Aller Anfang ist schwer…

Ja, das ist es hier in Schweden in vielerlei Hinsicht. Gepriesen von Urlaubern und von vielen deutschen Auswanderern als “Paradies”  bezeichnet waren wir sehr gespannt auf die Sonnen- wie auch Schattenseiten des “kalten Paradieses”.

Nach und nach werde ich versuchen das “Phänomen Schweden” zu erklären, zumindest so, wie es sich uns zeigt.

Schweden ist nein nicht einfach zu verstehendes Land, um es freundlich auszudrücken: es ist anspruchsvoll.

Falu Gruva – typisches Falu-Röd, die schwedische Nationalfarbe beim Hausbau

 

Die Menschen sind nett, hilfsbereit und freundlicher als wir es in Berlin gewohnt waren.

Auch haben wir das Gefühl, dass es hier sehr viel entspannter zugeht als in Deutschland. Selbst bei LIDL, also eigentlich in einem Zweig in dem die Menschen nicht gerade astronomische Gehälter bekommen, scheinen die Angestellten wesentlich zufriedener und weniger hektisch zu sein. In Deutschland -und speziell in Berlin hatten wir immer den Eindruck auf der Flucht zu sein, schnell die Einlkäufe in den Wagen, da es hinter dem Fliessband in deutschen LIDL ja keine Ablagefläche mehr gibt. Alles wegrationalisiert, der Verkäufer kurz vor dem Herzinfarkt, die Kollegin grölt etwas zwischen den Kühltruhen, während sich Kunden um preiswerte Elektozahnbürsten oder extrem moderne Trainingsanzüge auf den Auslagetischen in die Haare kriegen. So zumindest unsere Berlin-LIDL-Erfahrung. Hautnah und immer am medizinisch-biologischen und menschlichen Abgrund.

 

Das ubiquitäre Lagom – ein zweischneidiges Schwert

Nein, in Schweden läuft das Leben anders, wie wir inzwischen schon mehrmals -positiv wie auch negativ- erfahren konnten.

Lagom – das ist ein Begriff, mit dem wir erst einmal überhaupt nichts anfangen konnten. Wikipedia offeriert eine recht präziese Beschreibung:

Lagom ist ein Wort aus dem Schwedischen, für das es keine direkte Übersetzung ins Deutsche gibt. […]

Lagom bezeichnet eine in Schweden weit verbreitete Einstellung zu vielen Dingen: Abneigung gegen Extreme, Bevorzugung des gesunden Mittelmaßes. Lagom bedeutet so viel wie „gerade richtig“, eben nicht zu viel und nicht zu wenig. […] Beispielsweise würde es in Schweden meist als positiv angesehen, wenn das Wetter im Urlaub lagom warm ist, man auf der Autobahn lagom schnell vorankommt und die Portionen im Restaurant lagom groß sind.

Laut einem Mythos gehe der Ausdruck auf den Vorgang eines herumgehenden Trinkhorns oder Bechers zurück, der genau so viel enthalten soll, dass jeder in der Runde einmal und gleich viel davon trinken kann – die ganze Mannschaft, vermutlich am Lagerfeuer sitzend, deswegen „laget om“ (sinngemäß zu übersetzen als „einmal für die ganze Mannschaft“), verkürzt zu „lagom“. […]

aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Lagom

Und was heisst das jetzt für uns? Erst einmal einen Gang zurückschalten. Zum einen verspricht einem dieses “schwedische Lagom-Gen” ein weniger Stress. Vor allem bei der Arbeit soll es wesentlich entspannter zugehen, mehr allgemeines Verständnis für den einzelnen Arbeitnehmer, Familie, Lebensqualität.

Wenn man in Deutschland gearbeitet hat, dann kennt man diese Begriffe eigentlich nur noch aus historischen Filmen, oder die Eltern oder Grosseltern wissen über so etwas zu berichten. Wenn man in Deutschland 60-80 Stunden arbeitet, dann braucht man keine Familie, keine Hobbys. Eigentlich braucht man auch keine Wohnung, ein schmuckes Wohnmobil aus den 80-90er Jahren, kurz vor dem Auseinanderfallen tuts doch auch. Als Sarg könnte man es anschliessen auch noch in der Spree oder am Wannsee versenken, und eine nette “Seebestattung” geniessen. – Das ist natürlich schamlos übertrieben…

Nun also Schweden. Es lockt mit wunderbarer Natur, ausreichend Urlaub, besseren Versorgungsstrukturen (Kindergarten,…) und Lagom pur. Kann es sein Versprechen halten?

 

Falu Gruva

Anlage der Grube in Falun

 

 

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