Eine Reise, die ist lustig…

… mer eller mindre (mehr oder weniger)

Samstag, 30 Juli 2016 –  Endlich Urlaub. Erster Tag nach anstrengenden Tagen, Wochen, Monaten. Das erste Mal seit einem Jahr geht es nach Berlin. Zu dritt im Auto – und natürlich einem kleinen Engel im Himmel. Ich weiss gar nicht wie, aber irgendwie ist das Auto gerammelt voll. Da sind weniger unsere Reiseklamotten, sondern vielmehr der Kinderwagen, der im Kofferraum nur ein paar kleine Spalten und Lücken übrig lässt. Wie erwartet brauchen wir mehere Stunden, bis wir endlich mal in die Gänge kommen. Das Auto hatte ich schon am Vortag gepackt, aber man reist mit Baby eben anders als zu zweit. Kaum will man los, sind die Hosen wieder voll, also Windeln wechseln und dann hat der kleine Mann natürlich Hunger. Anschliessend muss man noch das obligatorische Bäuerchen (liebevoll von uns auch „Farmerli“ genannt) abwarten und dann könnte man eigtentlich los. Aber dann muss man ja selber noch mal pinkeln und im Bauch zwickt es auch schon usw… Kurzum: gegen 12 sind wir dann unsere ca. 720 km weite Reise von Falun nach Trelleborg angetreten.

Falun-Trelle

Von Falun aus nach Trelleborg durchquert man praktisch ganz Südschweden

Wir haben einen schönen Tag erwischt. Die Sonne scheint, es ist nicht zu warm (haha, in Schweden zu warm…). Auf Land-, und „Bundes“strassen geht es Richtung Süden. Bis zur ersten richtigen Autobahn vergehen mehere hundert Kilometer. Zwischendurch gibt es immer wieder einmal etwas ausgebautere Streckenabschnitte, aber mehr als 100 km/h darf man dort in der Regel nicht fahren. Bei Motala nähern wir uns dem Vätternsee, dem zweitgrössten See Schwedens (1900 km2 – Bodensee 540 km2 Fläche). Hier überqueren wir wie auf unserer Anreise nach Falun im letzten Jahr den gleichnamigen Fluß Motala. Dazu müssen wir eine mautpflichtige Brücke benutzen. Eigentlich nichts besonderes, würde der schwedische Staat nicht die stolze Summe von ganzen 0,53  Euro erheben und diese auch per Post im Ausland eintreiben! Schon letztes Jahr erhielt ich ein Schreiben in Deutschland, in dem ich aufgefordert wurde, die entsprechende Gebühr zu überweisen. Gewöhnlich hat man dafür rund 2 Monate Zeit, aber versäumt man es fristgerecht zu zahlen, „so wird ein Verzugszuschlag von 32 Euro in Rechnung gestellt” !!! Das ist das 60-fache der eigentlichen Gebühr!!! Sehr gerne habe ich diese Summe auf 55 Cent aufgerundet, wobei ich wirklich gerne mal wissen würde, was das Porto des Briefes kostet…

Wir passieren die Ruine des Brahe-hus. Graf Per Brahe der Jüngere hatte es ursprünglich Mitte des 17. Jahrhunderts für seinen Frau erbauen lassen, die jedoch im Jahr der Fertigstellung verstarb. Anschliessend wurde es nur kurze Zeit genutzt und anschliessen „ausgeschlachtet“ und verlassen.

Die Fahrt ist ruhig, aber zieht sich endlos in die Länge. An einer Tankstelle werden Baby und Auto betankt. Ich gehe in den Laden um mir einen Schokoriegel zu kaufen, Nico auf dem Arm. Da kommt mir ein Mann entgegen mit einem kleinen Mädchen, vielleicht 3-4 Jahre alt. Das kleine Mädchen dreht sich in der Tür um, zeigt auf Nico und ruft ganz laut: „Guck mal Papa, da ist ein Baby!“ Nico guckt ganz entgeistert. Ich ahne, ich muss meinem Sohn zur Seite stehen, beuge mich ihr mit Nico entgegen und erwidere: „ Du bist doch auch noch ein Baby!“. Jetzt guckt das kleine Mädchen ganz entgeistert, während Nico vor sich hin grunzt. Ihr Vater lacht und ich habe auch meinen Spass, nur die Kleine (und bestimmt auch Nico) versteht die Welt nicht mehr…

Brahehus

Das Brahe-Hus am Vännernsee

Als es schliesslich dunkel wird kommen wir gegen 22 Uhr in Höllviken bei Trelleborg an.  Die Unterkunft, die ich in aller Eile gebucht hatte liegt etwa 50 Meter vom Meer entfernt. In der Abenddämmerung kann man die Öresundbrücke gerade noch erkennen. Eine wunderbare Lage, wären es jetzt nicht so spät.

In der stressigen Zeit vor der Abreise hatte ich übersehen, dass man bei einer späten Ankunft vorher Bescheid geben soll. So stehen wir jetzt vor der verschlossenen Eingangstür mit der Aufschrift „Rezeption schliesst um 20 Uhr“. Ich könnte ausrasten! Einerseits über die Schweden (bei welcher normalen Unterkunft ist in der Hauptreisesaison die Rezeption abens nicht nach 20 Uhr besetzt?), andererseits aber über mich selber! Wieso habe ich das Kleingedruckte nicht gelesen? Dort steht es ganz klar Schwarz auf Weiß! Außerdem: bei Stornierungen weniger als 24 Stunden vor der Anreise oder bei Nichterscheinen wird der volle Betrag in Rechnung gestellt! Na großartig!!! Wenn ich so gelenkig wäre, würde ich mir jetzt wirklich das Gesäß zerkauen!!! Andererseits hätte ich große Lust mich auf diese kleine Bank zu stellen und gegen die Fenster zu urinieren und…

Ich sehe es schon vor meinem geistigen Auge: junge Arztfamilie haust wie die „Clochards“ unter einer Brücke, das Kind schreiend in zum bersten vollen Windeln, die Rabeneltern zusammengekauert daneben mit knietiefen Augenringen und einem leeren Blick wie bei CrystalMeth-Konsum. Das mit der obdachlosen Kleinfamilie in bitterkalter Nacht klingt etwas nach Josef und Maria, aber das will ich mir nicht anmaßen. Außerdem sehe ich hier weit und breit keinen Stall. Und dann auch noch den vollen Preis von über 100 Euro bezahlt!!!! Ich könnte heulen…

oresund

Strand bei Höllviken, im Hintergrund die Öresundbrücke, die Malmö mit Kopenhagen verbindet

Bevor ich mich an meinem zusammengeheulten emotionalen Sabber verschlucke klingelt das Telefon. Eine SMS informiert uns, dass wir in einem Safe in der Aussenwand  den Zimmerschlüssel finden können. What?? Wie…? Ich kann es kaum glauben, bin erleichtert und die Brücke vor meinem geistigen Auge verwandelt sich in ein angenehmes Hotelzimmer mit angenehmen Bett und Dusche. Ich könnte die Schweden umarmen – wenn sie denn hier wären!! Das klingt echt affektlabil: Eben noch gedanklich Bomben gebaut und jetzt Glücksgefühle wie ein Feuerwerk, aber die Nerven liegen etwas blank und wir sind hundemüde. Ich bin froh, dass ich doch nicht die Fenster „verziert“ und Exkremente an der Häuserwand verschmiert habe. Jedoch degeneriert das angenehme Hotelzimmer meiner verwunschenen Vorstellung zu einem kleinen Zimmer in dem uns erst einmal zwei fast nackte Doppelstockbetten angrinsen.

Trotzdem, wir sind dankbar für diese kleine Unterkunft, die unseren gesunkenen Ansprüchen voll und ganz gerecht wird. Auch das Fehlen der Bettwäsche, die man laut Aushang an der Rezeption ausleihen kann (LOL) oder besser gleich selber mitbringt, wird verträumt ignoriert. Ist nicht schlimm, bloß ein Bett, etwas fließend Wasser und alles ist gut. Die Kopfkissen werden provisorisch mit unseren Jacken überdeckt und so kann man das Haupt enspannt in den ersehnten Schlaf sinken lassen. Irgendwie scheint diese Reise auch eine Zeitreise zu sein, ein Gedanke, den ich noch öfters haben sollte. Dieses Zimmer, die dunkle gelblich schimmernde Lampe… das versprüht den Charm der alten NVA-Kaserne im tieftsten Brandenburg, in der ich damals meine Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvierte. Mit rot-weiss karierter Bettwäsche könnte es aber auch fast so aussehen wie diese alten Bauernstuben aus dem Mittelalter. Ein bewohntes Museum. Sogar der Geruch passt. Es ist 1 Uhr nachts, als ich mich nun endlich aufs Bett werfe und  ich bin froh, dass es nicht gleich auseinander bricht.

 

Trelleborg

Um 4 Uhr in der Früh ist die Nacht schon wieder vorbei. Wir schälen uns aus den Betten und machen den Hasen fertig. Es dämmert und direkt an der Küste fahren wir die gut 13 km nach Trelleborg. Dort wartet bereits eine Schlange von Autos aus Deutschland, Polen, den Niederlanden und natürlich Schweden. Einige der Fahrer schlafen in ihren Transportern. Eine ältere Frau wühlt in den Mülltonnen nach Pfandflaschen, und fragt an jedem Auto danach. Was soll man denn auch in Deutschland mit schwedischen Pfandflaschen? Allerdings ist der Pfandwert mit 10-20 Cent umgerechnet auch nicht besonders uppig. Endlich ist es soweit, es geht los. Während die einen noch schlafen, fahren die anderen schon um die noch Schlafenden herum. Insgesamt geht es aber sehr geordnet zu. An dem kleinen Kontrollhäuschen legen wir die Pässe vor. Schweden hatte bereits letztes Jahr die Passkontrollen im Zuge der Flüchtlingskrise wieder eingeführt, was bedeutete, dass unser kleiner Hase ebenfalls einen Pass brauchte.

trelle port

Der Hafen von Trelleborg, der südlichsten Stadt Schwedens

Das war zum Glück leichter als gedacht. Zuständig für die Ausfertigung von Pässen ist die deutsche Botschaft in Stockholm. Für die erstmalige Ausstellung mit Anerkennung der Staatsbürgerschaft für Kinder deutscher Eltern im Ausland ist die Vorlage verschiedener Dokumente in beglaubigten Kopien erforderlich. Allerdings gibt es in Schweden kein dem deutschen vergleichbares Urkundenwesen. Auch nehmen es die Schweden nicht unbedingt so genau. Als Geburtsurkunde gibt es jediglich das Protokoll des Krankenhauses. Auf dem Auszug des „Melderegisters“ wird hingegen nicht der tatsächliche Geburtsort angegeben, sondern der Ort, an dem die Eltern zur Geburt des Kindes gemeldet waren. Aha. Daher, so war auf der Seite der deutschen Botschaft in Stockholm zu lesen, kann nur über Umwege auf Wunsch eine deutsche Geburtsurkunde nachträglich beantragt werden. Die Bestimmungen waren aber recht umfangreich, und eigentlich wollten wir erst einmal nur einen Pass für Nico haben. Alle Dokumente müssen als  beglaubigte Kopien in Stockholm vorgelegt werden und zu einer Identitätsprüfung muss das Kind incl. Beider Elternteile anwesend sein. Das kostet, dachte ich mir. Alleine die Beglaubigungen, dann die Reise nach Stockholm, ich müsste einen Urlaubstag nehmen… Zum Glück gibt es in der 8000-Seelengemeinde Rättvik einen Honorarkonsul der deutschen Botschaft. Wir konnten daher die ganze Prozedur abkürzen, weil dieser nicht nur bevollmächtigt ist, die Dokumente zu beglaubigen, sondern auch die Identitätsprüfung durchzuführen. Zudem verlangte er noch nicht einmal Geld für die Beglaubigungen! Gibt es denn noch so etwas?

Also stehen wir am Schalter, werden begutachtet und zur Fähre durchgelassen. Zum Glück haben wir eine Kabine gebucht, die einfach, aber nach dieser schlaflosen Nacht sehr angenehm ist. Wir frühstücken noch und haben immerhin 5 Stunden Ruhe bis zur regnerischen Ankunft in Rostock.

Die Tom Saywer schluckt ein Auto nach dem anderen

Die Tom Saywer schluckt ein Auto nach dem anderen

 

“Blowing in the wind…”

In Rostock geht alles erfreulich schnell. Jedoch stecken wir kurze Zeit später auf der Autobahn in einem Stau. Ich mache das Fenster auf und lasse mir den kühlen Wind um die Nase wehen. Sommer in Deutschland… soll das jetzt die nächsten vier Wochen so weitergehen? Es richt nach Zigarette, ekelhaft. Im Spiegel seh ich den Fahrer hinter uns, an sein Auto gelehnt, eifrig an seiner Zigarette ziehend. Ein Endfünfziger, schmal, Jeanshose, abgewetztes Hemd. Ich schliesse das Fenster, ist halt nicht so angenehm mit einem Kleinkind. Es regnet etwas mehr und genau jetzt muss Nico anfangen unruhig zu werden. Na toll. Aber eigentlich hat er sich bisher tapfer geschlagen. Nun ist es wieder an einer Mahlzeit für ihn. Wir also beide raus, ich den Regenschirm in der Hand, Olga steckt den Kopf ins Auto und betankt den Kleinen. Ein Sommermärchen: im Regen stehen und von Autos umgeben.

Spiegel

Immer wieder schön…

Der Fahrer hinter uns, der Raucher, hat sich in seinen überfüllten Skoda gesetzt. Unangenehm sieht er schon aus, irgendwie unappettitlich. Er grinst nur doof in die Landschaft. Neben ihm wahrscheinlich seine Frau, die ebenfalls an verrauchtes, welkes Obst erinnerte. Ich wendete mich ab. Im Wagen gegenüber eine Kleinfamilie, die Mutter mit Häkelarbeit beschäftigt, während der Vater meditativ die Finger in der Nase versenkt. Die Kinder langweilen sich, wie ich. Ich schaute wieder zu dem Raucherskoda. Jetzt sitzt nur noch der „Alte“ drin und guckt nach wie vor etwas eigenartig. Seine Begleiterin ist verschwunden, vielleicht hockte sie ja an einem der wenigen Bäumchen um sich zu erleichtern. Ein Krankenwagen huscht vorbei, dann wieder Langeweile. Die Familie gegenüber bietet auch keinen aufregenden Anblick. Die Mutter hantiert mit dem Garn, der Vater hat seine Aufmerksamkeit auf die Ohren verlagert. Nico kämpft derweil mit dem Fläschen und kein Ende ist in Sicht. Na toll. Ich schaue wieder zum Raucherskoda. Der Mann hat ein verzerrtes Gesicht, als ob er an einen Elektrozaun pinkeln würde. Seine Begleiterin ist immer noch abgetaucht. Apropos abgetaucht: plötzlich erhebt sie sich seinem Schoß, wischt sich mit der rechten Hand über den Mund und grinst das „Räuchermännchen“ an. Der macht jetzt einen ganz entspannten Eindruck und fummelt sich irgendwo rum, wahrscheinlich schliesst er gerade die Stalltür. Das war also das Bäumchen… Mir ist irgendwie übel. Andererseits möchte ich fast in schallendes Gelächter ausbrechen, während ich mich weiterhin am Regenschirm festhalte und es nicht erwarten kann wieder im Trockenen zu sitzen. Während ich beschämt zur Seite blicke, rieche ich wieder Zigarettenqualm…

hase tanken

Hase wird betankt

Irgendwann geht es dann doch weiter, aber mit viel Verzögerung erreichen  wir Hohen Neuendorf bei Oranienburg. Hier übernachten wir bei Oxana und Daniel, die wiederum gerade in Schweden sind und heute in Falun ankommen. Während wir hier unser Lager aufschlagen, hüten sie dort unsere Wohnung samt Katzen. Hier hingegen wartet Kater Lis auf uns, der nachts Streife läuft und sich tagsüber entweder auf dem Sofa hier oder bei den Nachbarn räkelt und verköstigen lässt.

Nach wenigen Tagen geht es dann übernachtungstechnisch zu meinen Eltern, die dann später wiederum selber in den Urlaub fahren und wir dann „sturmfreie Bude“ und Samia und Dani um uns herum haben.

Wir hatten uns eine Menge vorgenommen: unsere Lieben und Freunde treffen, unser Lager auflösen, unseren alten VW-Transporter verkaufen, den alten DDR-Simson-Roller zu Daniel transportieren… Und vor allem die breite kulinarische Vielfalt in Berlin geniessen. Während hier beim Inder die Gerichte um die 6-10 Euro kosten, geht es bei dem Inder in Falun erst einmal bei 16 Euro los. Aber auch endlich mal wieder einen Döner essen, die knoblauchreiche Soße am Kinn runterlaufen lassen oder Sushi in ausreichender Menge am Rathaus in Steglitz zu verschlingen. Unseren Lieblingsafrikaner (Äthiopische Küche) am Halleschen Tor nicht zu vergessen!

Von all dem schaffen wir nur teilweise das mir den Freunden und das mit dem Essen. Viele schaffen wir nicht zu sehen und das Lager, der VW-Transporter usw. stehen immer noch da. Übrigens: hat jemand Interesse an einem  VW LT Bj 1992?

wannsee

Fast schon Westerland: Strandbad Wannsee, die Riviera des Berliners

Mitte August steht die Hochzeit von Irina und Ludwig auf dem Programm. In der Nähe von Cloppenburg in Niedersachsen, gute 440 km von Berlin entfernt soll die kirchliche Trauung stattfinden. Es ist die beste Freundin von Olga, beide kennen sich schon aus dem gemeinsamen Studium an der Universität in ihrer Heimatstadt Kirov, da ist es doch selbstverständlich, dass man den Weg auf sich nimmt. Nach einer anstrengenden Fahrt erreichen wir den kleinen Ort. Die Eltern des Bräutigams haben ein wunderschönes Anwesen. Ein altes Bauerngut rundumerneuert, historisch wieder neu aufgebaut. Hier lernen sich auch Nico und die nur 1 Monat ältere Anna kennen, die Tochter von Irina und Ludwig. Beide beglotzen sich gespannt und Irina hatte uns schon gewarnt, dass Anna nicht jeden anlächelt. Aber Nico schafft es mit seinem Charme und beide betatschen sich im Gesicht und greifen nach den Händen des anderen.

Am nächsten Tag ist die kirchliche Hochzeit. Die erste für Nico. Mal gucken, wie er sich verhält. Es gibt auch andere Kinderwägen, und die Plätze sind so gewählt, dass man mit den quakenden Ungeheuern über einen Seitengang die Kirche schnell verlassen kann. Das Brautpaar marschiert ein. Irina sieht wunderbar aus, Ludwig trotz seines mächtigen Erscheinungsbildes wirkt schüchtern. Kein Wunder, würde mir auch so gehen bei gut 150 Gästen. Glücklicherweise scheint der Pfarrer meine Gedanken lesen zu können und die Zeremonie dauert nicht allzulange. Auch Nico war die ganze Zeit über sehr ruhig gewesen, währden seine „Kollegen“ dann doch noch einige Kommentare abgeben mussten und höflich nach draussen begleitet wurden.

Am Abend noch eine schöne Feier, sogar Nico hat seinen Spass. Wir ziehen uns gegen Mitternacht zurück, morgen soll es wieder nach Berlin gehen.

porta west

Porta Westfalica mit Blick auf die Weser

Am nächsten Morgen geht es gegen 10 Uhr los. Durch eine Umleitung kommen wir zu sehr nach Süden, sodass wir uns entscheiden in Diepholz beim Bundeswehr-/Luftwaffenstützpunkt vorbeizufahren. Wieder eine Zeitreise. 1997-1998 habe ich hier bei einer elitären Nachschubeinheit gedient. Das Nivau war so hoch, dass ich später auf die Frage, ob ich Bundeswehr oder Zivildienst gemacht habe, antwortete: „Ich habe als Pfleger Zivildienst bei der Bundeswehr gemacht“. Komischerweise fragten dann viele „Ach so, das gibt es auch?“ (Unterbelichtung ist anscheinend nicht nur auf die Bundeswehr begrenzt). Dabei wollte ich doch nur meine innere Distanz zu dieser „Trümmertruppe“ (dem LwÜ/LmatDp 21) darstellen, die u.a. auf einer „Bildungsreise“ nach Hamburg mehr Pommesbuden und zwielichtige Spelunken (und damit meine ich keine Kneipen…) besucht hat als historische Gebäude usw. Ich war damals bewusst nicht mitgefahren. Mein kleiner Kumpel Guzzi, den man auch „Moto“ nannte (wegen “Moto Guzzi”) erzählte mir später, wie er alleine vor einem Bordell stehengeblieben war, während alle anderen das Gebäude „gestürmt“ hätten. Der arme. Ich habe während dieser Zeit gelernt, wie man sich „von der Arbeit verpisst“, eine sehr wichtige Lektion fürs Leben.

Nun stand ich also vor dem Kasernenkomplex, fast 20 Jahre später. Keine Soldaten, die Wache schieben. Die modernen Soldaten passen nicht mehr selber auf  sich auf. Früher hat sich der Kindergarten wenigstens noch selber bewacht, heute macht das ein privater Wachdienst. Schlimm, wo sind wir nur hingekommen…

Da auf der Autobahn schon wieder Stau irgendwie zwischen Osnabrück und Bad Oeynhausen angekündigt ist, entscheiden wir uns über Porta Westfalica zu fahren. Ich bin noch nie da gewesen, die Statue immer nur schemenhaft vom Zug damals gesehen. Die Fahrt zieht sich, aber schliesslich sind wir angekommen und genissen einen wunderschönen Blick.

Es geht weiter nach Magdeburg. In Hannover müssen wir weiträumig die Stadt umfahren. Nahe der Autobahn wird wieder einmal eine Weltkriegsbombe entschärft, ganze Viertel wurden evakuiert.

Justus Nico

Justus und Nico haben Spass

Am Abend treffen wir schliesslich in Magdenburg unsere Kristin aus Bahrain, und lernen auch ihren kleinen süßen Justus kennen. Er ist natürlich schon ein „ganz Großer“ im Vergleich zu Nico, aber beide interessieren sich füreinander. Es ist ein schönes, aber leider kurzes Treffen. Wir merken, wie wir alle das Leben in Bahrain vermissen und trennen uns schliesslich fast schon tränenreich. Das war echt toll gewesen und wir wollen die beiden gerne wiedersehen,  sobald wir wieder in Deutschland unterwegs sind!

Genauso gerne hätten wir auch Verena, Yousha und Ibrahim getroffen, aber wir haben es zeitlich nicht geschafft. Wir sind jetzt schon geschafft. Zu allem Überfluss werden wir auch noch kränklich. Die Nase läuft bei 30 Grad im Schatten und bestem Sommerwetter und wir krepeln vor uns hin. Meine Nebenhöhlen lassen grüssen. Allerdings schaffen wir es noch ordentlich einzukaufen. In Schweden sind die Klamotten nicht nur zu teuer, es gibt auch keine gute Auswahl! Natürlich gibt es auch H&M in jeder Stadt, aber insgesamt ist das Angebot überschaubar und viele Schweden fahren nach Deutschland (!) zum Einkaufen.

F-Strasse

Heimatgefühl trotz vieler Veränderungen: Bahnhof Friedrichstrasse

Die letzten Tage zerrinnen förmlich. Wir geniessen die Spaziergänge in Berlin und die Zeit mit Familie und Miezekatzen. Schliesslich wird es wieder Zeit die Koffer zu packen. Für ein paar Tage bleiben wir noch bei Oxana und Daniel, bevor es Richtung Norden geht.

Bosporus Bomber

Unser “Bosporus-Bomber” (in Anlehnung an die Autos der Deutschtürken, die in den 80er Jahren mit Sofa und Kühlschrank auf dem Dach Richtung Türkei rollten)

Wir sitzen endlich im Auto. Das Auto ist gerammelt voll. Jede kleine Lücke wurde von mir vollgestopft. Kinderwagen, Kleidung, Einkäufe. Unterm Fahrersitz 6 Gläser mit Geflügelwürstchen. Ich weiß, das ist irgendwie verrückt, aber ich habe in ganz Schweden noch nicht eine richtige Wurst gegessen!!!

Es ist kurz nach 10 Uhr und wir wollen um 17 Uhr die Fähre in Kiel bekommen. Aber zwischendurch wollen wir noch einen kleinen Abstecher nach Hamburg machen. Wir kommen gut durch und sitzen bei fast schon heißem Wetter an den Landungsbrücken und essen Matjes! Herrlich! (Grüsse an Dr. Jan und Isabell!)

Anschliessend geht es weiter nach Kiel, wo wir pünktlich unsere Fähre besteigen. Es ist ein noch grösseres Schiff als auf der Hinreise, die Kabine wie schon zuvor bequem und mit Fernseher. Von dem Abendbuffet für 70 Euro für 2 Personen halten wir uns dann doch fern  und nehmen statt dessen die Cafeteria, die Hauptsächlich für LKW-Fahrer ausgelegt ist.

Bevor uns die Müdigkeit vollens in die Waagerechte zwingt, erkunden wir noch das „Sonnendeck“. Hier ganz oben auf Deck 11 pfeift ein ordentlicher Wind, aber der Hase wird gut eingepackt und hält sich sogar selbst fest! Nach meheren Folgen „Criminal minds“ fallen die Augen zu.

romantiksonnendeck   deck11    Mittelfinger

 

50 Cent mit der Karte bezahlen

Am nächsten Morgen kommen wir pünktlich in Göteborg an. Zügig können wir das Schiff verlassen und schon sind wir in der Stadt. Da wir noch gut 450 km bis Falun vor uns haben, wollen wir nur wenige Stunden hier verbringen. Es ist eine interessante Stadt mit Ausstrahlung. Die neue Oper direkt am Meer enttäuscht jedoch. Man hätte sie vielleicht in einem Star Wars Film erwarten können, aber nicht hier. Im Einkaufszentrum frühstücken wir erst einmal und ich wundere mich beim Besuch der öffentlichen Toilette, dass ich nicht die 5 Kronen (50 Cent) mit der Karte bezahlen kann. Bin ich schon so schwedisch geworden? Aber immerhin bin ich nicht der einzige… In Stockholm kann man das übrigens auf der Bahnhofstoilette machen! Da habe ich auch zum ersten Mal eine gemischte (Damen/Herren) Toilette gesehen!!! Nur die “Keramik” für den stehenden Herrn fehlt.

göteborg

Göteborg

Gegen 14 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Falun. Zuächst Richtung Osten geht es bald schon nach Norden, nach Karlstad. Diesmal fahren wir entlang der Westküste des Vänernsees, des größten Sees des Landes und by the way drittgrößten Europas. Während wir zunächst durch eine Kulturlandschaft rollen, wird es ab etwa ab Karlstad nicht nur wesentlich einsamer, sondern auch wilder. Eine herrliche Natur, anders als bei uns in Dalarna. Leider ist es zu dämrig um mit dem Handy Fotos zu machen.

Gegen 22 Uhr holen wir den Schlüssen von Alex, einer Freundin ab, die zwischenzeitlich auch auf unsere beiden Miezekatzen aufgepasst hat. Nico wird in neue trockene Tücher gepackt und anschliessen ist auch für uns Sendepause.

 

Insgesamt war es zwar wunderschön Familie und Freunde wiederzusehen, aber es war natürlich kein Urlaub. Einzig die Hin- und Rückfahrt selbst hatten etwas derartiges an sich, da man mal nicht tausend Sachen gleichzeitig machen musste. Wir haben uns fest vorgenommen, nächstes Mal alles anders zu machen (jaja, mal gucken, ob es klappt). Z.B. nur eine Woche Deutschland, anschliessend irgendwo anders hin, z.B. Bahrain… 😉

2 thoughts on “Eine Reise, die ist lustig…

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