Auszeit – Up ´n away

Endlich, es ist der 14.11.2017, der Geburtstag meiner Mutter und der Beginn des langersehnten Urlaubs. Der letzte Arbeitstag in dem alten Krankenhaus ist vorbei, jetzt sind Ferien!

Wie lange ist das her, dass wir das letzte Mal verreist sind? Also ich meine jetzt mal nicht diesen anstrengenden Umzug von “Sverige” nach Deutschland, oder die Heimaturlaube, die wir von Schweden aus unternommen haben. 2015 muß das gewesen sein, als wir auf unserem Weg nach Schweden durch Jordanien, Istanbul und Russland tingelten. Eine tolle Reise, über die ich vielleicht auch etwas schreiben werde, aber dazu später einmal.

Jetzt geht es los. Die Wohnung wird noch einmal aufgeräumt, das Katzenklo gemacht. Ich packe das Auto mit zwei großen Taschen, während Olga Nico anzieht. Nico ist genervt und trötet etwas vor sich hin. Ich nehme ihn auf den Arm und will gerade nach unten gehen, als ich eine kleine Druckwelle an meinem Arm spüre. Nico hat ein Häufchen gemacht und grinst mich an. Na toll! Also wieder Retour, Baby “gewechselt” und “gepudert” und wieder nach unten. Um halb eins am Mittag sitzen wir endlich im Auto. Wahnsinn, wie lange das gedauert hat! Und wir haben ja “nur” 350 km bis nach Frankfurt mit massenhaft Baustellen vor uns…  Kaum sind wir losgefahren kommt schon das nächste Hindernis. “Mjamjam” macht Nico und bedeutet damit, dass er Hunger hat. Oh nee, denke ich, aber eigentlich habe ich auch schon Appettit. So endet unsere erste Etappe bei einem Inder – noch innerhalb Osnabrücks!

Mann, wir sind auch echt Trödel-Spezialisten. Aber irgendwie juckt uns das Ganze gar nicht. Wir haben Urlaub, das ist alles was zählt! Gut gelaunt geht es dann endlich los. Die Strecke zieht sich, immer wieder Baustellen, zähfließender Verkehr. Am Abend checken wir dann im InterCity-Hotel am Frankfurter Flughafen ein. Die Fenster sind gut schallgedämmt und wir können direkt auf das Flughafenareal blicken.

Mutter und Kind stärken sich. Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen 😉

Im Preis inbegriffen sind 8 Tage Parken auf dem Parkplatz des Hotels, klasse! Weniger klasse ist, daß Nico fiebert. Ihm geht es nicht besonders gut, er ist unzufrieden und weint oft. Fieberzäpfchen helfen gegen das Fieber, und bald darauf ist er wieder etwas munterer. Am nächsten Tag wird noch die Flughafenapotheke geplündert und schon gehts los, Bahrain wir kommen!

Wir haben Glück, der Flug ist nicht ausgebucht und der nette arabischstämmige Herr mit Kraushaar am Schalter läßt für uns eine ganze Reihe reservieren. So können wir das Würstchen (wie ich ihn seit einiger Zeit liebevoll nenne) wie einen Großen in der Mitte sitzen lassen. Nico untersucht den Sitz, wobei ich froh bin, dass er noch nicht an die Schwimmweste heran kommt, entdeckt den Bildschirm und zappt sich mit Mamas Hilfe durch die Kanäle. Pünklich heben wir ab und mit jedem Meter, den wir zurücklegen, fühlen wir uns innerlich ein bißchen freier.

Ein Cocktail der Gefühle

Mann, wie sehr haben wir Bahrain vermisst! Den ganzen Nahen Osten eigentlich. Dieses intensive Lebensgefühl! Die Menschen! Die Wärme! Das Semi-Professionelle mit einem Schuß an Gelassenheit! Ein Cocktail der Gefühle, mir geht so Vieles durch den Kopf. Was in den letzten 2 Jahren alles passiert ist. Die “Abkühlung” in Schweden, und damit meine ich nicht unbedingt den klimatischen Aspekt, sondern die europäische Lebensweise. Und dann der “Kulturschock Deutschland”. Ich fühle mich besonders nach dem letzten halben Jahr wie plattgebügelt, abgestumpft, ausgelaugt. Und jetzt quasi Bahrain und Oman als “Kur”. Urlaub als Therapie.

Bahrain in Sicht

Es ist bereits dunkel, als wir uns Bahrain nähern. Von unten glitzern uns die Lichter der kleinen Insel entgegen. Wir sind gespannt, die Emotionen geweckt. Ist das dort nicht Amwaj? Und dort drüben doch schon der Flughafen? Ibrahim holt uns ab. Bei angenehmen 27°C verladen wir das Gepäck in das Auto. Nico guckt nur und ist ganz still. Soooo viele Lämpchen hier…, Nico mag Lämpchen.  Ibrahimovic -wie ich ihn aus Spaß nenne- , Verena und Jusha werden uns die nächsten Tage Obhut gewähren. Es ist ein wunderbares Wiedersehen. Als ob wir nie getrennt gewesen wären.

 

Die nächsten Tage treffen wir uns mit Freunden, entdecken Altes wieder und bestaunen Neues. Innerhalb der zwei Jahre hat sich Einiges in Bahrain getan. Uns scheint, die Leute fahren etwas vorsichtiger, sicherlich auch wegen der eingeführten drakonischen Strafen. Es gibt ein funktionierendes Busnetzt. Ja, kein Scherz, es gibt so etwas wie ein Öffentliches Verkehrssystem! Natürlich gibt es (noch mehr?) Autos, aber jetzt sieht man regelmäßig die roten Busse aus Bayern (MAN). 2015 wollte man damit beginnen, nachdem vorher fast nur alte abgewrackte TATA-Busse die Strassen unsicher machten. Zudem fuhren quasi nur Inder und andere Gastarbeiter damit, vor allem Männer. Frauen fühlten sich oft nicht besonders wohl. Jetzt fahren die roten Busse durch Bahrain, mit Air Condition und kostenfreiem WLAN!

Leider schaffen wir es nur einen kleinen Teil der Freunde zu treffen ;(  Aber immerhin einige können wir drücken. Nico findet das alles spannend, aber als wir Krankenhaus von den ganzen Physios umringt werden, wird Nico-Mann ganz unsicher. Zu viele Mädchen stehen um ihn herum und wollen ihn knuddeln… dabei mag er doch eigentlich Mädchen und flirtet schon wie ein Großer 😉

 

“Wadda!” (Wasser)

Das erste Mal im Meer…

An einem Nachmittag schaffen wir es auch im Meer zu baden. Mit Ibrahim, Verena und Jusha fahren wir nach Zallaq (Al Jazair Beach), dem Strand, an dem wir früher oft gewesen sind. Ein wunderbarer Sonnenuntergang, von denen es hier so viele gibt. Für Nico ist es das erste Mal, dass er im Meer badet. Es ist ihm nicht geheuer. Man kann schon Mitleid kriegen, wie er mit seiner Bade-Pampers und den kleinen Spaghetti-Beinchen dasteht, die Mundwinkel sich beim Anblick der ersten kleinen Welle auf den Weg nach unten machen, die Äuglein zu schlitzen werden, aus denen sich im nächsten Augenblick große Kullertränen hervorquetschen. Bald darauf ein Schnaufen, ein Säuseln, ein Wimmern, das zu einem ausgewachsenen “Bäääääääh” anschwillt. Oje, der arme kleine Kerl! Kaum bin ich an ihm dran, recken sich auch schon die kleinen Ärmchen hoffnungsvoll und schier verzweifelt nach oben. Aus dem kleinen Mund hört man nur halb geflüstert, halb gesprochen “Komm, komm!”. Das konnte er schon sehr schnell. Man möchte ihn einfach abknutschen und abknuddeln. Schlußendlich schaffen wir es dann aber doch ins Wasser. Nico sagt dazu nur “Waddá”, ein Mix aus “Wasser” und  “Voda” (russ. вода) und zeigt mit dem kleinen Fingerchen aufs Meer.

“Steinchen” heißt das Zauberwort. Es läßt jeden noch so großen Schmerz vergessen. Nur Steinchen zählen! Er ist seit Wochen in einer Phase, in der er überall Steinchen bemerkt. Er ist fasziniert. Er hebt sie auf, untersucht sie sorgfältig incl. Beißprobe und wirft sie wieder weg. Gleich darauf entdeckt er das nächste und dann geht das wieder so los. Zum Glück fällt inzwischen die Beißprobe weg. Jetzt sitzt Klein-Nico problemlos mit der Bade-Pampers im Wasser und läßt glucksend die kleinen Sandkörner durch seine Fingerchen rinnen….

An einem Nachmittag fahren wir mit dem Auto, das uns Verena und Ibrahim netterweise die ganze Zeit über zur Verfügung stellen, in ein kleines Dorf, Sanabis. Der Friedhof ist das Ziel. Vor 2,5 Jahren haben wir hier die sterblichen Überreste unseres ungeborenen ersten Kindes der Erde übergeben. Wir haben ihn damals Daniel Jahya genannt.

An Grab von Daniel

Ein besonderer Ort, wenngleich Daniel gedanklich und auch gefühlt immer bei uns ist, egal wo wir sind. Trotzdem ein emotionsreicher Ort und Moment. Nico steht zum ersten Mal am Grab seines großen Bruders und versteht nicht, warum Mama plötzlich so still ist und mit Tränen in den Augen liebvoll über den Stein streicht. Das Grab hat ein Bekannter von Ibrahim toll zurecht gemacht. Viele frische Blümchen, sauber, die Tafel fest im Boden verankert. Es ist so berührend, wie sich die Menschen um uns herum für uns bemühen. Danke!

An anderer Stelle, vielleicht in einem eigenen Beitrag werde ich irgendwann einmal über Daniel schreiben. Doch das zu gegebener Zeit…

DJ Nico meets Dr. Nico

Am Abend vor dem Abflug lernt Klein-Nico noch den großen Nico, den Dr. Nico kennen. Mmh, wie soll man die beiden auseinanderhalten, also sprachlich 😉 Klein-Nico ist ja ein begeisterter Musikliebhaber, den schon das rhythmische Vibrieren eines Autos, in dem die “Kapelle” laut spielt, die Ärmchen nach oben gehen lässt. Was liegt da näher, als ihn respektvoll mit DJ Nico anzusprechen? Und der große? Der ist ja schon der Dr. Nico, ganz in echt 🙂 . Die beiden gucken sich an und Klein-Nico ist ganz fasziniert von den Bartstoppeln und vor allem von all den lustigen Gesichtern, die der große Nico macht.

Endlich mal ein richtiges Stühlchen für Nico…

Die beiden verstehen sich bestens. Zwei richtige Nicos eben, what else? Ein ganz kurzer, aber auch wieder sehr herzlicher Besuch. Wie im Krankenhaus, so auch bei einem wunderbaren Frühstück mit Heiner und seiner Familie und eben auch jetzt vergessen wir glatt Fotos zu machen! Wie denn das? Erst als wir schon im Flieger nach Oman sitzen, fällt es mir wieder ein, aber da ist es schon zu spät. Ich denke, es war einfach das Gefühl, als ob man sich gestern gesehen hat und man sich gleich morgen ja eh wieder sieht. Wer macht da schon jeden Tag Fotos von einander? Ein Grund mehr, um bald wiederzukommen. Wehmütig verlassen wir Bahrain wieder und sind unendlich dankbar für die schönen auffrischenden Begegnungen und die Unterstützung….

Von der Wüste in die Wüste

Genau genommen ist Nico ein Wüsten-Kind. Ist ja ganz klar, bei den Eltern… Aber mal ganz im Ernst: unser Stadtteil in Osnabrück sieht zwar nicht so aus, heißt aber tatsächlich Wüste!

Jetzt sitzen wir im Flieger von Bahrain nach Muscat. Unter uns wechselt das helle Beige der Westküste der Emirate das helle Blau des Persischen Golfes ab.

Über dem westlichen Hajjar

In der Ferne kann man die künstlichen Inseln erkennen. Schmale Teerstraßen, die in Wirklichkeit am Boden breite mehrspurige Autobahnen sind, zerschneiden wie dünne schwarze Äderchen die Wüste, die stellenweise von einzelnen oder in Gruppen angeordneten grünen flächigen Kreisen aufgelockert wird. Das sind die Anbaugebiete der Emirate. Hier gedeihen unterschiedliche Früchte in riesigen runden Arealen, die von großen, sich wie Uhrenzeiger im Kreis drehenden Bewässerungsrohren gegossen werden. Was für ein Wahnsinn eigentlich: in einem Gebiet, in dem die Verdunstungsrate immens ist, wir den ganzen Tag bewässert!  Der Sand formt jetzt sternförmige Dünen und bekommt einen rötlichen Stich. Erste Bergzüge kommen in Sicht, die von Gebirgszügen abgewechselt werden. Wir sind über dem Hajjargebirge. Das Gebirge ist wild zerklüftet, steile karge Hänge mit kleinen grünen Oasen, die sich z.T. perlschnurartig aufreihen… Wahnsinn! Wahnsinn – Ein Wort, das Nico auch schon kennt und gerne einsetzt: “Wahn-dinn“, sagt er, wobei sich das kleine Gesicht verzieht und die Zähnchen zeigt…

Es ist jetzt zwar schon das X-te Mal, daß wir im Oman sind, aber jedes Mal entdeckt man etwas Neues. Es gib mehr Autos und noch mehr Autobahnen. Die Strecke nach Sur an der Ostküste (ca. 350 km)  wird gerade als vierspurige Autobahn ausgebaut. Das macht die Fahrt schneller, aber auch sicherer. Der Verkehr ist längst nicht so dicht, die Kamele können nicht mehr ganz so überraschend auf der Fahrbahn stehen und das Wasser nach den Regenfällen kann die Strecke nicht mehr unpassierbar machen. Leider geht dadurch auch etwas Feeling für die Landschaft und die Distanzen flöten. Nach der ersten Nacht in einem Hotel in Muscat gehen wir erst einmal shoppen: Das noch fehlende Camping-Equipment steht auf der Einkaufsliste. Fuhren bzw. flogen vor wenigen Jahren die Omanis zum Shoppen noch nach Dubai oder Bahrain, so gibt es inzwischen (fast) alles auch hier zu kaufen. Durch eine Vielzahl von modernen Malls kann der Kaufsüchtige tingeln und sein Geld loswerden. Gegen Mittag haben wir alles beisammen und starten in Richtung Südosten.

Weihnachtsstimmung in Muscat bei 28°C

Im Norden des Sultanats Oman zieht sich in nordwestlich-südöstlicher Richtung das Hajjargebirge. Es reicht von der Strasse von Hormus bis an das Arabische Meer. Auf der Höhe von Muscat etwa teilt eine große Lücke (Sumail gap)  das Gebirge in einen westlichen und einen östlichen Hajjar. Während die Gipfel im Westen 3000 m erreichen, so sind sie im Osten zwar etwas weniger hoch, aber nicht weniger wild. Der ostliche Hajjar ist zudem weniger besiedelt, wie auch die gesamte Region, Ash-Sharqia (die Östliche), zu der u.a. die Wahiba-Wüste auch noch gehört. Hier wollen wir auch hin. Ich hatte Nico schon vorher versprochen, ihm ganz viele und große Steinchen zu zeigen. Und dann natürlich den großen “Sandkasten”  – ohne Hundehäufchen 😉

Abend-“Fütterung”

Also fahren wir 1-2 Stunden, um noch vor der Dunkelheit eine nette Stelle zum Übernachten zu finden. Ein paar Kilometer abseits der großen Straße im Schutze eines Hügels beginnen wir das Zelt aufzubauen. Während ich mich darum kümmere, wird bereits Nico beköstigt. Schmatzend sitzt er auf einem Campingstuhl, halb mit den Fingerchen im Essen, das ihm Olga reicht, halb faszinierend auf die Felsen zeigend. Steincheeeeen!”.

“Steinchen!!!! – камень!!!!”

Rasch wird es dunkel. Im Lichte der Stirnlampen erscheinen immer wieder sich schnell bewegende Schatten, total lautlos. Man kann sie kaum sehen. Es sind Fledermäuse, leider zu schnell für unser Auge. Die Müdigkeit holt uns ein und auch Klein-Nico-Mann schläft heute schnell ein.

Am nächsten Morgen ist dann die Überraschung für Nico perfekt. Die Sonne geht früh auf und weckt uns. Wir machen den Reißverschluß des Zeltes auf und ein kalter Wind schlägt uns ins Gesicht. Doch das scheint Nico nicht zu stören. In Windeseile ist er herangekrabbelt, schreit vor Begeisterung “Steinchen!!!!!” und hängt mit halben Oberkörper schon draußen. Die Steinchen in den Kleinen Händchen haltend, herumwerfend und lachend wiederholt er immer wieder “Steinchen….Steinchen..:”. Wenn Olga ihn anspricht sagt er übrigens “Kamen” (russ. камень).

Schnell sind die Stühle aufgebaut und ein erstes Frühstück mitten in der Natur vorbereitet. Noch ist es etwas frisch, aber schon bald können wir die Jacken ausziehen und die Mütze absetzen. Ja, es ist tatsächlich auch mal kalt in der Wüste. Durch die fehlende Bewölkung strahlt das Gestein die Wärme hemmungslos ab. Wäre nicht auch noch die Athmosphäre, so wäre es nachts auf der Erde wahrscheinlich so kalt wie auf der Schattenseite des Mondes: -160°C.

Erster Morgen in der Natur

Wir schwingen uns in den Mitsubishi Pajero und holpern zurück zur Hauptstrasse. Weiter geht es auf  einer sechsspurigen Autobahn nach Ibra.Dort decken wir uns erst einmal bei einem altbekannten Supermarkt ein und machen gleich mal Mittagspause. Mmmh, köstlich! Wie wir dieses Biryani vermisst haben! Anschließend machen wir uns auf Richtung Wahiba Sands. So heißt die relative kleine Sandwüste im Nordosten Omans. Zwar ist sie immer noch groß genug, um einem ver(w)irrten abendländischen Wanderer zu schlucken, aber nicht zu verglichen mit dem Leeren Viertel, der Rub al-Khali, die sich weiter im Westen Omans und dann vor allem in Saudi-Arabien ausdehnt. Eine riesige Sandfläche.

Heringe für das Zelt sind hier nutzlos…

Die Wahiba wirkt wie abgesprengt vom Leeren Viertel. Gerade wegen ihrer Größe war sie immer wieder bevorzugtes Untersuchungsobjekt von Wissenschaftlern: zwar recht klein, jedoch kann man alle geografischen, ökologischen und biologischen Systeme und Gesetzmäßigkeiten erforschen. Geografisch reiht sie sich in die Liste der großen Wendekreiswüsten ein: Sahara, Rub al-Khali, die Wüste Thar in Indien, um nur einige zu nennen. Doch Nico erscheinen solche großen Betrachtungen zu abstrakt, er beschäftigt sich lieber mit den kleindimensionalen Dingen: den Sandkörnchen. Er ist ganz fasziniert von dem feinen Staub, immerhin sind das ja auch…. ja genau, kleine Steinchen!!!

Bei der Arbeit…

Doch scheinbar genug von derlei philosophisch angehauchten Dingen greift der kleine Arm zielstrebig nach der kleinen Schippe und dem Eimer und los geht´s: Der Sand fliegt durch die Luft und bleibt auf der verschwitzten Haut kleben. Nico freut sich. Na toll, und wo bekommen wir jetzt nen Hochdruckreiniger für das Bürschchen her?

Wir sind etwa 15 km in die Sandwüste reingefahren und habe eine nette Stelle am Hang einer Düne gefunden, fast oben. Doch keine Sorge, wir sind nicht etwa vollkommen querfeldein gefahren, sondern in Sichtweite der Piste. Wieder spielen sich die gleichen Szenen ab: Olga bereitet das Essen vor, ich baue Zelt und Campingkocher auf und Nico “verschiebt” die Sanddüne. Jeder hat so seine Aufgaben.

Gemütlich im Klappstuhl, Nico auf dem Schoß lassen wir es uns schmecken: Olga hat einen leckeren Tomatensalat gemacht, die Hauptspeise stellen Bratkartoffeln und ein Mix aus Gemüse dar. Dazu ein Schluck Wasser und zum Nachtisch Chips. Herrlich!

Essenszeit

Mit der Sonne verschwindet auch die Wärme. Jetzt, in der kurzen Dämmerung ziehen flache Winde über die Dünen und jagen einem den Staub ins Gesicht. Das Essen sollte jetzt gut verpackt werden. Im Schein der Stirnlampen sieht man erst richtig, wieviel feiner Sand durch die Luft gewirbelt wird – und die Haare verklebt. Spätestens, wenn man die Haare ohne Gel beliebig stylen kann merkt man`s. Nico wird noch frisch gemacht und gewindelt und schnell ist er eingeschlafen. Abgeschlafft lassen wir uns in die Campingstühle fallen. Der Wind hat nachgelassen, es ist still. Mit einem heißen Tee in der Hand, dem leisen Rauschen der Gaslampe im Ohr, bestaunen wir den Sternenhimmel, an dem man sich nicht sattschauen kann. Nur das Knacken der Chips in unseren Mündern zerschneidet die Stille. Es ist wunderschön!

Sternenhimmel in den Dünen

Der nächste Tag beginnt kühl. Mit Olgas Mütze (weil ich meine mal wieder nicht finde) und einer Jacke erklimme ich die Spitze der Düne hinter unserem Auto. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Umgebung. Hinter unserem Auto beginnt das Dünenmeer. Friedlich und still liegen die sandigen Wellenberge da, als ob sie erstarrt wären. In der Tat sind die zu Grunde liegenden Dünenzüge hier in der Wahiba statische, also keine Wanderdünen.

Morgendliches Erwachen

Die Hauptverlaufsrichtung ist grob gesprochen von Nord nach Süd. Hier bildet sie z.T. weite Täler, durch die man bequem fahren kann, während sie quasi von Ost nach West nicht passierbar ist. Noch ist die Sonne nicht über den Kämmen der Sandberge, aber schon bald wird sie die weichen Wellen mit ihrem warmen Licht aufwärmen. Überhaupt macht der Sand einen so seidenen, samten Eindruck. Man möchte über die wellenförmige Zeichnung streichen, aber sobald man sie berührt, ist ihre Schönheit schon vergangen. In einer leichten Senke sind die Spitzen der flachen Sandwellen in ein Braun getaucht, wie mit fein gemahlenem brauner Zucker bestreut. Bei genauerem Hinsehen ist es Sand aus verschiedenen Brauntönen und unterschiedlichen Größen. Die etwas Dunkleren und gröberen haben sich genau auf den Kämmen der Wellenzüge angesammelt. Ein Kunstwerk der Natur.

Heute soll es für “Aug`und Seel`” eine Auffrischung geben: das Wadi Bani Khalid steht auf dem Programm. Nach Tagen ohne Dusche wollen wir gucken, ob das Wadi ausreichend Wasser hat, um ein Bad zu nehmen. Das Wadi Bani Khalid liegt in den Felsen des östlichen Hajjar-Gebirges und führt ganzjährig Wasser. In manchen Jahren kann der Wasserstand jedoch auch recht niedrig sein, zumindest in den vorgelagerten Becken, die für Nico interessant und ungefährlich sind. Zudem schwimmen dort gewöhnlich eine Vielzahl von Fischen herum. Nach dem Frühstück erfolgt die übliche Routine des Abbauens, Auto-Packen, Nico fertig machen.

Noch leicht verschlafen…

Das kostet schon Kraft und Zeit und je höher die Sonne steigt, desto mehr kommt noch die Wärme hinzu. Runter geht es von der Düne, das Auto in leichter Seitenlage, leicht schwimmend auf dem Sand. Nico freut sich und kichert bei jedem Hügel, über den wir brettern und feiert förmlich in der zweiten Reihe. Zurück geht es in die Zivilisation, das kleine Dorf ist erreicht, die Teerstrasse beginnt wieder. Ein Bus kommt uns entgegen. Es ist ein Schulbus. Die Türen öffnen sich und lauter kleine Knirpse mit fast zu großen Gewändern und den traditionellen Kappen stolpern heraus, große Taschen auf dem Rücken. Beim Vorbeifahren schauen sie nur schüchtern, die Mutigeren winken uns zu. Irgendwie süß, diese Würstchen.

Im Zentrum der Ortschaft Al-Mintirib ist eine Autoreifenwerkstatt unser erster Anlaufpunkt. Für kleines Geld pumpen die hier arbeitenden Inder wieder Luft in unsere Reifen. Nicht etwa, dass wir 4 platte Reifen gehabt hätten, sondern wir hatten tags zuvor Luft herausgelassen. Das vergrößert die Auflagefläche und man kann sich im lockeren Sand nicht so schnell festfahren. Eigentlich die einzige sinnvolle Möglichkeit, um im Sand zu fahren, oder besser gesagt “zu schwimmen“.

Pediküre im Gebirge

Mit dem richtigen Druck auf den Reifen geht es Richtung Südosten. Die vielen Baustellen erinnern uns an Deutschland. Nach etwa 80 km biegen wir von der viel befahrenen Hauptstrasse nach Nordosten ab. Von hier aus geht der Weg über etwa 30 km in die zerklüfteten Berge hinein. Dann steht man an einem Parkplatz und nach etwa 10 min Fußweg kommt man zu den ersten Pools. Man hat den Eindruck einen paradisischen Garten zu betreten. Das satte Grün, die schattenspendenen Palmen, das Gras und Schilf. Klares Wasser mit vielen großen und kleinen Fischen, Kaulquappen. Die Vögel zwitschern, das Wasser rauscht an einer Seite des natürlichen Pools durch einen Kanal weiter zum Dorf. Das eigentliche Wadi entspringt viel weiter hinten in dem zerklüfteten Gestein.

Wadi Bani Khalid

Um dorthin zu gelangen muß man durch mehrere Pools waten oder schwimmen, an den Felsen entlangkrakseln, an Wasserfällen vorbei. Aber so weit haben wir es bisher nicht geschafft. Bergab wird das Wadi zu einem breiten – jetzt trockenen – Flußbett. Die riesigen Felsbrocken, die dort liegen, zeugen von der Kraft des Wassers. Die Strasse ist nicht geteert, sondern wie eine DDR-Autobahn, mit Betonplatten gestaltet, streckenweise einen Meter über dem Flußbett gelegen auf einem kleinen aufgeschütteten Damm. Eine normale Strasse würde einfach weggespült. Inzwischen ist auch der Tourismus an diesen Ort gekommen, aber noch nicht zum Negativen. Man kann immer noch die Ruhe genießen, auch wenn (kleinere) Reisegruppen hierher geführt werden und neuerdings an einem Imbiss ihren Hunger stillen können.

 

Gezeter und Geschrei – Teil Zwei

Wir haben uns einen hübschen Platz gesucht, an dem man recht bequem ins Wasser gelangen kann. Nico bekommt wieder seine Plansch-Windel angezogen und beäugt vorsichtig das Wasser und die Fischchen. Wird es dieses Mal auch wieder Gezeter und Geschrei geben? Um es vorweg zu nehmen: Ja! Aber diesmal ganz anders: nicht, weil er rein soll, sondern als er anschließend  wieder raus soll!

Nico hat sichtlich Spaß

Nach etwas Geplansche mit den Beinchen kann er gar nicht mehr genug bekommen. Ich halte ihn auf den Händen und ziehe ihn durchs Wasser, lasse ihn vorsichtig reinplumsen, mit den Händen unter dem kleinen “Speckbäuchlein”. Nico gluckst und lacht, dass die Leute grinsend von der anderen Uferseite zu uns herüberschauen. Als er dann anfängt zu bibbern wird er wieder an Land geholt, was ihm gar nicht passt. Das Wasser und die Fischchen, die um ihn herumschwommen sind einfach zu schön! Wenn man auch nur einen Moment im Wasser  steht, oder die Füße hineinhält, kommen die kleinen Fische und beginnen an den Füßen zu knabbern. Bei den kleinen kitzelt das, bei den größeren hat man das Gefühl, jemand hätte einen angetippt. So halten die Besucher ihre Füße in das Wasser und freuen sich an der kostenlosen Pediküre mit fantastischer Aussicht.

 

In “eisigen” Höhen

Nach einer weiteren Nacht in den Sanddünen geht es Richtung Nordwesten. Der Jabal Akhdar steht auf unserer Liste. Die ist ein Gebiet im westlichen Hajjar, das wegen seiner Lage grün (arab. akhdar, اخضر) ist. Hier entspringen mehrere Quellen, deren köstliches Naß trockene Kehlen in ganz Oman und auch in den Nachbarländern anfeuchtet. Daneben ist es besonders durch seine Plantagenlandwirtschaft bekannt. Die Landschaft ist wild, der höchste Berg – Jabal Shams – weiter im Westen 3000 m hoch. Von der Hauptstrasse abzweigend führt die Teerstrasse direkt auf eine Felswand zu, die erst kurz vor Erreichen eine Kluft erkennen läßt. Entlang eines sich windenden Wadis kommen wir zu einem Militärposten. Als ehemaliges militärisches Sperrgebiet sind das noch einige Überbleibsel, jedoch nicht ganz grundlos. Der freundliche Beamte überprüft unser Kennzeichen und die Zertifizierung der Autovermietung. Nur Allradfahrzeuge in vernünftigem Zustand sind zugelassen. Man macht sich Sorgen um Touristen, die eventuell irgendwo da oben in Schwierigkeiten geraten. Er gibt uns noch ein paar Hinweise und verabschiedet sich schließlich mit ein paar Worten auf Deutsch. Nett so was!

Jabal Akhdar

Jetzt geht es nur noch bergauf. Die Straße verläuft steil bis auf über 2000 Meter über dem Meeresspiegel. Immer wieder ergeben sich fantastische Ausblicke auf die da unten liegende Ebene. Leider steht die Sonne zu ungünstig und der Dunst lassen ein Foto kaum zu. Wir wollen eine der kurzen und leichteren Wanderungen unternehmen, die im Wander- und Trekking-Ratgeber des Tourismusministeriums beschrieben sind (im Internet sogar kostenlos).  Da es bereits schon Nachmittag ist, suchen wir uns eine gemütliche Stelle und bereiten uns für die Nacht vor. Früh wird es kühl und nachts ist es uns kalt in unseren Schlafsäcken, trotz aller Jacken und der langen Hosen aus Deutschland. Nico schläft derweil schon und träumt bestimmt von Steinchen und Fischchen. Bis auf die kleine Nasenspitze ist der Kleine warm eingepackt, sicherlich am wärmsten von uns allen. Aber so muß es ja auch sein. Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer nur 6°C an. Die Scheiben des Autos sind beschlagen und wir machen uns daran so schnell wie möglich einen warmen Tee zustande zu bringen. Wenig später kommt wieder die wärmende Sonne und wir können langsam “auftauen”.

Ich habe mich immer gegen einen Selfie-Stick gewehrt, aber hier… 😉

Nach ein paar Kilometern Fahrt haben wir den Ausgangspunkt unseres Spaziergangs erreicht. Direkt an einer Felskante parken wir das Auto. Die Aussicht ist spektakulär. In Reichweite das Dorf, die jetzt in der Winterzeit etwas grau-braunen Plantagen vorgelagert, in der Ferne riesige Felsberge, die von Dunstschwaden und Wolken umgarnt werden, tief unten in den Tälern Siedlungen und eine kleine, sich windende Strasse, die eher an ein Wollknäuel erinnern, das Opfer einer spielwütigen Miezekatze wurde. Nico interessiert sich wieder eher für die Steinchen und hat eine Mordsfreude daran, diese über die flache Steinabgrenzung zu werfen und sich daran zu erfreuen, wie tief die eigentlich fallen. Wir streifen durch die engen einsamen Gassen des Dorfes. Links und rechts des schmalen Weges liegen die Gärten, in denen ein paar einzelne Bauern arbeiten. Entlang des Steilhangs verläuft der Weg, zum Teil durch schattenspendende Äste überdacht. Immer wieder ergeben sich fantastische Ausblicke. Ein chinesisches Paar mit einem kleinen Kind, vielleicht so alt wie Nico kommen uns entgegen, grüßen, ziehen weiter. Nico sitzt im Tragekorb auf meinem Rücken und genießt förmlich den Tragekomfort und die Aufmerksamkeit der Passanten, während ich bei den vielen steilen Stufen berauf und bergab endlich mal wieder ein Workout bekomme. Leider verläuft sich der Weg in einem sehr steinigen Wadi und wir beschließen wieder umzukehren. Trotzdem ein sehr schöner verlängerter Spaziergang.

Blick vom Dorf in die Tiefe

 

Sonnenbrillen und Radios verboten!

Da uns die Nacht zu kalt war, fahren wir wieder “nach unten”. Wir sind für derart “deutsche” Temperaturen nicht richtig ausgerüstet. Bezogen auf die Infrastruktur wird hier viel getan: Für ein Hotel gehobener Klasse wird alles hierauf gekarrt, außerdem gibt es ein paar Shops, Restaurant usw. Trotzdem, uns ist es zu kalt. Als nächstes steuern wir das Wadi Tanuf an. Zwischen der alten Hauptstadt Nizwa und Bahla gelegen, öffnet sich diese Felsspalte im Gebirge und und ist unter anderem Quelle für das gleichnamige Mineralwasser “Tanuf”. Daß die omanische Vergangenheit nicht immer frei von Konflikten war zeigt sich an den Ruinen der alten verlassenen Ortschaft Tanuf.

Ruinen von Tanuf

Als das Sultanat in den 50er Jahren noch im zivilisatorsichen Mittelalter steckte gab es viele blutige Auseinandersetzungen. Eine davon:  Die Rebellen dieses kleinen Ortes, wagten es, sich Sultan Said ibn Taimur – dem Vater des heutigen Sultans Qaboos – zu widersetzten. Der Papa war so rückständig, dass er sogar Sonnenbrillen und Radios verteufelte und schlichtweg verbot. Als er sich nicht mehr zu helfen wußte, bat er um die Hilfe der Briten, die den Ort kurzerhand bombardierten. Später entthronte übrigens der Sohnemann und heutige Herrscher seinen Vater und entwickelte das Land.

Durch`s Wadi Tanuf

Im wunderbaren Licht fahren wir in das Wadi hinein. Leider ist es zu eng und damit zu unsicher um zu campen. Ein altes Sprichwort sagt, dass mehr Menschen in der Wüste ertrunken wären, als verdurstet seien. Einer der Gründe sind die plötzlichen Wassermassen, die innerhalb von Minuten ein ganzes Wadi fluten können. Zelte, Autos, selbst LKWs werden einfach weggeschwemmt. Davon gibt es spektakuläre Bilder und Videos im Internet, also Obacht! Am Eingang des Wadis gibt es einen kleinen Staudamm, dahinter, erhöht und in Nähe zu den Ruinen suchen wir uns eine Schlafstatt.

Nachdem auch die letzten Buben vom nahegelgenen Fußballplatz verschwunden sind, glauben wir, dass es ruhiger wird. Aber “denkste Puppe!”. Jetzt kommen mehere süße Miezekatzen und versuchen sich unscheinbar unserem Freßnapf zu nähern. Immer wieder verscheuchen wir sie, aber wir wissen ja nur allzu gut, wie hartnäckig diese Fellnasen sein können. Nachts spielt sogar eine mit Olgas Füßen, durch das Zelt und den Schlafsack hindurch. Glücklicherweise sind die Gewebeschichten zu dick, als dass sie sie erreichen könnte (also die Gewebeschichten von Zelt und Schlafsack… 😉 ), denn man macht sich ja immerhin Gedanken um Wunden und Infektionen, besonders bei noch so lieben Miezekatzen…

 

Freudiges Wiedersehen

Am nächsten Tag verlassen wir die Region um Nizwa. Es geht es wieder nach Südosten. Am Wadi Shab, einem schönen Wadi an der Ostküste haben wir uns mit Isabell und ihrem Freund verabredet. Die beiden haben gerade einen Hindernislauf in Muscat absolviert und wollen noch ein paar Tage im Oman verbringen, ehe sie wieder nach Bahrain zurückfliegen. Ab Sur geht inzwischen eine vierspurige Autobahn hinauf nach Quriat.

Wadi Shab, oben die Autobahnbrücke (Foto 2013)

Ich kann mich nich gut erinnern, wie damals bei einer Fahrradtour die Teerstrasse kurz hinter Sur aufhörte und anschließend eine trockene Piste entlang der felsigen Küste führte. Nur wenige Ortschaften finden sich entlang der Strecke und für Motorisierte gab es nur 1 Tankstelle, oder besser gesagt eine Zapfsäule. Einen Platten durch die scharfen Steine oder die Nadeln der Dornsträucher zu haben, war normal. Für Fahrradfahrer zudem erschwerend: rechts das salzige Meerwasser, links die Berge. Wenn die Sonne morgens über dem Meer aufgeht, hat man quasi keine Aussicht auf Schatten, bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Damals war eine Notfalldecke die Lösung, so eine, wie man sie im Auto hat (eine Seite spiegelig reflektierend und dadurch je nachdem die Sonne und Wärme abweisend oder die eigene Wärme dem Körper zurück reflektierend). Wenn man sie zwischen den Fahrrädern oder Sträuchern aufspannt, hat man etwas Schatten darunter. Das hat tatsächlich geholfen. Als Alternative fährt man eben nachts…

Und heutzutage? Wie gesagt: 4 Spuren, mehrere Tankstellen mit Shops, Geldautomaten, durchgehend beleuchtete Autobahn, riesige Brücken, die über die Wadis führen… Während früher nur Geländewagen Touristen an diesen abgelegenen Ort bringen konnten, kann man jetzt bequem mit jedem Tretroller dorthin gelangen. Dadurch kommen auch mehr Touristen hierher und der Ort wirkt etwas zu zivilisiert und frequentiert für uns. Auf einer kleinen Strasse geht es steil bergab, dann steht man an einem Parkplatz mit Toilettenhäuschen.

Fahrt zum Plateau

Märtyrium oder “erfolgreiches Geschäftsmodell”? – Eine Charakterfrage

An die saubere Toilette mit “Brille” muß ich mich erst noch gewöhnen, immerhin sind wir seit Tagen in der Natur und können ja nicht jedes Mal in eine Ortschaft fahren. Apropos Toilette. Viele machen sich Gedanken und fragen: “Und wie macht Ihr es?” Jedes Mal zu Beginn einer solchen Reise stellt das Verrichten des “Geschäfts” eine Herausforderung dar, für manch einen sogar der einzige Grund, auf diese Art gar nicht zu reisen. Natürlich sind die hygienischen Bedingungen außerhalb der “zivilisierten westlichen Welt” schlecht, um nicht zu sagen manchmal katastrophal. Sofern öffentliche Toiletten überhaupt existieren, so sind das Orte, die nicht ausgeschildert werden, weil man schon durch den Gestank und den Dreck dorthin gelotst wird. Besonders schlimm ist es natürlich an Orten, wo sehr viele Menschen zusammenkommen, z.B. Indien. Da hab ich es mir so manches mal verkniffen. In Dharavi, einem der größten Slums der Erde, mitten in Mumbai, teilen sich z.B. etwa 1400 Menschen eine Toilette! Das ist natürlich ein extremes Beispiel und viel hat auch mit der Bildung und Erziehung zu tun. Aber auch bei uns ist das nicht so weit hergehholt. So muß man sich nur mal an die Toiletten der deutschen Autobahnraststätten der 80er und 90 Jahre erinnern. Oder an Bahnhofstoiletten. In Russland macht es ganz besonders Spaß, wenn die WCs mitunter keine Türen haben. Da bevorzugt man doch gerne Mutter Natur, oder? Auch bei -35°C? Ich muß sagen, das ist wirklich eine richtige Herausforderung, zumal man ne Menge Klamotten anhat und die Hände schon nach wenigen Sekunden nicht mehr zu spüren sind. Ich sach`s Euch, das ist wirklich hardcore! Und bei +35°C? In der Wüste? Das ist besser. Man nimmt sich seine bescheidene Rolle, sucht sich ein nettes Plätzchen und legt los. Und während man da so hockt, die Knie langsam anfangen zu schmerzen, der Schweiß den Rücken anfängt runterzulaufen, sind sie plötzlich da: Fliegen! Wo, verdammte Sch…e kommen die jetzt her? Weit und breit ist nix, aber plötzlich sind die da. Während man also mit seiner eigenen Ungelenkigkeit kämpft, fangen die an einen zu kitzeln. Das kann einen wahnsinnig machen! Auch das ist hardcore!

Nun ja, ohne weiter ins Detail zu gehen, kann ich sagen, dass man sich an alles gewöhnt. Wenn man sich voll “engagiert” kann man aus der Hocke “über sich hinaus wachsen“. Manch einer bezeichnete sich nach so einer Reise sogar schon als Geschäftsmann… 😉 Je nachdem, wie man es also betrachtet, kann es zu einem Märtyrium werden, oder man arrangiert sich einfach mit den Gegebenheiten.

Zurück am Parkplatz treffen auch die anderen gerade ein. Zusammen wollen wir die nahe gelegenen Berge hinauffahren, auf das Salmah-Plateau. Dies ist eine Hochebene auf einer Höhe von 2000 Metern. Alleine der Weg dorthin ist spektakulär: eine Piste, die sich am Rande der Berge entlang schlängelt und in zahlreichen Spitzkehren Auto und Fahrer herausfordert. Als wir 2013 das erste Mal hier hoch fuhren, war die Piste in einem schlechten Zustand, an manchen Stellen war sie gar weggebrochen und nur noch halb so schmal. Schließlich klappte es aber doch noch und wir wurden mit einer wunderbaren Aussicht auf den Küstenstreifen belohnt. Wir sind gespannt, wie gut diesmal die Piste ausgebaut ist und ich hoffe insgeheim, daß nicht auch hier eine vierspurige Autobahn in die Höhe gezogen wurde…

 

Der Ort, an dem sich die Dschinn versammeln

Wir werden nicht enttäuscht. Die Strecke ist in einem deutlich besseren Zustand – leider möchte man schon fast sagen. Trotzdem ist es wunderschön, wobei die eigentliche Fahrt viel spektakulärer ist, als die Ankunft oben. Isabell möchte gerne einen richtigen schönen Sternenhimmel heute haben, also beschließen wir, und hier oben einen Schlafplatz zu suchen. Zuvor fahren wir jedoch zu einer der tiefsten Höhle der Welt und der größten im Oman: der Majlis al Jinn, dem Versammlungsort der Jinn (Dschinn).

“Nur mal eben gucken” – gut, dass der Felsvorsprung fest genug war…

Diese Jinn sind in der islamischen Mythologie und Theologie unsichtbare, übersinnliche Wesen, die mit uns auf der Welt leben. Ebenso wie der Mensch sollen sie Gott dienen, aber es gibt auch ungläubige Jinn und solche die dem Teufel dienen. Wikipedia weiß zu berichten, dass die Omanis aus den umgebenden Dörfern eigentlich keine Bezeichnung für die Höhle hatten. Erst eine amerikanische Hydrogeologin namens Cheryl Jones, die mit ihrem Mann Don Davison die Höhle erforschte, gab ihr den Namen, da die Omanis glauben, dass Jinn in Höhlen leben. Leider kann man momentan die Höhle nicht ohne Genehmigung besichtigen und angesichts der Dimensionen sollte man sicherlich auch etwas Erfahrung im Klettern mitbringen: An der tiefsten Stelle liegt der Untergrund 178 m tief unter der Oberfläche. Die Decke reicht bis 120 m in die Höhe. Das würde einem 30-35 Stockwerke hohen Hochhaus entsprechen! 340 m x 228 m betragen Länge und Breite. Die englischsprachige Seite wondermondo.com liefert noch viele andere faszinierende Informationen, z.B. dass es ein nahegelegenes 11,5 km langes Höhlensystem gibt, aber auch einige wenige, jedoch atemberaubende Bilder.

Wir müssen uns mit dem spektakulär-unspektakulären Anblick eines Eingangs der Höhle begnügen: Ein unregelmäßiges ausgestanztes Loch, das fast zu übersehen ist. Man steht am Rand – und sieht nichts als Dunkelheit. Wenn man jedoch weiß, dass es dort fast 120 Meter runter geht, dann bekommt man Respekt. Isabell und ihr Freund stellen sich natürlich ganz nah an den Rand. Ich bin noch nicht mal in Sichtweite, da schreit Olga schon. Jaja, ich bin doch noch meilenweit vom Rand entfernt

In der Nähe stehen ein paar Hütten und eine kleine, ganz einfache Moschee. Ein paar Ziegen und Kamele streifen umher. Als wir am Rand der Höhle stehen, kommen ein paar Kinder zu uns rüber gelaufen und fragen sehnsüchtig nach Süßigkeiten. Sie sind ärmlich gekleidet und die älteren Kinder und gar ein Erwachsener fragen uns nach warmen Decken, Schlafsäcken. Wir sind etwas verwundert.

Gute Piste, Salmah Plateau

Die Menschen hier oben scheinen weniger gut versorgt zu sein, weder Öl und Gas noch der Tourismus hat hier besonders viel Wohlstand angespült. Sonst haben wir das im Oman nirgendwo so kennengelernt, auch wenn uns klar ist, daß es in jedem Land arme Menschen gibt. In den Golfstaaten wird man allzu leicht von dem Prunk aus 1000 und einer Nacht geblendet. Dazu muß man wissen, dass Oman im Vergleich zu seinen Nachbarländern geringere Öl- und Gasvorkommen hat. Laut der Internetplatform theglobaleconomy.com , die sich auf Daten der Weltbank beruft, lag Oman 2015 an vierter Stelle, wenn man die Öleinnahmen betrachtet. Angeführt wurde die Liste von Kuwait, Irak und Saudi-Arabien. Bezüglich der Erdgaserträge liegt das Sultanat an achter Stelle im Ranking. Daß es trotzdem einen geringeren Wohlstand als beispielsweise die Emirate aufweist hat sicherlich etwas mit der Größe und der Bevölkerung der Länder zu tun.

Zahlen alleine spiegeln also nicht unbedingt die Realität wider, zumal man ja Statistiken nur bedingt trauen sollte… Der schicksalshaften Abhängigkeit von Öl und Gastarbeitern versucht das Land seit Jahren entgegenzuwirken, indem es verstärkt Omanis in feste Arbeit bringen möchte.  Omanization nennt sich das, ein Programm, das in Nachbarländern entsprechend auch versucht wird.  Das sieht man auch im Alltag: Einheimische, die einfache Arbeiten verrichten, z.B. im Verkauf arbeiten. An ganz einfache Tätigkeiten wie beispielsweise WC-Reinigen oder Müllentsorgung trauen sich noch nicht viele heran. Hohe Geburtenrate, junge Bevölkerung und begrenzte Jobmöglichkeiten, insbesondere im begehrten öffentlichen Sektor, da hier gut für wenig Arbeit bezahlt wird. Dies sind nur wenige Eckdaten, die die Länder der Region auszeichnen. Die Machthaber sind durch den Bevölkerungsdruck und die Entwicklung der Ölwirtschaft gezwungen nun Strategien zu finden, um selber politisch zu überleben.

Schlafplatz auf dem Salmah-Plateau

Wir suchen uns einen Schlafplatz unter einem kleinen Baum mitten in der Ebene. Dieser Platz ist auch bei Eseln beliebt, wie wir erst später an den Ausscheidungen sehen. Nico macht das aber nichts aus, und ich kann gerade noch seine neuen “Forschungsobjekte” entfernen. Während wir die Stelle gemütlich machen, fahren die anderen beiden los und sammeln Feuerholz. Eigentlich hatten sie geplant, die eigens aufgehängte Camping-Dusche (ein Wassersack mit Duschkopf sozusagen) einzuweihen, aber der inzwischen kalte Wind bringt sie dann doch schnell davon ab.

Nach dem Abendessen wird Isa zum “Feuerweib”, allerdings ganz jugendfrei. Sie entfacht professionell das wärmende Licht und schon bald sitzen wir gemütlich bei “Eiseskälte” mit Decken am Feuer und erzählen uns alte Geschichten. Isa weiß so manche Geschichte von Bären in Kanada zu berichten, die um das Wohnmobil herumliefen und ihr einen Riesenschreck einjagtden, als sie trotz Warnung die Naturtoilette des nachts aufsuchte. Nico starrt ins Feuer und hört gebannt zu. Man weiß nicht, was ihn mehr beeindruckt: die Toilettengeschichte oder das Feuer. Immerhin ist es das erste Mal, dass er überhaupt offenes Feuer sieht.

Ein schöner Platz. Leider ist der Akku meiner richtigen Kamera leer…

Er mag auch gar nicht ins Bettchen gehen, er genießt es bei Mama auf dem Schoß zu sitzen und wie ein großer Abenteurer ins nächtliche Lagerfeuer zu starren und die hochwirbelnden Funken zu verfolgen. Hoch über uns funkeln die Sterne, dann kommt der Mond hervor und  taucht die Umgebung in ein schwaches fahles Licht…. Einfach traumhaft!!! Es ist wunderschön, die Natur so intensiv wahrzunehmen. Umso schöner ist es, dies mit anderen gemeinsam erleben zu können. Wir wünschten, dies auch mit unseren Familien aus Deutschland oder Russland teilen zu können…

 

Sackgasse im “Wadi Stupid”

Spaziergang im Wadi Qaroon

Am nächsten Tag geht es weiter zum Wadi Qaroon. Wenn man dieses durchquert hat, kann man den Bogen schließen und wieder zur Küste fahren, ohne den gleichen Weg zurückfahren zu müssen. Als wir dort ankommen, stellt sich heraus, dass die Steine so groß sind, dass man nicht mehr durchkommt.Die Piste endet quasi im Wadi.  Wir stellen die Autos ab und machen einen kleinen Spaziergang durch das Wadi. Nico auf dem Rücken in der Trage, ein paar Tüten in der Hand mit Früchten und Getränken, so machen wir uns auf den Weg. Steine unterschiedlichster Größe, die z.T, überklettert werden wollen, stellen sich in den Weg.

Wadi Qaroon alias Wadi Stupid (2013)

2013 sind wir hier bei ähnlichen Verhältnissen noch mit dem Auto durchgefahren. Das war echt ein Abenteuer gewesen, aber das Auto blieb ohne jeden Kratzer. Erst später las ich, dass man dieses Wadi auch Wadi stupid nennt, weil es wegen der Schwierigkeit zu kompliziert ist hier durch zu fahren… Wir hatten damals wahrscheinlich mehr Glück als Verstand gehabt…

Hier wie auch in den benachbarten Wadis läßt sich die Naturgewalt am besten bestaunen: wie hätte es sonst sein können, dass so riesige Felsbrocken transportiert werden, wenn nicht durch die gewaltigen Wassermassen, die vielleicht einmal im Jahr oder noch seltener sich hier durchdrücken?

Futterneid von höherer Stelle

Wir setzen uns in den Schatten der Felsen. Kaum haben wir unsere Früchte ausgepackt, schon kommen die ersten Ziegen. Elegant und mit einer überheblichen Leichtigkeit klettern sie an der steilen Felswand in schwindelerregender Höhe endlang. Die Melone wird gekonnt geschlachtet, kunstvoll versehentlich fallengelassen, wieder gesäubert und verzehrt. Mmmmmh! Wie das schmeckt! Nico schmatzt genüßlich. Um es mal mit Olgas Worten zu sagen: Endlich mal ne richtige Melone, die nicht wie `ne Holland-Tomate schmeckt! Wir lassen die Szenerie auf uns wirken. Bei einem zufälligen Blick nach oben zur Felswand hinter uns, merken wir, daß wir nicht alleine sind: etwa ein Dutzend Ziegen steht da hoch oben über und und guckt zu, wie wir die Melone in uns reinstecken! Wie soll man da noch sein Essen genießen, wenn einem ein Dutzend hungriger, meckerner Mäuler zuschaut? Das Ganze sieht schon sehr lustig aus. Immerhin freuen sich die Ziegen über die Melonenreste und wir machen uns auf den Rückweg. Nico bekommt dabei auch noch seinen Auslauf und hat Riesenspaß am Herumgekraksel auf den Steinen – und protestiert (natürlich), als wir ihn zur Weiterfahrt wieder ins Auto setzen.

“Retten und Bergen von Zwergen” – Nico muß von seinen “Steinchen” weggeholt werden…

Nun geht es auf dem gleichen Weg bergab. Eine herrliche Kulisse. Wieder zurück auf Meereshöhe am Fuße der Berge trennen sich unsere Wege. Für uns geht es jetzt langsam nach Muscat. Noch einmal machen wir Rast im Wadi Bani Khalid, eher für Nico, weil es ihm so gefallen hat. Nach einem weiteren Geplansche mit Fischchen machen wir uns auf den Weg nach Nordwesten. In den Bergen des östlichen Hajjar wollen wir ein letztes Mal wild campen, ein letztes Mal vor unserer Abreise die Sterne bestaunen, die wunderbaren Eindrücke der Wüste geniessen, die Ruhe. Doch daraus wird nix. Da nicht nur in der Hauptstadtregion selbst, sondern auch hier über 100 km vor der Hauptstadt wie verrückt gebaut wird, können wir die Autobahn kaum verlassen und die Straßenführung auf GoogleMaps ist auch bereits überholt. Das merken wir erst recht, als es dunkel wird und wir einen Schlafplatz suchen. Es scheint schier unmöglich. Ein “idealer” Schlafplatz in diesem Fall liegt nicht zu fern ab der Zivilisation (wir wollen ja immerhin morgen nach Muscat fahren), aber auch außerhalb von Ortschaften und  nicht zu nah dran an den größeren Strassen. Wir fahren runter von der Autobahn, folgen den bei GoogleMaps angezeigten Wegen. Plötzlich Stop. Ein riesiger Kieshügel türmt sich auf. Die Strasse ist gesperrt und irgendetwas wird gebaut. Na dann eben eine andere, doch diese existiert gar nicht mehr, stattdessen führt eine große Brücke mit einer anderen Strasse hier lang. Dann eine ruhigere Piste eben. Als wir eine nette Stelle gefunden haben, steigen wir aus und inspizieren das Areal und den Untergrund. Es riecht süß-säuerlich. Im Lichtkegel der Taschenlampen können wir alte Flaschen, Teile von toten Tierkadavern, Blechdosen und anderen Abfall erkennen. Na super, wieder nichts. Das geht so eine Weile, bis wir die Nase voll haben. Wir versuchen ein bezahlbares Hotel für eine Nacht zu finden (richtig low-budget gibt es im Oman nicht) und finden schließlich eine Herberge in einem Industriegebiet nahe Muscats (Rusayl industrial Area). Glitzernde Lämpchen, laute Musik, so etwas wie Türsteher vor einem Nebeneingang. Ich gehe in das Foyer, wo ein älterer Inder den Empfang besetzt. Ja, ein Zimmer könnten wir bekommen. Während er nach dem Schlüssel sucht, schaue ich mir die Empfangshalle an. Sauber, Klimaanlage, Teppiche, billiger Prunk. Ist ja nicht schlimm, so ist es halt oft, und in Paris habe ich schon viel schlimmere Herbergen und “Hotels” erlebt. Dazu jedoch den Lärm einer schlecht schallgedämmten Diskothek. Eine Seitentür öffnet sich, die wohl die Toilette des Clubs nebenan zu sein scheint. Eine stark geschminkte Dame mit körperbetontem Outfit kommt heraus und begibt sich Richtung Club. Soviel also zur letzten ruhigen Nacht mit Ruhe, denke ich mir…. Das Zimmer jedoch macht einen akzeptablen Eindruck und ist überraschenderweise sehr ruhig. Wir beschließen hier zu bleiben. Der “Schnullermann”  – so nenne ich Nico auch, obwohl er seinen Schnuller schon im 3. Monat ausgespukt hat und dieser nun als Erinnerung vom Innenspiegel unseres Autos in Deutschland baumelt – schnullert vor sich hin und merkt den “Reifenwechsel” (Windelwechsel) gar nicht. Erschöpft, aber glücklich lassen wir uns ins Bett fallen – seit 10 Tagen wieder einmal ein richtiges Bett…

Nicos Auto in der Wüste. Autos sind grad ganz wichtig für Nico…

Am nächsten Morgen bekommen wir noch ein kleines Frühstück und ab gehts weiter nach Muscat. Dort wollen wir uns mit Hajer treffen, einer jungen omanischen Frau, die wir 2014 in Muscat kennengelernt hatten. Manfred, einer meiner geschätzten Kollegen in Bahrain damals (Anm.: es gab keine nicht-geschätzten 😉 ), hatte mich damals auf die Idee gebracht an einem Workshop für Handchirurgie teilzunehmen (war ne super Idee!). Einerseits war dieser nicht so teuer und ich als Greenhorn und Hobby-Chirurg ( 🙂 )konnte mal etwas Praktisches machen. Aber keine Sorge, die Patienten lebten nicht mehr und waren nur teilweise anwesend – handlich eben (sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen 😉 ). Bei einer dieser  Veranstaltungen war Hajer und ihr Vater als Mitorganisatoren anwesend und so kam der Kontakt zustande – und blieb erhalten. Für uns war es eine wunderbare Möglichkeit mehr direkt über das Land zu erfahren. Dieses Mal warten wir in einem Cafe einer großen internationalen Kette auf sie. Von der Kleidung mal abgesehen, könnte dies auch in Miami oder Köln sein: Vorwiegend junge Menschen, einzeln oder paarweise an kleinen Tischen sitzend, eifrig mit Laptop und/oder Handy beschäftigt, Kopfhörer, die aus Ohren oder unter Kopftüchern herausragen und in den “mobilen Endgeräten” verschwinden. Nur eben, dass der überwiegende Teil eine schwarze (Frauen) oder weiße  (Männer) Kleidung trägt. Während Olga genüßlich ihren Cappuccino schlürft, beobachte ich Nico, wie er mit einem kleinen arabischen Jungen etwa gleiche Alters Bekanntschaft schließt. Beide beäugen sich, stehen Nase an Nase. Plötzlich ein Quietschen und Gekichere. Der andere Kleine lacht und das ganze kleine Gesicht verzieht sich zu einem lustigen Grinsen. Er könnte glatt aus einem Cartoon stammen. Die beiden spielen Versteck, trinken von des anderem Trinkflasche und scheinen sich großartig zu verstehen. Die Mama des anderen Kleinen kommt, sammelt ihn ein und verabschiedet sich. Nico guckt etwas traurig durch die große Fensterscheibe hinterher. Eine elegante junge Frau mit großer Sonnenbrille betritt das Cafe. Es ist Hajer, auf die wir gewartet hatten. Es ist das erste Mal, daß sie Nico trifft. Nico, der sowieso Mädchen mag, ist fasziniert von der großen Sonnenbrille. Er wird geknuddelt und geknutscht und das beste: er darf mit Hajers Handy spielen!!! Das darf er noch nicht einmal bei Mama und Papa. Das ist die beste Hajer, die es gibt! (Er kennt ja nur eine 😉 )

 

Von sich reibenden Leibern und Schweiß

Die Zeit vergeht wie immer zu schnell. Am Abend werden die Taschen ins Auto gehievt, das Bürschchen festgeschnallt und wehmütig der Weg zum Flughafen eingeschlagen. Glücklicherweise haben  wir genügend Zeit eingeplant, von der noch nicht einmal ein Moment für einen Kaffe bleiben soll. Es steht irgendein (eventuell auch indischer?) Feiertag bevor und vor dem Einlass des Abflugbereiches bildet sich eine kleine Schlange. Kaum sind wir um die erste Biegung, trauen wir unseren Augen nicht. Die gesamte Abfertigungshalle ist gerappelt voll!!! Wir brauchen über 2 Stunden, bis wir die letzte Kontrolle passiert haben, es ist das totale Chaos. Ein Beamter sagt uns im Vorbeigehen, dass er solche Mengen noch nicht erlebt habe. Die Luft ist schlecht, die Leiber reiben sich aneinander, aber nicht so, wie man es vielleicht gerne hätte, die Kinder kreischen. Gruppenweise werden die Passagiere weitergelassen und sobald das Zeichen gegeben wird drängeln sich die Inder wie in Indien durch die Absperrung hindurch. Hier wird gedrückt und gedrängelt, auch der Ellenbogen hilft mal mit. Wie in Indien eben… Wir werden glücklicherweise verschont von einer härteren Gangart. Nico guckt leicht gereizt, kann aber immer wieder beruhigt werden. Dieser Abend war wirklich der blödeste an unserer Reise, zumal wir schon recht müde waren.  Irgendwann haben wir es dann aber zum Gate geschafft. Die Mitarbeiter Fluglinie wollen uns schon ausrufen, wir sind mit einem anderen Fluggast die Letzten! Wir sind glücklich, aber auch müde – Nico nicht. Der wird hier am Gate erst einmal wieder richtig wach und freut sich über die ganzen müden Gesichter um ihn herum. Ich werfe ihn noch ein wenig hoch (und fange ihn natürlich auch auf) und er kichert und lacht. Dann geht es endlich los Richtung Frankfurt…

Ach ja, das war schön…. Eine wunderbare Reise und viel zu wenig Zeit für die vielen wunderbaren Menschen. Aber keine Sorge, wir kommen wieder, bestimmt! 😉

Demnächst folgen noch ein paar Bilder, laßt Euch überraschen!

Link:

Kleine Broschüre zur Übersicht zu Oman vom Fremdenverkehrsamt des Sultanats:

http://www.omantourism.de/fileadmin/website/62_downloads/SultanatOmanReisefuehrer.pdf

 

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