Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Beitrag schreibe, oder vielmehr, ob ich ihn veröffentlichen sollte. Die aufgeheizte Stimmung führt zu immer mehr Anfeindungen gegenüber Menschen, die sich positionieren. Bislang bin ich verschon geblieben, wahrscheinlich weil ich unbedeutend bin und meine Zielgruppe vor allem Freunde, Bekannte und Verwandte sind. Die Zahl der Likes und Klicks und “Däumchen-hoch” sind mir nicht so wichtig.
Bei vielen Themen ist die Konfrontation meist nicht ganz so gravierend, aber schon das Thema Nahostkonflikt und Migration führt zu einer gereizten Grundstimmung – auch innerhalb von Familien. Ich habe mich aber schließlich doch entschieden hier etwas öffentlich zugänglich zu schreiben.
Die Welt dreht durch. So könnte man die aktuelle Situation beschreiben. Streiks hier und dort, Arzneimittelknappheit, abgehörte Offiziersgespräche, der Krieg im Nahen Osten, der Krieg im “noch näheren Nahen Osten” – quasie vor unserer Haustür -, Chaos und Gewalt in Haiti …
Die unnötigen kriegerischen Auseinandersetzungen besonders in unserer geografischen Nähe belasten uns alle. Provozierende “Ideen” wie eine nicht ausgeschlossene Entsendung von EU/NATO-Bodentruppen in der Ukraine (Macron, 27.02.2024) oder Russlands Drohungen mit Atomwaffen zerstören unser aller friedlich geglaubtes Weltbild. Im Schatten dieses nahen Krieges dann auch noch dieser furchtbare Krieg zwischen Israel und Palästina.
Haß ist immer abzulehnen!
Sie ist aufgeheizt, die Stimmung in unserem Land, ganz besonders wenn es um das Verhältnis zu Israel geht. Da wird mit Worten wie “antisemitisch” scheinbar inflationär umgegangen. Übrigens: Ich habe bis heute nicht ganz verstanden, wie die Bedeutung dieses Wortes entstanden ist. Semiten sind eigentlich Völker, die eine semitische Sprache sprechen. Dazu gehören neben Israelis auch Araber, Aramäer, Malteser, manche Völker am Horn von Afrika. Nun gut, ich lasse mich gerne Besseren belehren, aber genau wie sicherlich die Mehrheit der Menschen in Deutschland Judenhass inakzeptabel findet, ist derselbige für mich ebenso inakzeptabel! Generell Hass ist kompromisslos abzulehnen. Gegen alle, ohne Ausnahme!
Ohne Ausnahme? Nun ja, hier scheint man in Deutschland (und sicherlich anderswo auch) zu differenzieren. Judenhass habe ich im Alltag so noch nicht beobachten können (den gibt es sicherlich), vielmehr aber die abfälligen Kommentare über Araber, Türken und Afrikaner und andere, vor allem wenn es Muslime sind (“die machen Kopftuchmädchen“, “Drogendealer“, Übervölkerung durch fremde Kulturen…).
Die moralischste Armee der Welt
Mein Vertrauen in die deutsche Politik wurde einmal mehr erschüttert durch die unverhohlene Relativierung von Leid im Namen der deutschen Geschichte. Ca. 1500 israelischen Opfern stehen ein Vielfaches an palästinensischen Opfern gegenüber. Eine hochgerüstete Armee (“die beste Armee der Welt“), vor allem aber “die moralischste Armee der Welt” führt im Namen des Fast-Alleinherrschers “Bibi” Nethanyahu eine Art Vernichtungskrieg gegen ein Volk, das eines der ärmsten ist. Getrieben von wahnhaft rassistisch anmutenden Bestrebungen die Ausrottung der Hamas als Garantie für das eigene politische Überleben anzusehen, setzt er ebenso die Sicherheit und Existenz seines Landes aufs Spiel.
In Gaza wiederum verfliegt die verbliebene Existenz quasie im Kugel- und Bombenhagel. Bereits vor dem Krieg lebten die Menschen in Gaza in menschenunwürdigen Bedingungen. Die Schuld alleine der Hamas zuzuschreiben ist zu einfach.
Im Krieg gibt es keine Moral
Übrigens: eine moralische Armee, gar die moralischste Armee ist ein Farce. Armeen sind für Kriege da (wenn auch zur Verteidigung) und Krieg bedeutet immer Leid und Verderben – auch wenn die Gründe für den Krieg noch so moralisch erscheinen. Es wird getötet, vergewaltigt, zerfetzt, traumatisiert. Der Mensch wird zur Bestie. Da gibt es keine Moral. … Haben wir nichts gelernt?
Nun also stehen Terroristen mit selbstgebastelte Raketen und Kalashnikows (ohne dass ich das verharmlosen möchte!) einer hochgerüsteten Kriegsmaschinerie gegenüber, die sicherlich sogar den US-Streitkräften den Rang ablaufen würde. Und diese Maschinerie wird gnadenlos eingesetzt. Daß die Hamas zivile und schutzbedürftige Arealen wie Krankenhäuser und Schulen durchdrungen hat und jetzt Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt ist nur ein Teil des palästinensischen Dramas in Gaza. Dazu muß man wissen, dass israelische Dienste Interesse an einer Zersplitterung der palästinenischen Zivilgesellschaft und Machtstrukturen hatten und die Hamas ein gewolltes Instrument war. Die wiederum hat nicht nur die Bevölkerung und Oppositionelle in ihrer Gewalt, sondern zu ihrer Legimitierung auch staatliche Aufgaben übernommen: Gesundheitseinrichtungen, Kindergärten, Wohlfahrtsorganisationen, sprich alles das, was ein funktionierender Staat eigentlich leisten müsste – der aber durch israelische Interessen nicht gewollt und geschwächt wurde. Die Unterscheidung “zivil” und “Hamas” ist hier kaum noch möglich. Man muss vielmehr einen bewaffnerten Teil von einem zivilen Teil unterscheiden.
Der Schutz aller Völker sollte Staatsräson sein
Ob in Anbetracht der übertriebenen und schier blinden Gewalt der kriegsfreudigen Teile der israelischen Politiker und Armee hier der Gegenstand des Völkermordes erfüllt ist, stellt eine nachrangige Diskussion dar, solange Menschen getötet werden oder verhungern. Im Westjordanland wiederum findet seit Jahrzehnten eine Vertreibung der angestammten Bevölkerung statt, die sich wahrscheinlich mit dem Begriff der ethnischen Säuberung beschreiben lässt. Die deutsche Außenpolitik enttäuscht jedoch: anstatt für Frieden einzutreten enthält sie sich bspw. wiederholt im UN-Sicherheitsrat, als es um eine Waffenruhe ging. Die vielen palästinensischen Opfer scheinen kaum eine Rolle zu spielen.Ist ein israelisches Opfer mehr wert? Israels Sicherheit sei Deutschlands Staatsräson – sollte nicht der Schutz aller Völker Staatsräson sein…?
Die Ignoranz und Arroganz der westlichen Diplomatie ist ein gefährliches Spiel. Daran ändern auch nicht die langsam sich regenden vorsichtigen Appelle an Israel und auch die erste Lieferung von Nahrung und Medizin mittels eines etwas größeren Fischkutters aus Zypern. Auch der Abwurf von Gütern über Gaza gleicht einer Kapitulation und ist lediglich ein Zucken der Unfähigkeit und vor allem Unwilligkeit.
Ebenso wie die Politik formiert sich auch ohne viele Zwischentöne die Gesellschaft und Kultur. Die diesjährige Berlinale ist ein gutes Beispiel. Blind wird mit Antisemitismusvorwürfen gegen jegliche Kritik gewettert. Judenhass konnte ich aus der Israel-Kritik jedoch nicht wirklich entnehmen, wohl aber Kritik an der israelischen Politik und Kriegsführung. Und diese ist definitionsgemäß nicht antisemitisch…
Kürzlich hat eine Ikone der deutschen Alberei – Dieter Hallervorden – mit einem Brief an den Bundeskanzler Scholz Aufmerksamkeit erregt. Darin drückt er nicht nur seine Sorge aus, sondern fordert auch den Einsatz der deutschen Politik für den Frieden:
Ich kann nur sagen: Didi hat recht! Ich kann mich ihm nur anschliessen!
In diesem Sinne hoffe ich auf Frieden in Nah und Fern und wünsche uns Besonnenheit im Umgang mit allen diesen Themen und auch miteinander!
Endlich Urlaub! Nach einem anstrengenden Jahr war wieder eine “Erholungsreise” gepant. Naja, wenn wir unterwegs sind, dann ist das mit der Erholung nicht so einfach… Nico ist jetzt 3 Jahre alt und es ist doch recht “anspruchsvoll” das kleine Energiebündel zu kontrollieren.
Nach meiner Facharztprüfung – einem Mittwoch- hatte ich ganze 2 Werktage frei. Nach einem Wochenende ging es dann auch schon wieder los: in neuer Praxis, neuen Mitarbeiterinnen (ich bin der Hahn im Korb, Kikeriki!), neuen Kolleginnen und neuen Patienten. Bis auf eine Woche wurde der ganze Sommer durchgearbeitet, was ich aber gar nicht so schlimm fand, weil wir ja wieder einen wunderbaren Sommer hatten. Zum September hin, dünnten die Kraftreserven jedoch etwas aus und so freuten wir uns auf den Urlaub.
Tip: Egal ob Ihr Kinder habt oder nicht, nehmt immer einen Kinderwagen mit!
Während in Deutschland im September die letzten warmen Tage verstreichen und der Vorgeschmack auf Herbst sich breit macht, machen wir uns auf den Weg nach Frankfurt. Nach einer Nacht in einem Hotel am Flughafen geht es zum Checkin. Die Entscheidung, einen Kinderwagen mitzunehmen war goldrichtig gewesen! Bei der Gepäckaufgabe sagte man und, wir können den Wagen bis zum Gate mitnehmen, was angesichts der Entfernungen super war. Das Beste jedoch: Der Trolley fungiert ab jetzt als VIP-Ticket. Egal ob bei der Passkontrolle oder aber beim Security-Check, überall führt man uns direkt zu der Stelle, wo man mit Kinderwagen durchkommt. Wir können also an den stehenden Massen vorbeiziehen und müssen keine Sekunde warten!!! Herrlich! Ich verreise ab nun an nur noch mit Kinderwagen!
Wir wollen ein paar Tage in Dubai verbringen und anschliessend noch eine Woche in Bahrain. Freunde wiedersehen, auftanken. Nach einem Zwischenstopp in Bahrain geht es weiter nach Dubai. Was mich schon immer fasziniert hat, ist die ausgiebige Beleuchtung der nachts fast leeren Autobahnen in den Emiraten. Von Horizont zu Horizont ziehen sich die Lichterketten, mitunter kann man vereinzelte Lichter, die von Autos stammen, ausmachen.
Landung in Dubai (DXB)
Die Ankunft in Dubai verläuft reibungslos, trotz der schier unendlichen Größe des Flughafens. Eine kleine Metro bringt uns in die Ankunftshalle und da liegt auch schon der Kinderwagen und unsere beiden Taschen bzw. Koffer kommen auch schon. Ich war noch nie so schnell durch!
Auch die Abholung des Mietwagens gestaltet sich recht einfach. Neben uns ein Afrikaner mit französischem Pass. Lächelnd erklärt er dem Mann am Schalter, dass er nur eine Kopie seines Führerscheins hätte. Doch der Schaltermann winkt ab: keine Chance, das Original alleine zählt! Der Afrikaner zuckt gelassen mit den Schultern, lächelt und fragt noch, ob es hier Uber* gäbe, bevor er geht.
*Uber: Ein amerikanisches Unternehmen, das online Vermittlungsdienste für Personenbeförderung anbietet.
Der Mann hat mich beeindruckt! Diese Gelassenheit! Wenn mir das passiert wäre…. Da können wir ne ganze Menge von ihm lernen!
Ein junges Paar kommt mit zwei kleinen Mädchen. Mama trägt Kopftuch, Papa wirkt südländisch. Er spricht Englisch mit dem Schaltermann. Da sehe ich seinen deutschen Pass in den Händen. Es ist eine Familie aus Frankfurt mit marokkanischen Wurzeln. Arabisch spreche er lieber nicht, weil niemand seinen Dialekt hier verstehen würde… – so fühle ich mich auch, manchmal wenn ich einem Bayer gegenüber stehe (sorry Jungs, aber der passte jetzt gut! 😉 )
Ausblick aus dem 20.Stock
Wir bekommen unser Auto. Es ist ein Mitsubishi Pajero. Mit diesem Wagen haben wir im Oman gute (Offroad-) Erfahrungen gemacht. Dieses Mal wollen wir es lieber gelassener angehen, aber die Größe bringt gleich mehere Vorteile mit sich: man kann den Kinderwagen locker verstauen, hat mehr Knautschzone und durch den hohen Sitz auch einen besseren Überblick. Nach 20 min Fahrt durch das nächtliche Dubai über vielspurige Highways haben wir es endlich geschafft: ein 4-Sterne Hotel. Der Wagen wird am Eingang abgegeben und von einem Hotelangestellten geparkt. Auf Parkplatzsuche hätte ich jetzt eh keine Lust mehr gehabt.
Jeder hat seinen eigenen Fokus…
Doch trotz der späten Stunde herrscht hier reger Verkehr – und das im doppelten Sinne: leicht bekleidete junge Damen, die mit faltigen Herren auf ihren Hotelzimmern verschwinden. Dass hier gearbeitet wird, liegt auf der Hand… Olga und ich gucken uns an und müssen schmunzeln.
Erst einmal ausschlafen! Wir haben ein Zimmer im 20. Stock, fast ganz oben. Eine Aussicht auf Highways und in der Ferne den Burj Al Arab.
Durch die Stadt der Superlativen
Am Morgen nehmen wir unser Auto wieder in Empfang und los geht’s – erstmal in die falsche Richtung. Das ist gar nicht so schwer hier! Die Stadt hast sich entlang der Küste ausgebreitet, scheinbar ganz ohne Stadtplanung. Dementsprechend gestaltet sich das Strassennetz. Während es aus der Entfernung eher schachbrettartig anmutet, so zeigt es sich bei näherer Betrachtung von seiner wahren Seite: Highways mit zahllosen Spuren (wie haben einmal 8 Spuren gezählt – in einer Richtung!), neben- und hintereinander liegenden Auf- und Abfahrten, Unterführungen und sog. “Flyovers” (Überführungen) – allesamt scheinen sie eine verkehrstechnische Arabeske zu bilden.
Für gute 100 Euro (!) hätten wir ein Navi dazumieten können, aber wir waren so schlau, unser GoogleMaps vom Handy zu nutzen. Eigentlich eine gute Idee, aber durch das viele Durcheinander kam das Satellitensignal im Verkehrsfluss oft nicht hinterher und oftmals stellte sich die Frage “ist es diese Spur oder die andere oder die da hinten?” So sind wir bestimmt 100 km insgesamt “falsch-gefahren”…
Auf der anderen Seite ist es ein Leichtes, durch die Architektur der Gebäude abgelenkt zu werden. Jedes ein Kunstwerk. Ebenso wie die Metro, die wir leider nicht schafften, auszuprobieren.
Burj Khalifa
Der absolute Wahnsinn: der Burj al Khalifa, das mit knapp 830m das welthöchste Gebäude. Eigentlich wollte ich da rauf, aber die Ticketpreise versalzten mir dann doch die Lust. Außerdem ein kritischer Gedanke: Muß man überall rauf? Und die Aussicht ist doch so ähnlich wie beim Anflug auf Dubai, oder?
Ebenso eine Superlative: Die Dubai Mall. Die (z.T.) größte Mall der Welt (je nachdem welche Statistik man betrachtet. Mit einem Aquarium, einer Skipiste und einer Eislauffläche, um nur drei verrückte Sachen zu nennen. Und: mehr als 1200 Geschäfte auf gut 500.000 Quadratmetern, mehr als 750.000 Besuchern pro Woche (2015: 92 Millionen Besucher!). Trotz der Massen hat man nicht den Eindruck vollkommen erdrückt zu werden, was erstaunlich ist.
Dubai Mall
Direkt dahinter erstreckt sich ein künstlich angelegter See und ein Areal aus emporsteigenden Neubauten mit dem Burj Khalifa als optischen Magneten. Es ist der pure Wahnsinn. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass alle 163 Etagen belegt sind… oder doch?
Wir lassen das alles auf uns wirken. Es sind fast 40°C und die Sonne knallt. Gleichzeitig ist die Luftfeuchtigkeit extrem hoch, sodass die Kamera erst einmal minutenlang beschlagen ist.
Langsam bekommen wir Hunger. Der Foodcourt ist noch größer als in anderen Malls – natürlich. Das heisst aber nicht, dass er unbedingt besser ist. Vor allem Fast-Food gibt es hier, aber auch ein Stand mit “Original German Döner”.
Hier noch ein paar mehr Eindrücke:
Noch viel zu lernen…
Nach einer Mittagspause im Hotel soll es am Abend zum Strand gehen. Wenigstens mal die Füße ins Wasser halten. Nico ist schon ganz verrückt nach Wasser. Pünktlich zum Sonnenuntergang parken wir das Auto an der Uferpromenade unweit des Burj Al-Arab.
Jumairah Public Beach mit Burj Al-Arab
Auch in Dubai muss man Parktickets bezahlen. Ich habe jedoch nur ganz wenige Münzen, nicht genügend für das Füttern der Parkuhr. Ich verdreh´die Augen entnervt. Per SMS könne man auch zahlen, aber das funktioniert irgendwie nicht. Nico wird schon ungeduldig, die Sonne neigt sich weiter. Also irgendwoher Münzen bekommen. Etwa 200m weiter gibt es am Strand ein Imbiss, also latsche ich bei 38°C dort hin. Das Wasserfläschchen kostet 2 Euro, das geht ja noch, aber ich bekomme einen Schein als Rückgeld. Ob sie mir nicht Münzen geben könne? “Sorry Sir, no coins!”, anwortet mir die junge Asiatin. Auch ihr Kollege habe keine Münzen, aber vielleicht der Eisverkäufer vor dem Stand. “No, sorry! Icecream?” Oh Mann, ich will kein Eis, ich will Münzen! Ich bin langsam am Ausrasten!!! Vielleicht der Getränkeverkäufer hinter dem Stand, doch der winkt ab. Aaaaaaaahhhhhh!!!! Ihr macht mich wahnsinnig!!!!! Aber auf der gegenüberliegenden Seite solle ich es mal versuchen, dort am Eingang des Parks. Und tatsächlich: ich bekomme Papier gegen Metall. Glücklich spurte ich zurück zum Parkautomaten, um festzustellen: Ich hätte auch mit Karte bezahlen können! Aaaaaaaahhhhhhh!!!!! Tief durchatmen….
OK, also Münzen rein und…. sie kommen wieder raus!!! Ich könnte kotzen!!!Die Sonne ist kurz über dem Wasser, Olga sieht verzweifelt aus und kann Nico kaum noch halten. Ich versuche es immer wieder und irgendwann klappt es dann auch. Ich jedoch war schon wieder vollkommen entnervt. Wie war das noch mal mit der Gelassenheit, die ich mir bei dem Afrikaner am Flughafen abgucken wollte? Grrrrrr! – Einfacher gesagt, als getan….
Auf geht´s zum Wasser. Eigentlich wollten wir nur mal die Füße reinhalten, aber Nico reißt sich los und läßt sich bauchlängs (gibt´s dieses Wort überhaupt?) in Wasser fallen. Der ganze kleine Mann ist naß! Das geht so bis es dunkel ist, aber da das Wasser sehr warm ist, brauchen wir uns keine großen Sorgen wegen Erkältung und Co machen. Nur die Klimaanlagen sind in diesem Zustand unsere Feinde. Da auch wir gut durchnässt sind geht’s wieder zurück ins Hotel.
Wo war noch mal meine Yacht?
Mit frischen Sachen geht es danach zur Marina Mall. Wir hatten eh nicht vor, einen klassischen Touri-Besuch mit Sehenswürdigkeit hier, Sehenswürdigkeit dort usw. zu machen. Wichtig war uns ein gewisser Tapetenwechsel. “Ausspannen” – so gut, wie das eben mit diesem kleinen Energiebündel eben geht. Also Malls anschauen (es gibt auch vieles für Kinder), am Meer sein, staunen, essen…
Blick vom Parkdeck der Dubai Mall: Röhren, die zur Metro führen (ca. 1km!) und im Hintergrund der Highway
Gotham City
Dubai ist erstaunlich: faszinierend und abstoßend zugleich. Diese vielen modernen Monumentalbauten, künstlich angelegte Natur und versiegelte Oberfläche erzeugt eine eigenartige Stimmung. Die Strassenschluchten erinnern mich auch ein Stück weit an Batman´s Gotham City – nur ohne die Kriminalität. In der Tat gehören die Emirate zu den sichersten Ländern der Welt. Zugleich auch zu den weltweiten Schmelztiegeln der Kulturen. Nur 15% der Bewohner sind einheimische Emiratis. Diese sieht man kaum. Das Strassenbild wird geprägt von Expats des indischen Subkontinents und Asiaten, z.B. aus den Philipinen. Dementsprechend findet man auch Konsumgüter aus aller Herren Länder. Auch in Dingen, die die Religion betreffen gibt es weitreichende Freiheiten, aber die größten Anbetungsstätten scheinen die Malls zu sein. Der Konsumwahn findet sich hier in seinen extremsten Auswüchsen.
Interessant ist es allemal und wir geniessen die Tage und das Sonderbare, aber hier leben möchten wir nicht. Alles ist zu künstlich für unseren Geschmack.
Kontrast: Jumairah Moschee
An zwei Tagen schaffen wir es aber immerhin auch mal in die Natur zu kommen. Keine 50 km vom Stadtzentrum entfernt steht man in der Wüste. Dazu muss man aber erst ausgedehnte Industriegebiete am Stadtrand hinter sich gebracht haben. Weiter Richtung Osten erstreckt sich das wunderschöne Hajjar-Gebirge, das wir ja schon von unseren Reisen im Oman her kennen. Es zieht sich bis rauf zur Strasse von Hormuz, der Engstelle am “Eingang” zum Persischen Golf. Die Emirate haben recht wenig Anteil an diesem Gebirge, aber doch sehr schöne Ecken aufzuweisen.
Im Hajjar-Gebirge
Wir schaffen es nur einen kleinen Teil zu sehen und verschnaufen in einer kleinen Oase zwischen Felswänden. Wir sind die einzigen und Nico kann in dem langsam fließenden Gewässer wieder einmal ausgiebig planschen und versuchen die Fische zu fangen.
The Frame
The Frame
Am Abend geht es zu einem nicht weniger spektalurären Bauwerk, das eigentlich gar keine Gebäude ist: The Frame. Einem Bilderrahmen ohne Bild nachtempfunden, erhebt es sich 150m aus der Ebene. Im Rahmen befindet sich jeweils ein Fahrstuhl, der die Besucher in Windeseile nach oben befördert. Oben angekommen wird man vom Personal über die Höhe, die Aussicht und den gläsernen Boden in der Mitte informiert – mit der Bitte: “Nicht auf dem Glas springen!” –
The Frame…
Und, was glaubt Ihr, was Nico als erstes macht? Richtig: auf dem Glasboden herumhopsen! Also wird der “Drache ” eingefangen und erst jetzt können wir uns dem Ausblick zuwenden. Da es dunkel ist, kann man die vielen unzähligen Lichter bestaunen, aber der Glasbodenausblick wäre bei Helligkeit wahrscheinlich noch spektakulärer gewesen.
Futuristische Lichinstallationen innen spiegeln sich in den Fensterscheiben und machen ein schönes Foto von Dubai fast unmöglich. Trotzdem ist es ein gelungener und aufregender Abschluss des Tages.
Ausblick aus 150 m Höhe auf Dubai
Emirat Sharjah الشارقة
Einen kleinen Eindruck von Dubai haben wir jetzt bekommen, aber wie sieht es in den anderen Emiraten aus, z.B. im angrenzenden Sharjah?
Schon vom Strassenbild her merkt man schnell, dass man nicht mehr in Dubai ist. Die Gebäude sind niedriger und z.T. sogar normal! Einzig das verwirrende Strassensystem setzt sich fort und wir kämpfen uns durch den Nachmittagsverkehr. Wir parken das Auto in der Nähe der Altstadt. Wir finden liebevoll restaurierte Häuser der alten Bewohner vor, aber leider nichts Lebendiges. Eher einem Museum gleicht der kleine Komplex. Dahinter eine kleine Festung. Die umgebenden Häuserblocks erscheinen mir nahezu schäbig, aber das ist nur mein Eindruck. Umso schöner die zentrale Moschee und der Markthallenkomplex.
Festung in Sharjah
Sharjah ist ein kulturelles Zentrum der Emirate. Hier läuft es etwas anders. Im Gegensatz zu den anderen Emiraten ist hier Alkohol selbst in Hotels nicht gestattet. Vielleicht geht es auch deswegen etwas geruhsamer zu als im verrückten Dubai nebenan. Im Gegensatz zu diesem kann Sharjah auf eine 5000 Jahre alte Besiedelung zurückblicken und als in Dubai nur Fischer lebten, war Sharjah bereits eine wohlhabende Stadt. Zwei Universitäten gibt es hier. Trotzdem steht das Emirat wirtschaftlich noch im Schatten der Nachbarmetropole.
King Faizal Moschee in Sharjah
Die Zeit verfliegt. Immerhin schaffen wir es vor unserem Weiterflug noch einmal den Sonnenuntergang in der Wüste ungestört zu geniessen. Mit Wasser und Chips sitzen wir auf einer Düne unweit der Strasse. Ich habe dieses Mal keine Lust darauf, die Luft aus den Reifen zu lassen und weit querfeldein zu gurken, zumal ich die Gegend nicht kenne. Nico freut sich über den Sand und die Chips.
Noch sitzen wir hier oben und lassen uns den warmen Wind um die Nase wehen, morgen schon geht es weiter nach Bahrain. Wir freuen uns, unsere Freunde endlich wieder zu sehen!
Am nächsten Vormittag geht es wieder zum Flughafen. Mietwagen abgeben, Gepäck aufgeben etc. Endlich ist der langersehnte Moment da: es geht nach Bahrain. Zwei Jahre ist es her, dass wir das letzte Mal da waren. Was wird sich verändert haben? Wir sind gespannt!
Aussicht über den Dubai Creek
In Bahrain angekommen werden wir herzlichst von Verena und dem kleinen Yousha empfangen. Das Gepäck wird verstaut zusammen geht es erst mal zum Mittagessen in ein kleines sehr gemütliches Bahrainisches Restaurant in einem unscheinbaren Haus. Wir sind die einzigen Gäste in der “family section” des Restaurants. Es ist ruhig, leise Koran-Rezitationen ertönen aus den Lautsprechern. Hinter einer Trennwand hat ein lokaler Künstler sein Atelier eingerichtet. Sehen tuen wir den Meister nicht, aber seine Werke strahlen Anmut aus und ziehen den Betrachter in ihren Bann.
In Bahrain gibt es viele liebevoll gestaltete Cafés
Nach einem wunderbaren Essen geht’s weiter durch Bahrain. Auf der Fahrt entdecken wir Vieles, was wir von früher noch kennen, aber auch Neues. Bahrain ist bunter geworden, grüner. Neue Bepflanzungen lassen die Stadt noch einladender erscheinen. Es scheint sauberer geworden zu sein und die Menschen fahren vorsichtiger Auto. Die Strafen sind drakonisch erhöht worden.
Nicht nur, dass wir bei unseren Freunden umsonst Unterschlupf bekommen, sie organisieren und auch noch einen Wagen, mit dem wir die ganze Zeit unabhängig uns flexibel unterwegs sein können!
Vom wahren Reichtum
Am Nachmittag fahren wir zum Friedhof. Auf einem sandigen Boden haben wir 2015 unser erstes Kind – Daniel – begraben. Vor seiner Geburt, am Ende der Schwangerschaft, hatte er nicht mehr gelebt. Emotionsgeladen und mit Tränen in den Augen stehen wir am Grab streichen über die Glasfläche des Schildes. Neben ihm sind mehr kleine Kindergräber dazu gekommen. Die Katzen stromern auch noch wie damals um die kleinen Grabsteine herum. Natürlich ist die Erinnerung schmerzlich, aber auch angereichert mit Stolz und Glück: ihn gehabt und auch bereits geliebt zu haben – wenn auch nur kurz. Dazu kommt aber auch die Dankbarkeit und das Glücksgefühl durch unsere Freunde, die uns damals so beigestanden haben! Nie werden wir vergessen, wie Ibrahim uns geholfen hat, dass wir Daniel beerdigen konnten – oder auch mein geschätzter Kollege Heiner – der mir bei finanzieller Knappheit – seine Kreditkarte samt PIN in die Hand drückte und sagte “Nimm, so viel wie Du brauchst!”, damit ich die Rechnungen für Olgas Krankenhausaufenthalt bezahlen konnte.
All diese Aspekte geben uns in diesem Moment das Gefühl des Lebens, des Glücks, des Stolzes und der Dankbarkeit! Ein Begriff, der dies alles vielleicht zusammenfasst: Reichtum. Nicht materieller Art, sondern emotional, zwischenmenschlich… Danke!
Die Tage vergehen wieder einmal viel zu schnell. Alle Freunde können wir nicht treffen, aber einige. Bei allen, die wir treffen, überwiegt ein ganz bestimmtes Gefühl: Wir sind uns immer noch so vertraut, als ob wir uns zuletzt gestern gesehen hätten. Nicht so Dr. Steffen, einem unser Wirbelsäulenchirurgen, dem ich 2 Jahre lang assistierte, sagte bei der Begrüßung “Ach Mensch, hallo Michael!” – Steffen ! Ich heiße Martin! Nicht Michael!!! Und wir haben 2 Jahre lang zusammen stundenlang (einmal waren es gar 11 Stunden) am OP-Tisch gestanden!!! Aber böse sein kann ich ihm nicht, es amüsiert mich aufrichtig. Wir hatten eine tolle Zeit!
Profi am Werk…
Dr. Nico (der “große Nico”, nicht unser kleiner Nico) schließt und herzlich wie immer in die Arme. Zusammen spielt er mit dem kleinen Nico Fussball, nachdem dieser den Badminton-Schläger geschrottet hat. Anschließend geht es zum Billard-Tisch. Meine schlimmsten Befürchtungen bleiben Phantasie: alles bleibt heil.
Das Krankenhaus, in dem ich damals arbeitete steht natürlich auch auf der Besuchsliste. Hände werden geschüttelt, umarmt, Nico geknuddelt… schön!
Und Baden ist natürlich angesagt. Bei immer noch über 35°C im Schatten ist es ein ewiger Kampf mit Nico, dass er nicht zu lange im Wasser -und damit in der Sonne- bleibt. Immerhin soll er gesund bleiben und nicht als Grillhändl nach Hause kommen.
Am letzten Tag noch ein Highlight: ein Treffen von viele alten und neuen Kollegen des Krankenhauses in einer Mall zum Brunch. Auch wenn einige fehlten, weil sie z.B. schon nicht mehr in Bahrain leben, ist es unvergesslich, so viele auf einmal zu treffen. Es ist unbeschreiblich! Später erfahren wir, dass der eine oder andere extra für uns zum Treffen gekommen war. Wir können es kaum glauben, auch weil wir uns selbst nicht so wichtig nehmen. Aber es berührt uns sehr.
Nach diesen Sätzen wird sich die Frage wohl erübrigen, auf welchen Ort sich unser “Heimweh” bezieht…
Wegen unserer zurückliegenden Reisen nur ein paar Eindrück von Bahrain:
Portugiesisches Fort Bahrain
Alte Feestungsanlagen
Blick Richtung Stadtzentrum
Daniels Grab
So kann man auch Rohre transportieren
Kinderbespassung am Strand
Juffair – Stadtbezirk, wo wir damals zuerst gewohnt haben