Joa, seid’s denn närrisch???

Nach laengerer Pause melde ich mich zurueck. Nicht etwa, dass ich die ganze Zeit Urlaub gehabt hätte (schön wär’s), aber mir hat schlichtweg die Zeit gefehlt. Der Sommer ist vorbei, der sogenannte “Urlaub” auch und ganz langsam nähern wir uns dem beschaulichen, “nach Harmonie lechzenden Jahresende” mit dem “Fest der Liebe”… Oje, wie schmalzig das klingt, aber immerhin kann man schon Weihnachtsgebäck bekommen, was ich für Anfang September schon abartig halte. Und nach Harmonie sieht es leider überhaupt nicht aus in diesem Lande.

Die Menschen sind zerstrittener denn je bzw. die Gesellschaft zeigt Risse, genauso wie Europa. Amerika spinnt eh und der Rest der Welt wirkt auch nicht ruhiger. Stimmt das so, oder sind das nur die dramatisierenden Eindrücke durch die Presse, die uns 24/7 nur mit Negativmeldungen zu überfluten schein?

Zumindest in Deutschland geht das politische und gesellschaftliche Chaos in eine neue Runde. Seit Wochen beschäftigt uns bereits das Thema des Chefs des Verfassungsschutzes und Rumgeeiere eigentlich aller Parteien. Die Demokratie wird auf eine harte Probe gestellt, ebenso wie das gemeine Volk, das sich jetzt nicht mehr blind auf die Politik verlassen kann. Was ist da los? Was erzürnt uns so? Nun, ich kann hauptsächlich nur für mich selber sprechen, auch wenn ich denke, dass der ein oder andere meine Gedanken teilen wird.

Da gibt es Vorkommnisse in deutschen Städten, die mich irgendwie leicht an die Situation in Rostock 1993 erinnern: aufgebrachte Menschen jagen in einem Video andere. Dann wird spekuliert, ob es eine Hetzjagd sei und ein Verfassungsschutzchef stellt dies in Frage. Die Reaktionen kommen wie vorprogrammiert, es wird gelärmt und protestiert, die Entlassung gefordert.

Nun, zunächst einmal hat zweierlei Gewalt stattgefunden: gegen einen Deutschen und gegen Ausländer bzw. solche, die so aussehen. Beides ist inakzeptabel. Punkt. Aus. Ende. Dass man sich dann um die Begrifflichkeiten streitet ist wirklich grotesk, und ob das Video wirklich echt sei, das ändert nichts an der Wirkung, wenn es erst einmal ausgestrahlt ist!

Dass von Teilen der Migranten Gewalt ausgeht kann man natürlich nicht schönreden und mit schlechter Kindheit begründen. Auch ein erittenes schweres Trauma kann nicht als Rechtfertigung dienen, höchstens als Erklärung für manche Denkmuster, die zu Gewalt führen. Auch hat jemand -meiner Meinung nach- seine Chance auf Aufenthalt verspielt, wenn er Gewalt ausübt, oder kriminell in Erscheinung tritt. Das hat nichts mit dem regelmäßig reflexartig vorgeworfenen Rassismus, sondern mit Fairness denjenigen Migranten zu tun, die sich korrekt verhalten und bemühen – und eben auch uns Deutschen gegenüber.

Genauso verachtenswert sind Übergriffe auf Migranten. Das ist ganz klar und bedarf keiner Diskussion. Gewalt jeglicher Form, egal woher und gegen wen und was ist immer abzulehnen. Punkt.

Braunes Sumpfland Ostdeutschland?

Wenn in Deutschland tausende von Menschen gegen Rechts und für unsere Werte demonstrieren, dann ist das gut und wichtig. Dabei sollte nicht der Fehler gemacht werden, dem In- und Ausland den Eindruck zu vermitteln, dass der Osten einzig ein braunes Sumpfland ist!

In der ZDF-WOCHENSHOW, die ich wegen der Rundumschläge schätze (jeder kriegt etwas ab, auch wenn ich nicht Mit allem übereinstimme) tingelte die Schweizerin Hazel Brugger als “Journalistin” in die Ostprovinz und interviewte wenige Demonstranten auf Pegida-Seite. In die Kamera sprach sie dabei mit einem herrlich schweizer Dialekt zu einem fiktiven schweizer Publikum, das sich die Frage stellt, wie unsicher es für schweizer Touristen hier wohl sein möge. Auch wenn anders beabsichtigt, so konnte der aufmerksame Zuschauer deutlich sehen, dass bei weitem nicht jeder rechtsgerichtet ist, der dort anzutreffen war, sondern dass sich abgehängte, frustrierte und alleingelassene Menschen vor der Kamera äußerten. Auch wenn sich hier keiner als Rechter oder gar als Nazi sieht, müssen sie sich den Vorwurf des “Rechts-Sein” gefallen lassen, da sie sich ja auf einer rechtsgerichtet Demonstration befinden. Sie hätten ja auch eine alternative Demonstration organisieren können, oder?

Sind wir die Guten?

Doch mal anders herum: Sind wir, die Toleranten und Offenen dieser Welt und dieses Landes wirklich allseits fair?

Ich würde mir wünschen, dass die “Zivilgesellschaft” weniger selektiv auf Gewalt, Ausgrenzung usw. reagieren und ihre selbst gesteckten Werte wirklich jedem gewähren würde. Denn auch hier gibt es Ausgrenzung von Menschen anderer Meinung! Hätten die o.g. frustrierten Pegida-“Mitläufer” wirklich eine alternative Demonstration abgehalten mit Distanz zu rechtsradikalen Strukturen, so darf man vermuten, das man ihnen eben dies trotzdem unterstellt hätte. Man hätte sie also trotzdem in die rechte Ecke geschoben.

Die Forderung z.B. kriminelle Migranten abzuschieben ist per se nicht rechtsradikal oder menschenverachtend – erst der geistige Überbau und entsprechende Forderungen bzw. Handlungen (Hetzjagden) sind es.

Das bedeutet, dass sich auch die sich als liberal und tolerante Gesellschaft Kritik gefallen lassen muss.

Interessant ist hierbei auch der öffentlich sprachliche Wandel. Während es früher verpönt und scheinbar unmoralisch war, von “Kriminellen Ausländern” zu berichten (so übrigens auch in der Schule!), so wurde plötzlich -vielleicht weil man die Wut der Bevölkerung bemerkte- z.B. über die Übergriffe von Migranten auf Frauen in Köln in der Sylvesternacht 2016 (?)berichtet. Der radikal offene Stil zu berichten hat sicherlich nicht zur Beruhigung der Lage beigetragen.

Ein anderes Beispiel für noch verbeserungswürdige Werteverteidigung: Ich kann mich nicht an Großdemonstrationen erinnern, die sich gegen die Zerstörung durch 1.Mai-Krawalle richteten. Diese hatten manchmal Strassenkämpfen geähnelt.

Diskriminierung mal anders: Fremd im eigenen Land

Ich selbst wurde in der Grundschule (!) wegen meiner Ostberliner Herkunft gemobbt, sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen kam: vom Bedrohen durch Mehrere, Anspucken und Tritte. Die Täter waren dabei sowohl Deutsche, wie auch Schüler mit Migrationshintergund. Ist so etwas nicht genauso verachtenswert, wie rechtsmotivierte Gewalt?

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wegen seiner Herkunft diskriminiert zu werden.

Diskutieren und kritisieren darf und muß man sogar. Die Welle, auf der Nationalisten und Rechte reiten, ist zu gewissem Umfang das Resultat arroganter und ignorante Politik fast aller großer Parteien in Deutschland! Keine dieser Parteien hat in den letzten 40 Jahren sich mehr als nur um sich selbst gekümmert. Zumindest ist das das Gefühl der Menschen.

Diejenigen, die jetzt vorgeben z.B. als bayrische Kreuzritter das Abendland so heroisch zu verteidigen, saßen auch vor Jahrzehnten in den Regierungen, die Gastarbeiter nach Deutschland einluden, sich aber keine Gedanken darum gemacht haben, was mit der zweiten und dritten Generation wird.

Ein Hartzer ist kein Käse

Genausowenig konstruktiv haben sich die kleineren Parteien verhalten. Unter dem “Deckmantel der Toleranz” hat auch das linke Spektrum der Politik sich nie wirklich für die Menschen interessiert, weder für die Migranten, noch für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Einheimische. Ignoranz und Arroganz aller Akteure. Das Resultat sind jahrzehntelange Hinterhofmoscheen, ältere Damen, die ohne jegliche Deutschkenntnisse seit 30-40 Jahren in Deutschland leben, Jugendliche, die weder richtig Deutsch noch Türkisch sprechen können und direkt nach der Schule “Hartzer” werden (Hartz IV). Sie haben weder in Deutschland noch in der Türkei noch auf dem Mond eine Chance. Einige von ihnen machen eine kriminelle Karriere durch.

Hierzu gab es erst diesen Samstag einen interessanten Beitrag im Deutschlandfunk

Hier gehts zum Link: www.dlf.de Kriminalität in Berlin – Die Macht der Clans

Beschrieben wurde u.a., wie in den 80er Jahren geflüchtet libanesische Großfamilie zunächst weder arbeiten durften, die Kinder nicht schulpflichtig waren (wie geht das eigentlich?) und vor allem auf sie Clanstrukturen angewiesen waren, um zu überleben. Die Folge war die kriminelle Parallelgesellschaft. Aber daran störte sich anscheinend kein Politiker, oder etwa doch?

Ein Pendant auf deutscher Seite: Menschen in sozialen Randgruppen, die nichts oder kaum etwas vom Wirtschaftswachstum abbekommen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Situation selbst verschuldet ist oder nicht. Auch das sind “Abgehängte”. Auch das ist eine Parallelgesellschaft

Das Gefühl, das diese Menschen haben, zählt an der Wahlurne.

Allerdings wurde auch in den Jahren vor der Flüchtlingskrise eine Verrohung der Gesellschaft diskutiert und Problemviertel und z.T. “No-go-Areas” wurden auch schon früher beschrieben. Umso unverständlicher dann, dass jetzt mit Straftätern, “Gefährdern” und “Intensivtätern” so falsch-nachsichtig weiter umgegangen wird wie bisher – oder ist das dann das Konsequente der Politik?

Fordern, Fördern, Richtlinien vorgeben. Dafür gab es jahrzehntelang viel Zeit. Genutzt wurde sie nicht, oder kaum.

Wir mit unseren freiheitlichen Werten, die ja mit Akzeptanz und dem selbstverständlichen Recht auf Unversehrtheit einhergehen, büßen gewaltig an Glaubwürdigkeit ein , wenn wir Gewalt egal welcher Form zulassen. Genauer gesagt: wir lassen es de facto zu, indem Vergehen nicht adäquat geahndet werden.

Gewaltvoyeurismus – oder: die Pornographie der Gewalt

Auch präventiv wird zu viel “digitalisiert” (Kameras), zuviel protokolliert, statt wirkliche Präsenz zu zeigen und zu handeln. Es ist wie eine Form der unterlassenen Hilfeleistung: der Staat guckt lieber zu. Die Täter können sich dann noch über mediale Aufmerksamkeit freuen, wenn ihre Schandtat im Netz oder im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Die Gültigkeit unserer Werte und Gesetzte erlischt damit teilweise oder vollständig und wird zur Farce – zumindest gefühlt vom Opfer. Wenn Menschen schwere Verletzungen erleiden, die Täter dann aber nur zu Bewährungsstrafen oder Sozialstunden verurteilt werden, dann hebelt das ganz gewaltig unsere Werte aus!

Als ich zur Schule ging, war es üblich, dass die Polizei Jugendliche, die nach 22 Uhr draußen angetroffen wurden, einsammelte und die Eltern ermahnte. Heutzutage gibt es das nicht mehr, oder?

Viel zu oft wird mit der Sorge vor dem Polizeistaat und der deutschen Vergangenheit argumentiert. Dass diese Gedanken grundsätzlich nicht falsch sind, versteht sich. Nichtstun ist ebenso gefährlich. Gepaart mit dem Einsparungswahn der 90er und 2000er Jahre ist daraus ein -wenn auch zugegeben kleines- Machtvakuum entstanden.

Hatte man gehofft, dass sich der Mensch selbst zügelt?

Wenn man der Mehrheit von uns beim Essen zusieht, dann glaube ich nicht recht daran.

Und die Maßlosigkeit beim Essen findet ach so oft ein Pendant in anderen Lebensbereichen. Zumal bei solchen Zeitgenossen, die das Gespür für Respekt, Friedfertigkeit und Gerechtigkeit verloren haben.

Sollte man erwarten, dass die Autofahrer brav am Stoppschild halten, auch wenn kein Polizist danebensteht? Wir sind doch im geordneten Deutschland, möchte man meinen…

Der Hofstaat rebelliert

Zurück zum Fall Maaßen: reflexmässig wird immer lauthals nach Rücktritt von der jeweiligen Opposition gerufen, ganz egal wer gerade regiert und was eigentlich vorgefallen ist. Glauben die wirklich selber, das sich durch den Fall eines Behördenchefs oder eines Ministers etwas Grundlegendes ändert? Bestimmt nicht, aber man will uns weismachen, dass “man ja etwas getan hat”. Grundsatzfragen werden kaum angegangen.

Was dann anschließend geschah war bewundernswert und genial: der “Eiserne Horst” hatte es geschafft, den Spieß umzudrehen: der Verfassungsdienstchef stürzte – allerdings fiel er die Treppe nach oben. Für die “Zartstimmige Andrea”, die ja dauerheiser klingt, wäre es auch zum Jubeln gewesen, da das “Hasskind Maaßen” ja nicht mehr im Amt wäre. Und “Mutti” hätte wieder Ruhe im Laden gehabt. Dumm nur, dass das alles auffiel. Der Volksmund spricht bei solchen Vorkommnissen von Vetternwirtschaft – man verschiebt Posten, wie es die Beziehungen ergeben. Das gehört zum Spektrum der Korruption. Was für ein böses Wort! Das heißt natürlich “Kompromiss”, wie konnte ich das vergessen, ich Dummchen…

Geiz ist geil?

Doch was hat das alles zu bedeuten? Gewalt, Migration, Rechtsruck usw. sind die aktuellen Schlagworte. Wie hängt das alles mit uns zusammen?

Also, insgeheim glaube ich, dass wir in Europa nur deshalb ein angenehmes Leben führen können, weil es anderen Leuten schlecht geht. Stichwort Verteilung der Güter, knallharte Machtinteressen der (auch deutschen) Wirtschaft, die international vermutlich genauso korrupt und blutig agiert wie die Mafia in Italien oder Kolumbien aber auch unsere Gier nach Luxus. Bullig muss es sein und sofort verfügbar!

Mein laienhaftes Hirn kann das natürlich natürlich nur begrenzt erahnen, doch gewisse Bestätigung bekommt es durch z.B. einen Beitrag des Deutschlandfunks vor ein paar Wochen. Hierin wird versucht eine Antwort auf unsere Fragen zu geben. Ich kann ihn wärmstens empfehlen!

Hier gehts zum Link: www.dlf.de Leben im Überfluss – Luxus – eine verbrannte Perspektive?

Auszeit – Up ´n away

Endlich, es ist der 14.11.2017, der Geburtstag meiner Mutter und der Beginn des langersehnten Urlaubs. Der letzte Arbeitstag in dem alten Krankenhaus ist vorbei, jetzt sind Ferien!

Wie lange ist das her, dass wir das letzte Mal verreist sind? Also ich meine jetzt mal nicht diesen anstrengenden Umzug von “Sverige” nach Deutschland, oder die Heimaturlaube, die wir von Schweden aus unternommen haben. 2015 muß das gewesen sein, als wir auf unserem Weg nach Schweden durch Jordanien, Istanbul und Russland tingelten. Eine tolle Reise, über die ich vielleicht auch etwas schreiben werde, aber dazu später einmal.

Jetzt geht es los. Die Wohnung wird noch einmal aufgeräumt, das Katzenklo gemacht. Ich packe das Auto mit zwei großen Taschen, während Olga Nico anzieht. Nico ist genervt und trötet etwas vor sich hin. Ich nehme ihn auf den Arm und will gerade nach unten gehen, als ich eine kleine Druckwelle an meinem Arm spüre. Nico hat ein Häufchen gemacht und grinst mich an. Na toll! Also wieder Retour, Baby “gewechselt” und “gepudert” und wieder nach unten. Um halb eins am Mittag sitzen wir endlich im Auto. Wahnsinn, wie lange das gedauert hat! Und wir haben ja “nur” 350 km bis nach Frankfurt mit massenhaft Baustellen vor uns…  Kaum sind wir losgefahren kommt schon das nächste Hindernis. “Mjamjam” macht Nico und bedeutet damit, dass er Hunger hat. Oh nee, denke ich, aber eigentlich habe ich auch schon Appettit. So endet unsere erste Etappe bei einem Inder – noch innerhalb Osnabrücks!

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