurkunde nachträglich beantragt werden. Die Bestimmungen waren aber recht umfangreich, und eigentlich wollten wir erst einmal nur einen Pass für Nico haben. Alle Dokumente müssen als  beglaubigte Kopien in Stockholm vorgelegt werden und zu einer Identitätsprüfung muss das Kind incl. Beider Elternteile anwesend sein. Das kostet, dachte ich mir. Alleine die Beglaubigungen, dann die Reise nach Stockholm, ich müsste einen Urlaubstag nehmen… Zum Glück gibt es in der 8000-Seelengemeinde Rättvik einen Honorarkonsul der deutschen Botschaft. Wir konnten daher die ganze Prozedur abkürzen, weil dieser nicht nur bevollmächtigt ist, die Dokumente zu beglaubigen, sondern auch die Identitätsprüfung durchzuführen. Zudem verlangte er noch nicht einmal Geld für die Beglaubigungen! Gibt es denn noch so etwas?

Also stehen wir am Schalter, werden begutachtet und zur Fähre durchgelassen. Zum Glück haben wir eine Kabine gebucht, die einfach, aber nach dieser schlaflosen Nacht sehr angenehm ist. Wir frühstücken noch und haben immerhin 5 Stunden Ruhe bis zur regnerischen Ankunft in Rostock.

Die Tom Saywer schluckt ein Auto nach dem anderen

Die Tom Saywer schluckt ein Auto nach dem anderen

 

“Blowing in the wind…”

In Rostock geht alles erfreulich schnell. Jedoch stecken wir kurze Zeit später auf der Autobahn in einem Stau. Ich mache das Fenster auf und lasse mir den kühlen Wind um die Nase wehen. Sommer in Deutschland… soll das jetzt die nächsten vier Wochen so weitergehen? Es richt nach Zigarette, ekelhaft. Im Spiegel seh ich den Fahrer hinter uns, an sein Auto gelehnt, eifrig an seiner Zigarette ziehend. Ein Endfünfziger, schmal, Jeanshose, abgewetztes Hemd. Ich schliesse das Fenster, ist halt nicht so angenehm mit einem Kleinkind. Es regnet etwas mehr und genau jetzt muss Nico anfangen unruhig zu werden. Na toll. Aber eigentlich hat er sich bisher tapfer geschlagen. Nun ist es wieder an einer Mahlzeit für ihn. Wir also beide raus, ich den Regenschirm in der Hand, Olga steckt den Kopf ins Auto und betankt den Kleinen. Ein Sommermärchen: im Regen stehen und von Autos umgeben.

Spiegel

Immer wieder schön…

Der Fahrer hinter uns, der Raucher, hat sich in seinen überfüllten Skoda gesetzt. Unangenehm sieht er schon aus, irgendwie unappettitlich. Er grinst nur doof in die Landschaft. Neben ihm wahrscheinlich seine Frau, die ebenfalls an verrauchtes, welkes Obst erinnerte. Ich wendete mich ab. Im Wagen gegenüber eine Kleinfamilie, die Mutter mit Häkelarbeit beschäftigt, während der Vater meditativ die Finger in der Nase versenkt. Die Kinder langweilen sich, wie ich. Ich schaute wieder zu dem Raucherskoda. Jetzt sitzt nur noch der „Alte“ drin und guckt nach wie vor etwas eigenartig. Seine Begleiterin ist verschwunden, vielleicht hockte sie ja an einem der wenigen Bäumchen um sich zu erleichtern. Ein Krankenwagen huscht vorbei, dann wieder Langeweile. Die Familie gegenüber bietet auch keinen aufregenden Anblick. Die Mutter hantiert mit dem Garn, der Vater hat seine Aufmerksamkeit auf die Ohren verlagert. Nico kämpft derweil mit dem Fläschen und kein Ende ist in Sicht. Na toll. Ich schaue wieder zum Raucherskoda. Der Mann hat ein verzerrtes Gesicht, als ob er an einen Elektrozaun pinkeln würde. Seine Begleiterin ist immer noch abgetaucht. Apropos abgetaucht: plötzlich erhebt sie sich seinem Schoß, wischt sich mit der rechten Hand über den Mund und grinst das „Räuchermännchen“ an. Der macht jetzt einen ganz entspannten Eindruck und fummelt sich irgendwo rum, wahrscheinlich schliesst er gerade die Stalltür. Das war also das Bäumchen… Mir ist irgendwie übel. Andererseits möchte ich fast in schallendes Gelächter ausbrechen, während ich mich weiterhin am Regenschirm festhalte und es nicht erwarten kann wieder im Trockenen zu sitzen. Während ich beschämt zur Seite blicke, rieche ich wieder Zigarettenqualm…

hase tanken

Hase wird betankt

Irgendwann geht es dann doch weiter, aber mit viel Verzögerung erreichen  wir Hohen Neuendorf bei Oranienburg. Hier übernachten wir bei Oxana und Daniel, die wiederum gerade in Schweden sind und heute in Falun ankommen. Während wir hier unser Lager aufschlagen, hüten sie dort unsere Wohnung samt Katzen. Hier hingegen wartet Kater Lis auf uns, der nachts Streife läuft und sich tagsüber entweder auf dem Sofa hier oder bei den Nachbarn räkelt und verköstigen lässt.

Nach wenigen Tagen geht es dann übernachtungstechnisch zu meinen Eltern, die dann später wiederum selber in den Urlaub fahren und wir dann „sturmfreie Bude“ und Samia und Dani um uns herum haben.

Wir hatten uns eine Menge vorgenommen: unsere Lieben und Freunde treffen, unser Lager auflösen, unseren alten VW-Transporter verkaufen, den alten DDR-Simson-Roller zu Daniel transportieren… Und vor allem die breite kulinarische Vielfalt in Berlin geniessen. Während hier beim Inder die Gerichte um die 6-10 Euro kosten, geht es bei dem Inder in Falun erst einmal bei 16 Euro los. Aber auch endlich mal wieder einen Döner essen, die knoblauchreiche Soße am Kinn runterlaufen lassen oder Sushi in ausreichender Menge am Rathaus in Steglitz zu verschlingen. Unseren Lieblingsafrikaner (Äthiopische Küche) am Halleschen Tor nicht zu vergessen!

Von all dem schaffen wir nur teilweise das mir den Freunden und das mit dem Essen. Viele schaffen wir nicht zu sehen und das Lager, der VW-Transporter usw. stehen immer noch da. Übrigens: hat jemand Interesse an einem  VW LT Bj 1992?

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Fast schon Westerland: Strandbad Wannsee, die Riviera des Berliners

Mitte August steht die Hochzeit von Irina und Ludwig auf dem Programm. In der Nähe von Cloppenburg in Niedersachsen, gute 440 km von Berlin entfernt soll die kirchliche Trauung stattfinden. Es ist die beste Freundin von Olga, beide kennen sich schon aus dem gemeinsamen Studium an der Universität in ihrer Heimatstadt Kirov, da ist es doch selbstverständlich, dass man den Weg auf sich nimmt. Nach einer anstrengenden Fahrt erreichen wir den kleinen Ort. Die Eltern des Bräutigams haben ein wunderschönes Anwesen. Ein altes Bauerngut rundumerneuert, historisch wieder neu aufgebaut. Hier lernen sich auch Nico und die nur 1 Monat ältere Anna kennen, die Tochter von Irina und Ludwig. Beide beglotzen sich gespannt und Irina hatte uns schon gewarnt, dass Anna nicht jeden anlächelt. Aber Nico schafft es mit seinem Charme und beide betatschen sich im Gesicht und greifen nach den Händen des anderen.

Am nächsten Tag ist die kirchliche Hochzeit. Die erste für Nico. Mal gucken, wie er sich verhält. Es gibt auch andere Kinderwägen, und die Plätze sind so gewählt, dass man mit den quakenden Ungeheuern über einen Seitengang die Kirche schnell verlassen kann. Das Brautpaar marschiert ein. Irina sieht wunderbar aus, Ludwig trotz seines mächtigen Erscheinungsbildes wirkt schüchtern. Kein Wunder, würde mir auch so gehen bei gut 150 Gästen. Glücklicherweise scheint der Pfarrer meine Gedanken lesen zu können und die Zeremonie dauert nicht allzulange. Auch Nico war die ganze Zeit über sehr ruhig gewesen, währden seine „Kollegen“ dann doch noch einige Kommentare abgeben mussten und höflich nach draussen begleitet wurden.

Am Abend noch eine schöne Feier, sogar Nico hat seinen Spass. Wir ziehen uns gegen Mitternacht zurück, morgen soll es wieder nach Berlin gehen.

porta west

Porta Westfalica mit Blick auf die Weser

Am nächsten Morgen geht es gegen 10 Uhr los. Durch eine Umleitung kommen wir zu sehr nach Süden, sodass wir uns entscheiden in Diepholz beim Bundeswehr-/Luftwaffenstützpunkt vorbeizufahren. Wieder eine Zeitreise. 1997-1998 habe ich hier bei einer elitären Nachschubeinheit gedient. Das Nivau war so hoch, dass ich später auf die Frage, ob ich Bundeswehr oder Zivildienst gemacht habe, antwortete: „Ich habe als Pfleger Zivildienst bei der Bundeswehr gemacht“. Komischerweise fragten dann viele „Ach so, das gibt es auch?“ (Unterbelichtung ist anscheinend nicht nur auf die Bundeswehr begrenzt). Dabei wollte ich doch nur meine innere Distanz zu dieser „Trümmertruppe“ (dem LwÜ/LmatDp 21) darstellen, die u.a. auf einer „Bildungsreise“ nach Hamburg mehr Pommesbuden und zwielichtige Spelunken (und damit meine ich keine Kneipen…) besucht hat als historische Gebäude usw. Ich war damals bewusst nicht mitgefahren. Mein kleiner Kumpel Guzzi, den man auch „Moto“ nannte (wegen “Moto Guzzi”) erzählte mir später, wie er alleine vor einem Bordell stehengeblieben war, während alle anderen das Gebäude „gestürmt“ hätten. Der arme. Ich habe während dieser Zeit gelernt, wie man sich „von der Arbeit verpisst“, eine sehr wichtige Lektion fürs Leben.

Nun stand ich also vor dem Kasernenkomplex, fast 20 Jahre später. Keine Soldaten, die Wache schieben. Die modernen Soldaten passen nicht mehr selber auf  sich auf. Früher hat sich der Kindergarten wenigstens noch selber bewacht, heute macht das ein privater Wachdienst. Schlimm, wo sind wir nur hingekommen…

Da auf der Autobahn schon wieder Stau irgendwie zwischen Osnabrück und Bad Oeynhausen angekündigt ist, entscheiden wir uns über Porta Westfalica zu fahren. Ich bin noch nie da gewesen, die Statue immer nur schemenhaft vom Zug damals gesehen. Die Fahrt zieht sich, aber schliesslich sind wir angekommen und genissen einen wunderschönen Blick.

Es geht weiter nach Magdeburg. In Hannover müssen wir weiträumig die Stadt umfahren. Nahe der Autobahn wird wieder einmal eine Weltkriegsbombe entschärft, ganze Viertel wurden evakuiert.

Justus Nico

Justus und Nico haben Spass

Am Abend treffen wir schliesslich in Magdenburg unsere Kristin aus Bahrain, und lernen auch ihren kleinen süßen Justus kennen. Er ist natürlich schon ein „ganz Großer“ im Vergleich zu Nico, aber beide interessieren sich füreinander. Es ist ein schönes, aber leider kurzes Treffen. Wir merken, wie wir alle das Leben in Bahrain vermissen und trennen uns schliesslich fast schon tränenreich. Das war echt toll gewesen und wir wollen die beiden gerne wiedersehen,  sobald wir wieder in Deutschland unterwegs sind!

Genauso gerne hätten wir auch Verena, Yousha und Ibrahim getroffen, aber wir haben es zeitlich nicht geschafft. Wir sind jetzt schon geschafft. Zu allem Überfluss werden wir auch noch kränklich. Die Nase läuft bei 30 Grad im Schatten und bestem Sommerwetter und wir krepeln vor uns hin. Meine Nebenhöhlen lassen grüssen. Allerdings schaffen wir es noch ordentlich einzukaufen. In Schweden sind die Klamotten nicht nur zu teuer, es gibt auch keine gute Auswahl! Natürlich gibt es auch H&M in jeder Stadt, aber insgesamt ist das Angebot überschaubar und viele Schweden fahren nach Deutschland (!) zum Einkaufen.

F-Strasse

Heimatgefühl trotz vieler Veränderungen: Bahnhof Friedrichstrasse

Die letzten Tage zerrinnen förmlich. Wir geniessen die Spaziergänge in Berlin und die Zeit mit Familie und Miezekatzen. Schliesslich wird es wieder Zeit die Koffer zu packen. Für ein paar Tage bleiben wir noch bei Oxana und Daniel, bevor es Richtung Norden geht.

Bosporus Bomber

Unser “Bosporus-Bomber” (in Anlehnung an die Autos der Deutschtürken, die in den 80er Jahren mit Sofa und Kühlschrank auf dem Dach Richtung Türkei rollten)

Wir sitzen endlich im Auto. Das Auto ist gerammelt voll. Jede kleine Lücke wurde von mir vollgestopft. Kinderwagen, Kleidung, Einkäufe. Unterm Fahrersitz 6 Gläser mit Geflügelwürstchen. Ich weiß, das ist irgendwie verrückt, aber ich habe in ganz Schweden noch nicht eine richtige Wurst gegessen!!!

Es ist kurz nach 10 Uhr und wir wollen um 17 Uhr die Fähre in Kiel bekommen. Aber zwischendurch wollen wir noch einen kleinen Abstecher nach Hamburg machen. Wir kommen gut durch und sitzen bei fast schon heißem Wetter an den Landungsbrücken und essen Matjes! Herrlich! (Grüsse an Dr. Jan und Isabell!)

Anschliessend geht es weiter nach Kiel, wo wir pünktlich unsere Fähre besteigen. Es ist ein noch grösseres Schiff als auf der Hinreise, die Kabine wie schon zuvor bequem und mit Fernseher. Von dem Abendbuffet für 70 Euro für 2 Personen halten wir uns dann doch fern  und nehmen statt dessen die Cafeteria, die Hauptsächlich für LKW-Fahrer ausgelegt ist.

Bevor uns die Müdigkeit vollens in die Waagerechte zwingt, erkunden wir noch das „Sonnendeck“. Hier ganz oben auf Deck 11 pfeift ein ordentlicher Wind, aber der Hase wird gut eingepackt und hält sich sogar selbst fest! Nach meheren Folgen „Criminal minds“ fallen die Augen zu.

romantiksonnendeck   deck11    Mittelfinger

 

50 Cent mit der Karte bezahlen

Am nächsten Morgen kommen wir pünktlich in Göteborg an. Zügig können wir das Schiff verlassen und schon sind wir in der Stadt. Da wir noch gut 450 km bis Falun vor uns haben, wollen wir nur wenige Stunden hier verbringen. Es ist eine interessante Stadt mit Ausstrahlung. Die neue Oper direkt am Meer enttäuscht jedoch. Man hätte sie vielleicht in einem Star Wars Film erwarten können, aber nicht hier. Im Einkaufszentrum frühstücken wir erst einmal und ich wundere mich beim Besuch der öffentlichen Toilette, dass ich nicht die 5 Kronen (50 Cent) mit der Karte bezahlen kann. Bin ich schon so schwedisch geworden? Aber immerhin bin ich nicht der einzige… In Stockholm kann man das übrigens auf der Bahnhofstoilette machen! Da habe ich auch zum ersten Mal eine gemischte (Damen/Herren) Toilette gesehen!!! Nur die “Keramik” für den stehenden Herrn fehlt.

göteborg

Göteborg

Gegen 14 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Falun. Zuächst Richtung Osten geht es bald schon nach Norden, nach Karlstad. Diesmal fahren wir entlang der Westküste des Vänernsees, des größten Sees des Landes und by the way drittgrößten Europas. Während wir zunächst durch eine Kulturlandschaft rollen, wird es ab etwa ab Karlstad nicht nur wesentlich einsamer, sondern auch wilder. Eine herrliche Natur, anders als bei uns in Dalarna. Leider ist es zu dämrig um mit dem Handy Fotos zu machen.

Gegen 22 Uhr holen wir den Schlüssen von Alex, einer Freundin ab, die zwischenzeitlich auch auf unsere beiden Miezekatzen aufgepasst hat. Nico wird in neue trockene Tücher gepackt und anschliessen ist auch für uns Sendepause.

 

Insgesamt war es zwar wunderschön Familie und Freunde wiederzusehen, aber es war natürlich kein Urlaub. Einzig die Hin- und Rückfahrt selbst hatten etwas derartiges an sich, da man mal nicht tausend Sachen gleichzeitig machen musste. Wir haben uns fest vorgenommen, nächstes Mal alles anders zu machen (jaja, mal gucken, ob es klappt). Z.B. nur eine Woche Deutschland, anschliessend irgendwo anders hin, z.B. Bahrain… 😉

Der Winter ist da!

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Endlich ist auch bei uns der Winter angekommen. Während es im November und auch im Dezember bis auf wenige Ausnahmen zu warm war, sind nach Neujahr die Temperaturen deutlich in den Keller gegangen. Bis -23° C zeigte das Thermometer. Auch tagsüber wurde es nicht wärmer als – 20° C.

Das erinnerte doch alles an Russland. Seit ein paar Tagen kommt jetzt auch immer mehr Schnee dazu. Bei “warmen” -10° bis -15° C kann man die Spaziergänge geniessen. Während in Deutschland bei einem halben Zentimeter Schnee das öffentliche Leben zusammenbricht und sich jeder über “Winter im Winter” wundert, läuft hier anscheinend alles noch besser:

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Spaziergang im Wald

Die Menschen sind draussen, laufen Ski, spazieren, joggen (!), fahren Fahrrad (!!) und freuen sich einfach. Der Strassenverhkehr rollt, ganz als ob nichts wäre. Apropos Fahrrad fahren: Um den Verkehr aus den Städten herauszubekommen, verteilen die Ämter z.T. kostenlos Winter-Fahrradreifen mit Spikes!

Die Leute hier sagen, dass der November der schlimmste Monat wäre. Die Tage würden immer dunkler, kürzer. Die Chancen auf Schnee sei 4-5 Wochen vor Weihnachten am geringsten. Wenn der Schnee dann endlich käme, sei es wie eine Erlösung: durch die reflektierenden Eigenschaften des Schnees sei plötzlich alles viel heller.

Während ich im Oktober noch im Sonnenaufgang auf Arbeit ankam, so war es Ende November wirklich am dunkelsten: Erst gegen 9 Uhr etwa wurde es hell, um 14 Uhr begann die Sonne bereits, sich wieder “vom Acker zu machen”. Auch jetzt steht die Sonne um 12 Uhr so tief am Himmel, wie in Berlin erst um 15 Uhr (auch im Winter natürlich) und das heißt, es ist nicht wirklich so hell.

Nur der Vollmond bringt bei klarer Nacht schön viel Licht – oder eben, wenn Schnee liegt. Eigentlich fahre ich auch bei Dunkelheit gerne Auto, aber in den riesigen Wäldern Schwedens ist es “verdammt dunkel”. Es fehlt die dichte Besiedelung, die auf mehere Kilometer die Athmosphäre mit Licht erhellt (das an den Wolken refelktiert wird). Das merkt jeder, der einmal auch bei recht klar erscheinender Nacht ein paar Sterne beobachten möchte: man sieht in einem größeren Umkreis um die Städte nur einen Bruchteil dessen, was man bei völliger Dunkelheit sehen könnte, weshalb die Sternengucker auch von “Lichtverschmutzung” sprechen.

Die Dunkelheit erklärt auch, dass fast jedes Auto mit meheren z.T. riesigen extrem starken Extrascheinwerfern ausgestattet ist, die in Deutschland so gar nicht erlaubt sind. Genausowenig wie “Dubbdäck”: das sind Reifen, die mit Spikes ausgestattet sind.            

Ebenfalls verboten in Deutschland, helfen sie bei glatten Winterverhältnissen sehr gut, allerdings hat auch dies seine Grenzen. Wer im Winter nach Schweden fahren möchte, kann getrost seine Schneeketten zu Hause lassen, denn diese sind wiederum hier verboten.

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Dubbdäck: Winterreifen mit Spikes

Von November bis April kann man mit den Spikes fahren, was bei schnee-freier Fahrbahn am schmatzenden Geräusch erkennbar ist. Unsere Winter-reifen mit Spikes haben gute 1000 Euro gekostet, aber wir haben uns sagen lassen, nicht zu billige zu nehmen. Meine Schwedischlehrerin hatte einmal einen Satz billige Dubbdäck aus einem asiatischen Land gekauft mit der Folge, dass nach wenigen Kilometern mit Tempo 80 eine Vielzahl der Spikes das Weite gesucht haben und folglich in der Landschaft lagen statt den nun nackten Reifen zu bedecken…

Der Sicherheit zuliebe gibt man dann doch lieber mehr Geld für die Anschaffung aus und nimmt auch höhere Spritkosten und Fahrgeräusche in Kauf.

Die nächsten Tage soll es nun noch kalt bleiben, wenn auch nicht soo kalt wie bisher. Mal schauen, wie lange das Wintermärchen anhält…