“Und es fängt schon wieder an…”

Das, was hier so nach dem Lied von Andrea Berg klingt (nicht meine Musik übrigens), ist in Wirklichkeit auf die neue Corona-Welle bezogen.

Eigentlich wollte ich ja unsere Sommerreise nach “Frongreisch” (Frankreich) beschreiben, aber die kommt demnächst. Jetzt brennt mir etwas anderes auf der Seele.

Es geht wirkich schon wieder los! Nicht nur die Zahlen gehen in die Höhe, sondern auch die Menschen drehen schon wieder vermehrt am Rad. Der Egoismus entfaltet sich.

Neuestes Beispiel: die Grippeimpfungen. Nachdem wir sie jahrelang wie sauer Bier angepriesen und die Menschen bekniet haben, sich impfen zu lassen, rennen sie uns jetzt die Bude ein. Los ging es zunächst langsam 2017/2018 , als die schwere Grippewelle mit ca. 20.000 Toten über das Land gefegt war.

Und jetzt wurde weltmeisterlich für die Impfungen geworben – aber nicht weltmeisterlich produziert. Es gibt wieder zu wenige Impfungen, obwohl unser Gesundheitsminister sich selber medienwirksam impfen ließ. Generell eine gute Idee, vor allem wenn man neben Corona nicht auch noch eine Infektion mit dem Influenza-Virus bekommen möchte, vor allem, wenn man Vorerkrankungen hat (Bluthochdruck, Diabetes, Krebserkrankungen usw.).

Also belagern die Menschen die Praxis (bestimmt nicht nur unsere) und wollen geimpft werden. Da es nicht genügend Impfdosen gibt, können erst einmal nur diejenigen geimpft werden, die es wirklich nötig haben: schwerkranke Menschen. Das scheinen aber Viele nicht zu verstehen und fordern lautstark Erklärungen, warum sie jetzt nicht zu den “glücklichen Empfängern” gehören. Der Umgangston wird rauher.

Business

Einige sagen beleidigt “Dann bezahle ich es eben privat! Geben Sie mir ein Privatrezept!” Nein, auch das ist falsch! Es geht nicht um die Kröten, sondern, dass Diejenigen die Impfung bekommen, die am gefährdesten sind!

Die nächste Stufe: Der Patient rennt zum Apotheker, der noch Einzelimpfungen vorrätig hat (manchmal). Diese sind aber viel teurer als die Großpackungen und der Apotheker kann daran mitverdienen. Für die lohnt es sich wohl schon, wenn sie die auf Privatrezept verkaufen. Also ruft der Apotheker an und sagt “Ich brauch ein Privatrezept für Hernn/Frau Müller“… Wie unverschämt ist das? Auch das machen wir natürlich nicht mit!

Ein älterer Patient, der noch eine Impfdosis abbekommen hatte, kam in die Praxis, um sich die Spritze geben zu lassen. Er machte den Arm frei und die Arzthelferin gab ihm die Spritze. Anschliessend monierte er “Na, haben sie mir die jetzt auch wirklich gegeben, oder haben sie mir Kochsalz gespritzt?” Was ist mit den Menschen los???

“Haben die nen Nagel im Kopp?”

So drückt eine Arzthelferin ihr Erstaunen aus, und mal ehrlich: Recht hat sie!

Pro Tag machen wir zwischen 15 und 20 Corona-Tests. Immer schön im Kosmonauten-Anzug. Am Dienstag stellte sich mit Halsschmerzen und Husten vor, weigerte sich aber, den Corona-Test zu machen. Das sei alles nur, um uns zu kontrollieren und sie glaube daran nicht und überhaupt….

Der Wahnsinn zieht aber viel weitere Kreise, die ich so gar nicht widergeben könnte. Daher zitiere ich hier einen Brief einer anonymen Arzthelferin, die den aktuellen Alltag porträtiert:

“Sehr geehrte Damen und Herren,ich wende mich verzweifelt an Sie weil wir, Medizinische Fachangestellten, am Ende unserer Kräfte sind. Wir sind uns natürlich darüber im klaren, daß wir aufgrund der Corona Pandemie unseren Praxisablauf umstrukturieren und neu organisieren müssen, dennoch ist der Praxisalltag für die meisten MFA’s einfach nicht zu schaffen, es gibt etliche Kolleginnen, die kurz vor einem Burn-Out stehen und/oder sich beruflich umorientieren, weil der Beruf nichts mehr mit dem zu tun hat, welchen man erlernt hat.Dass Corona sich auf den Gemütszustand mancher Menschen auswirkt, ist bekannt, aber dass so viele MFA’s den Unmut täglich abbekommen, darüber spricht niemand.Es wird fast täglich in den Medien darüber berichtet, dass es nicht genug Pflegepersonal in den Krankenhäusern gibt, dass die Gesundheitsämter überfordert sind mit der Kontaktnachverfolgung, dass Ordnungsämter mit den Kontrollen neuer Regelungen nicht nachkommen uswWas ist mit den Arztpraxen? Man könnte meinen, sie existieren überhaupt nicht! Das war im März/April auch schon der Fall und das, obwohl WIR die ERSTE Anlaufstelle für Patienten sind!WIR sind tagtäglich (und das vom 1. Tag an) immer direkt an “der Front” und es ist mehr als ein Schlag ins Gesicht für uns, dass man uns einfach vergisst.Es gibt aktuell mehrere Problematiken, mit denen wir zur Zeit zu kämpfen haben:

1. Grippe- Impfungen:Wir haben unseren Bestand fast aufgebraucht. Wir hatten extra mehr Impfdosen vorbestellt als die Jahre zuvor. Haben eine Teillieferung erhalten und der Rest steht noch aus. Wann und ob wir die Lieferungen erhalten kann uns niemand klar beantworten, aber in den Medien wird groß verbreitet es seien genügend Impfdosen vorhanden. Erklären Sie jetzt mal den Patienten, wo der Fehler liegt, denn schließlich wurde Ende August groß in den Medien berichtet, dass dieses Jahr genügend Impfdosen zur Verfügung stehen und es zu keinem Engpass kommen wird. Es stand in den Zeitungen, dass es genug gibt, und natürlich stimmt immer das, was in den Medien verbreitet wird.Das gleiche gilt für Pneumokokken- Impfungen. Das Gesundheitsministerium ruft groß dazu auf, sich auch gegen Lungenentzündung impfen zu lassen, aber der Impfstoff ist seit WOCHEN NICHT LIEFERBAR!!Dass dieses allein tagtägliche Diskussionen nach sich zieht, können Sie sich bestimmt vorstellen, aber das ist noch nicht alles.

2. Abrechnung der Abstriche (vorgegeben durch die Kassenärztliche Vereinigung)Es ist eine absolute Katastrophe!!Es wird unterschieden: Abstriche für Patienten mit Erkältungssymptomen ohne persönlichen Kontakt zu nachgewiesen COVID-19 Fall; Abstriche für Patienten mit Kontakt zu COVID-19 Fall, Asymptomatisch; Abstriche für Patienten mit Symptomen und Kontakt zu COVID-19 Fall; Abstriche für Reiserückkehrer aus dem Ausland aus einem Risikogebiet; Abstriche für Patienten mit einer Warnung durch die Corona warn App; Abstriche für Lehrer/KITA Beschäftigte; Abstriche für Personal aus Krankenhäusern/Arztpraxen/PflegeheimenAll diese Anspruchsberechtigten haben ein UNTERSCHIEDLICHES Abrechnungsverfahren (anderer Laborschein, andere Abrechnungsziffern, andere Diagnosen- Kodierung usw) welche sich, und es ist absolut nicht mehr tragbar, seit Juli regelmäßig ÄNDERN!!! Alle paar Wochen bekommen wir ein Fax von der KV, mit NEUEN Abrechnungsleitlinien, die ab SOFORT gelten. Es bleibt in diesem hektischen Praxisalltag und in der Akutversorgung nicht genügend Zeit, sich mit diesen Administrativen sich ausreichend in Ruhe zu beschäftigen, geschweige denn direkt so umzusetzen. Das hat zur Folge, daß nachgearbeitet werden muss, um die Patienten die zu den diversen Abstrichen da waren richtig abzurechnen, also Überstunden. Was das für eine nervenaufreibende Arbeit ist, kann ich gar nicht in Worte fassen.Die Durchführung der Abstriche in Abstrichzentren, wie es zu Beginn der Pandemie organisiert war, wäre eine Erleichterung, aber da die KV der Meinung ist, die niedergelassenen Ärzte schaffen das schon, bekommen viele Testzentren keine Genehmigung.

3. Jeden Tag gibt es bei uns vor der Praxis Auseinandersetzungen zwischen den Patienten, welche wir MFA’s schlichten müssen. Da wir räumlich eingeschränkt sind, was die Anzahl der Patienten betrifft, die sich in der Praxis aufhalten dürfen, müssen die Patienten leider teilweise draußen warten, um sich anzumelden, bis sie zur Behandlung dran sind usw. Das sorgt ebenfalls für Unmut bei den Patienten, denn es ist ja jetzt schließlich kalt und manchmal regnet es auch. Können Sie sich vorstellen, wer diesen Unmut jeden Tag zu spüren bekommt? WIR MFA’s!!Wir haben eine Infektsprechstunde eingerichtet, für Patienten welche Erkältungssymptome haben. Diese sollen sich vorher telefonisch in unserer Praxis melden, um einen Termin dafür zu vereinbaren. Wenn der Termin eingetragen wurde, muss direkt alles für den Abstrich vorbereitet werden. Das kostet Zeit. Zeit, die man in der Anmeldung nicht hat. Somit müssen die Patienten warten, die gerade da sind, um sich anzumelden und auch das Telefon kann in der Zeit nicht bedient werden. Dies hat zur Folge, dass die Telefonanlage permanent durchgehend besetzt ist. Patienten beschweren sich am laufenden Band, dass sie uns nicht erreichen können. Sie kommen sogar teilweise mit ihren Erkältungsbeschwerden in unsere Praxis, obwohl sie wissen, daß es nicht erlaubt ist, und sie sich telefonisch anmelden müssen, aber telefonisch kommen sie nicht durch, weil keine Kollegin immer Zeit hat um direkt die eingehenden Telefonate entgegen zu nehmen. Es ist ein nicht enden wollender Kreislauf.

Es ist nicht auszuhalten, denn es gibt keine Sicht auf Besserung der Situation, der Winter kommt erst noch und es kann einfach so nicht weiter gehen. Ganz davon abgesehen, daß wir am Telefon von den Patienten teilweise beschimpft und/oder beleidigt werden, sind wir jeden Tag einem großen Infektionsrisiko ausgesetzt, da nicht genügend Schutzkleidung zur Verfügung steht (auch da werden Seitens der Regierung öffentlich andere Aussagen getätigt).Nach der neuen Testverordnung dürfen wir MFA’s uns auch 1x wöchentlich präventiv auf das Corona Virus testen lassen. Ganz aktuell haben wir dazu heute am 22.10.2020 ein Schreiben von unserem Labor erhalten, dass die KV lediglich für uns MFA’s die Kosten für Anti-Gen Tests übernimmt, jedoch nicht die Kosten für die üblichen PCR Testungen, welche die KV für ALLE ANDEREN ANSPRUCHSBERECHTIGTEN ÜBERNIMMT!! Bedeutet im Endeffekt: alle dürfen einen üblichen Rachen-Nasen Abstrich bekommen und die Kosten dafür trägt die KV, nur für uns MFA’s nicht!! Es ist unfassbar! Sind wir weniger wert als Pflegekräfte und Krankenschwestern, oder Reiserückkehrende?

Ach ja, nebenbei läuft der reguläre Praxisalltag ja auch noch. Dass Deutschland, im Vergleich zu jeglichen anderen EU Ländern momentan noch nicht so einen eskalierenden Verlauf hat, ist zum Großteil den Hausarztpraxen zu verdanken, denn WIR sind die erste Anlaufstelle. Dies äußerte auch der Vorstand der KBV, Dr. Gassen. Die mangelnde Wertschätzung unserer täglichen Arbeit ist sehr enttäuschend. Es gibt noch viele diverse weitere Punkte, aber mein Anliegen ist es gerade, es irgendwie zu schaffen, dass auch die Öffentlichkeit erfährt, wie es wirklich in den Arztpraxen zugeht und es nur eine Frage der Zeit ist, bis eine nach der anderen zusammen bricht und nicht mehr kann.Wir wissen uns einfach nicht mehr anders zu helfen und hoffen auf einen kleinen Erfolg für uns.Mit freundlichen Grüßen,Eine MFA”

Ich kann mich dem Brief vollkommen anschliessend. Wir haben zwar momentan (!) genügend Schutzausrüsung (wie lange noch?), aber Streit schlichten zwischen Patienten, die im Hausflur rumlungern (obwohl nur 2 Patienten dort gleichzeitig sein dürfen) und den Hausbewohnern, müssen die Arzthelferinnen (MFA) ständig. Wir haben uns inzwischen “Notklingeln” für die Sprechzimmer besorgt, um bei Bedrohung auf uns aufmerksam zu machen…

Wir werden in den nächsten Monaten wahrscheinlich zunehmend weniger Medizin machen und dafür hauptsächlich Seuchenbekämpfung und Katastrophenbewältigung – und Papierkrieg. Die Gesundheitsämter kommen nicht mehr hinterher und die Hausarztpraxen werden überschwemmt. Das bindet Kräfte (s.Brief). Ich habe Sorge, meine Patienten mit anderen wichtigen Erkrankungen nicht mehr richtig versorgen zu können…

Aktuelle COVID-19 Zahlen des Robert-Koch-Instituts (tägl. aktualisiert): RKI-Dashboard

Quelle anonymer Brief der MFA: Hausarztpraxis Dr. med. Bahar u. Björn Hollensteiner

Enddarm-Stimmung

Eigentlich sollte die Überschrift “Endzeit-Stimmung” lauten, aber da haben sich wohl meine filigranen Fingerchen etwas verhaspelt… 😉

Seit meinem letzten Beitrag haben sich die Ereignisse überschlagen. Während vor Kurzem noch meine anstehenden Zahnarzttermine meinen Puls höher schlagen ließen, so ist es jetzt die allseits gegenwärtige Corona-Krise. Corona hier, Corona da. Bei so viel Corona könnten werdende Eltern ihre Tochter glatt auch “Corona” nennen.

Nein, ich mache mich nicht lustig, es ist eher Galgenhumor. Wie soll man dieser Übermacht an negativen Schlagzeilen auch begegnen? Die Krise kam schneller und gewaltiger als erwartet. Die Menschen drehen am Rad und irgendwie scheinen die Gesetze dieser bis ins kleinste geregelten Welt infrage gestellt zu werden. Zeit und Raum bekommen im wahrsten Sinne eine neue Bedeutung. Man fühlt sich haltlos, ratlos, alleine gelassen. Unsicherheit macht sich breit. Dass es mir nicht alleine so geht, zeigen die irrationalen Handlungen verschiedener Mitmenschen: tonnenweise wird Klopapier gekauft (wenn nicht geklaut). Kann man in kürzester Zeit so viel Stuhlgang haben? Wieviel muss man dafür essen? Oder haben jetzt alle Reizdarm?

Passend zum Thema brachte die Medical Tribune diesen Artikel mit dieser genialen Überschrift samt schmackhaftem Bild

Wie im schlechten Film

Die Menschen sind gestresst. Nach dem Klogang waschen sie sich wenigstens die Hände, wie die fehlende Seife in den Supermarktregalen zeigt. Waschmittel gibt es auch keines mehr… Ich kombiniere: massenhaft Reizdarm mit Inkontinenz oder muss man mehr waschen, weil es kein Toilettenpapier mehr gibt? Und dann das Desinfektionsmittel: nichts mehr da. Hygiene ist ja löblich, aber muss es denn auch desinfizieren sein? Brennt das nicht bei dem Reizdarm?

Verständlich, dass die Leute gereizt sind. Ob ich mal die Verkäuferin frage? Alleine schon die Silbe “Des-” läßt der Verkäuferin den Rachen zuschwellen. Hasserfüllte Augen, die Halsvenen gestaut. Dabei wollte ich doch nur meine Des-Orientierung äußern…

Die Obstregale sind auch leer, die Konserven ebenfalls. Bei so viel Obst und dann noch Nudeln und Konserven kann der Darm schon rumoren. Was ist los? Sind jetzt alle Prepper geworden? Steht der Russe vor der Tür? Olga lacht. “Ja so war das in den letzten Tagen der Sowjetunion auch!”. Stimmt, im Osten war das manchmal auch so. Frei nach der Devise: “Erst mal anstellen in der Schlange vor dem Konsum, auch wenn man nicht weiß was es dort gibt, es muss was seltenes sein!”

Leere Regale: “Wie im Osten”

Mal Spass beiseite. Das Ganze fühlt sich an wie im Film. Wann ist der bitte zu Ende? Die Leute sind wie wahnsinnig. Die Praxis ist gerammelt voll. Nachdem die Zahlen der positiv getesteten Corona-Infizierten im nahen NRW plötzlich in die Höhe geschnellt ist, glauben alle Corona zu haben. Anfang März erscheint das jedoch übertrieben. Aber alle wollen sich testen lassen! Wenige Tage später werden sie von den Arbeitgebern geschickt: weil sie nur mit negativem Testergebnis weiterarbeiten sollen, “muss jetzt der Hausarzt den Test durchführen”.

Auswahlkriterien für die Testung

Inzwischen ist ein Testzentrum in Osnabrück eingerichtet worden. Nur begründete Verdachtsfälle werden vom Gesundheitsamt gelistet und bekommen einen Termin: Personen, die Kontakt mit einer positiv getesteten anderen Person hatten oder in einem Risikogebiet waren und Symptome zeigen. Die Listung erfolgt ausschließlich über das Gesundheitsamt. Hausärzte können bei vorhandener Schutzausrüstung ebenfalls die Abstriche durchführen – theoretisch, denn uns fehlt die Ausrüstung! Daher sind wir nicht verpflichtet.

Alltag an der “Front”

In der nachfolgenden Woche rennen sie uns die Praxis aus einem anderen Grund ein: die Arbeitgeber möchten, dass die gesunden Patienten sich krank schreiben lassen, da sie den Betrieb z.T einstellen müssen (aus finanziellen Vorteilen). Doch das darf ich rechtlich nicht bei Gesunden! Sind die denn alle belämmert?

Zeitgleich beginnen wir, Patienten mit leichten oberen Atemwegserkrankungen telefonisch krank zu schreiben (neuerdings möglich). Die Tür wird verschlossen, die Patienten nur einzeln hereingelassen. Krankschreibungen und andere Dokumente wie Rezepte usw. werden am Fenster herausgegeben. Dadurch wird die Sprechstunde zwar etwas ruhiger, aber das Telefon klingelt ständig. Anspannung ist in der Luft.

“Houston, wir sind am Arsch!”

Inzwischen arbeiten wir mit den einfachen Masken, wohlwissend, dass die weniger uns selbst, sondern mehr unser Gegenüber schützen. Wir haben nach wie vor nicht genügend richtige Schutzausrüstung und stellen somit auch eine Gefahr für unsere schwerer erkrankten Patienten dar. Nicht nur die steigenden Zahlen, die Ungewissheit bzgl. des Virus, die allgemeine Unsicherheit, sondern auch der blanke Mangel an richtigen Masken gibt uns das Gefühl: “Wir sind am Arsch!”

Spätestens die Rundmail eines Ärzte-Verbandes macht mich völlig fertig: eine Anleitung zum Selberbasteln von Schutzmasken!!! Armes Deutschland!

“Wir sind gut vorbereitet”

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, Januar 2020

Lambarene. Damit vergleicht eine meiner Kolleginnen die aktuelle Arbeitssituation. Lambarene ist eine Stadt in Gabun, zentrales Afrika. Hier hat Albert Schweitzer gewirkt und hätte sicherlich auch gewürgt, hätte er von unseren Zuständen gewusst. Ja das ist Afrika, dort werden z.T. noch medizinische Einmalhandschuhe ausgewaschen und zum Trocknen auf die Wäscheleine gehängt – und bestimmt auch Masken selber genäht

Sind wir also “gut vorbereitet”? Nach allem, was wir jetzt wissen, nein. Man muss die Verantwortlichen bei aller Kritik aber auch etwas in Schutz nehmen: dieses Ausmaß und die Geschwindigkeit waren nicht wirklich abzusehen, ein einmaliger Fall in Deutschland und Europa und der Welt! Man kann nicht milliardenfach hochwertige und teure Ausrüstung jahrelang parat haben, zumal die auch irgendwann vergammelt. Nach Hühner- und Schweinegrippe habe wir es gesehen: Berge von Impfstoffen und Medikamenten kosteten Milliarden und landeten schließlich ein paar Jahre später im Klo – womit wir wieder am Ausgangspunkt des Beitrags wären 😉

Die Wucht der Pandemie war so nicht vorhersehbar. Allerdings ist es fraglich, wie Schlüsselindustrien verkümmern können, ohne dass man ein “Backup” hat, eine Möglichkeit die Produktion schnell hochzufahren. Im Herbst 2019 gab es bereits vor Corona einen Engpass an “primitivsten” Medikamenten: z.B. war Ibuprofen 600 mg (ein Schmerzmittel) über Wochen bis Monate nicht lieferbar! Wie geht denn so etwas? Ganz einfach: in Deutschland ist die Produktion für dieses extrem billige Medikament zu teuer. Also wird es hier nicht mehr produziert, sondern vorwiegend in China und Indien!

Das steht ganz im Einklang mit der Philosophie, wie das Gesundheitswesen betrieben wird. Das Gesundheitswesen ist nicht erst mit der Corona-Krise an seine Grenzen gelangt, sondern war bereits vorher in einer Dauer-Krise! Aus Profitgründen wird seit der Einführung der DRGs/Fallpauschalen Raubbau am Personal aber auch materiell betrieben, und das in einem kriminellen Stil. Bereits unter “normalen” Bedingungen brannte das Personal aus. Das ist der eigentliche Skandal, eine stille Katastrophe vor der Katastrophe!

Jetzt soll dieses ausgemergelte Personal auch noch die zusätzliche Belastung stemmen?! Ja, das wird es, weil die meisten Mitarbeiter ein Verantwortungsgefühl haben. Die menschlichen “Kosten”, die die Mitarbeiter zahlen werden ist kaum abschätzbar!

Auf der anderen Seite warnten Forscher bereits bei den ersten Infektionen in Italien, dass sich das Virus von Süd nach Nord ausbreiten wird. Scheinbar tatenlos wurde hierzulande zugesehen, wie in Italien die Infektionen explodierten. Als dann bei uns die 10.000er Grenze überschritten wurde, wurde auf verschiedenen politischen Ebenen diskutiert. Während die meisten anderen Länder bereits drastische Maßnahmen einführten, wie Ausgangsperren, feierten die Menschen in Deutschland die ersten frühlingshaften Grillpartys im Park – oder Corona-Partys.

Natürlich gibt es unterschiedliche Bewertungen, was die Effizienz von Ausgangssperren angeht, aber man möchte sich nicht ausmalen, wie die Lage in Italien ohne diese aussehen würde. Natürlich kann keine Rede sein von einer derartigen Ausgangssperre, wie sie in Kriegsgebieten mitunter durchgesetzt wird, wenn auch zumeist eher als “nächtliche Ausgangssperre”. Letztendlich ist der Kontakt zwischen Menschen das Entscheidende und den gilt es zu unterbrechen oder zu vermindern. Traurig, dass jedes Bundesland bzw. Region das selber gestaltet.

Deutschland – eine Ansammlung von Egomanen

Individuelle Freiheitsrechte sind essentiell in einer gesunden Gesellschaft und man kann glücklich sein, dass es hierzulande genügend Menschen gibt, die dafür kämpfen würden, wenn es darauf an käme. Der “böse Zwilling” der individuellen Selbstbestimmung ist der Egoismus. Um den Wert einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft zu erhalten, muss man diese vor der potentiell zerstörerischen Art des Egoismus schützen. Eine Entfaltung des Einzelnen (oder einer Gruppe) auf Kosten einer anderen Person oder der Gesamtheit der Bevölkerung zerstört das gesellschaftswichtige WIR.

Beispiel Ausgangsbeschränkung oder Kontaktverbot: Man kann z.B. von einer zeitlich Ausgangsbeschränkung oder Kontaktverbot halten was man möchte. Wenn aber das “Egojede möglicherweise schützende angeordnete Maßnahme als fundamentalen diktatorischen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte deklariert, nur weil man nicht mehr seinen Cocktail in seiner Lieblingskneipe schlürfen darf, dann zeigt das deutlich die eigene Überhöhung über Andere und die Gemeinschaft. Dies kann auch als Desinteresse an der Gemeinschaft, von der dieser Einzelne im Übrigen generell noch profitiert, gewertet werden.

Beispiel Masernimpfung: Vor kurzem wurde die Masernimpfung als Pflichtimpfung eingeführt. Gerade als die Corona-Infektionen in Deutschland explodierten, meldeten die Medien, dass es erste Klagen von Eltern gegen die Impfung gebe. Daß diese Menschen sich durch die Impfung nicht nur selber schützen, sondern auch andere, die nicht geimpft werden können (da Lebendimpfstoff = für Immunsupprimierte nicht geeignet), daran denken diese Menschen nicht…

Überspitzt könnte man sagen, der so beschriebene Egomane “toleriert” die offene Gesellschaft, solange sie sich ihm nicht anstrengend wird oder gar im Weg stellt. Jede Person, die in einer “freien” Gesellschaft leben möchte, hat die Pflicht, diese zu erhalten. Dazu gehört auch manchmal der Verzicht und die Beschränkung zum Wohl dieser Gesellschaft. Wer dies nicht schafft wäre dann gewissermassen auch ein Beispiel für eine gescheiterte Integration

Joa, seid’s denn närrisch???

Nach laengerer Pause melde ich mich zurueck. Nicht etwa, dass ich die ganze Zeit Urlaub gehabt hätte (schön wär’s), aber mir hat schlichtweg die Zeit gefehlt. Der Sommer ist vorbei, der sogenannte “Urlaub” auch und ganz langsam nähern wir uns dem beschaulichen, “nach Harmonie lechzenden Jahresende” mit dem “Fest der Liebe”… Oje, wie schmalzig das klingt, aber immerhin kann man schon Weihnachtsgebäck bekommen, was ich für Anfang September schon abartig halte. Und nach Harmonie sieht es leider überhaupt nicht aus in diesem Lande.

Die Menschen sind zerstrittener denn je bzw. die Gesellschaft zeigt Risse, genauso wie Europa. Amerika spinnt eh und der Rest der Welt wirkt auch nicht ruhiger. Stimmt das so, oder sind das nur die dramatisierenden Eindrücke durch die Presse, die uns 24/7 nur mit Negativmeldungen zu überfluten schein?

Zumindest in Deutschland geht das politische und gesellschaftliche Chaos in eine neue Runde. Seit Wochen beschäftigt uns bereits das Thema des Chefs des Verfassungsschutzes und Rumgeeiere eigentlich aller Parteien. Die Demokratie wird auf eine harte Probe gestellt, ebenso wie das gemeine Volk, das sich jetzt nicht mehr blind auf die Politik verlassen kann. Was ist da los? Was erzürnt uns so? Nun, ich kann hauptsächlich nur für mich selber sprechen, auch wenn ich denke, dass der ein oder andere meine Gedanken teilen wird.

Da gibt es Vorkommnisse in deutschen Städten, die mich irgendwie leicht an die Situation in Rostock 1993 erinnern: aufgebrachte Menschen jagen in einem Video andere. Dann wird spekuliert, ob es eine Hetzjagd sei und ein Verfassungsschutzchef stellt dies in Frage. Die Reaktionen kommen wie vorprogrammiert, es wird gelärmt und protestiert, die Entlassung gefordert.

Nun, zunächst einmal hat zweierlei Gewalt stattgefunden: gegen einen Deutschen und gegen Ausländer bzw. solche, die so aussehen. Beides ist inakzeptabel. Punkt. Aus. Ende. Dass man sich dann um die Begrifflichkeiten streitet ist wirklich grotesk, und ob das Video wirklich echt sei, das ändert nichts an der Wirkung, wenn es erst einmal ausgestrahlt ist!

Dass von Teilen der Migranten Gewalt ausgeht kann man natürlich nicht schönreden und mit schlechter Kindheit begründen. Auch ein erittenes schweres Trauma kann nicht als Rechtfertigung dienen, höchstens als Erklärung für manche Denkmuster, die zu Gewalt führen. Auch hat jemand -meiner Meinung nach- seine Chance auf Aufenthalt verspielt, wenn er Gewalt ausübt, oder kriminell in Erscheinung tritt. Das hat nichts mit dem regelmäßig reflexartig vorgeworfenen Rassismus, sondern mit Fairness denjenigen Migranten zu tun, die sich korrekt verhalten und bemühen – und eben auch uns Deutschen gegenüber.

Genauso verachtenswert sind Übergriffe auf Migranten. Das ist ganz klar und bedarf keiner Diskussion. Gewalt jeglicher Form, egal woher und gegen wen und was ist immer abzulehnen. Punkt.

Braunes Sumpfland Ostdeutschland?

Wenn in Deutschland tausende von Menschen gegen Rechts und für unsere Werte demonstrieren, dann ist das gut und wichtig. Dabei sollte nicht der Fehler gemacht werden, dem In- und Ausland den Eindruck zu vermitteln, dass der Osten einzig ein braunes Sumpfland ist!

In der ZDF-WOCHENSHOW, die ich wegen der Rundumschläge schätze (jeder kriegt etwas ab, auch wenn ich nicht Mit allem übereinstimme) tingelte die Schweizerin Hazel Brugger als “Journalistin” in die Ostprovinz und interviewte wenige Demonstranten auf Pegida-Seite. In die Kamera sprach sie dabei mit einem herrlich schweizer Dialekt zu einem fiktiven schweizer Publikum, das sich die Frage stellt, wie unsicher es für schweizer Touristen hier wohl sein möge. Auch wenn anders beabsichtigt, so konnte der aufmerksame Zuschauer deutlich sehen, dass bei weitem nicht jeder rechtsgerichtet ist, der dort anzutreffen war, sondern dass sich abgehängte, frustrierte und alleingelassene Menschen vor der Kamera äußerten. Auch wenn sich hier keiner als Rechter oder gar als Nazi sieht, müssen sie sich den Vorwurf des “Rechts-Sein” gefallen lassen, da sie sich ja auf einer rechtsgerichtet Demonstration befinden. Sie hätten ja auch eine alternative Demonstration organisieren können, oder?

Sind wir die Guten?

Doch mal anders herum: Sind wir, die Toleranten und Offenen dieser Welt und dieses Landes wirklich allseits fair?

Ich würde mir wünschen, dass die “Zivilgesellschaft” weniger selektiv auf Gewalt, Ausgrenzung usw. reagieren und ihre selbst gesteckten Werte wirklich jedem gewähren würde. Denn auch hier gibt es Ausgrenzung von Menschen anderer Meinung! Hätten die o.g. frustrierten Pegida-“Mitläufer” wirklich eine alternative Demonstration abgehalten mit Distanz zu rechtsradikalen Strukturen, so darf man vermuten, das man ihnen eben dies trotzdem unterstellt hätte. Man hätte sie also trotzdem in die rechte Ecke geschoben.

Die Forderung z.B. kriminelle Migranten abzuschieben ist per se nicht rechtsradikal oder menschenverachtend – erst der geistige Überbau und entsprechende Forderungen bzw. Handlungen (Hetzjagden) sind es.

Das bedeutet, dass sich auch die sich als liberal und tolerante Gesellschaft Kritik gefallen lassen muss.

Interessant ist hierbei auch der öffentlich sprachliche Wandel. Während es früher verpönt und scheinbar unmoralisch war, von “Kriminellen Ausländern” zu berichten (so übrigens auch in der Schule!), so wurde plötzlich -vielleicht weil man die Wut der Bevölkerung bemerkte- z.B. über die Übergriffe von Migranten auf Frauen in Köln in der Sylvesternacht 2016 (?)berichtet. Der radikal offene Stil zu berichten hat sicherlich nicht zur Beruhigung der Lage beigetragen.

Ein anderes Beispiel für noch verbeserungswürdige Werteverteidigung: Ich kann mich nicht an Großdemonstrationen erinnern, die sich gegen die Zerstörung durch 1.Mai-Krawalle richteten. Diese hatten manchmal Strassenkämpfen geähnelt.

Diskriminierung mal anders: Fremd im eigenen Land

Ich selbst wurde in der Grundschule (!) wegen meiner Ostberliner Herkunft gemobbt, sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen kam: vom Bedrohen durch Mehrere, Anspucken und Tritte. Die Täter waren dabei sowohl Deutsche, wie auch Schüler mit Migrationshintergund. Ist so etwas nicht genauso verachtenswert, wie rechtsmotivierte Gewalt?

Ich weiß, wie es sich anfühlt, wegen seiner Herkunft diskriminiert zu werden.

Diskutieren und kritisieren darf und muß man sogar. Die Welle, auf der Nationalisten und Rechte reiten, ist zu gewissem Umfang das Resultat arroganter und ignorante Politik fast aller großer Parteien in Deutschland! Keine dieser Parteien hat in den letzten 40 Jahren sich mehr als nur um sich selbst gekümmert. Zumindest ist das das Gefühl der Menschen.

Diejenigen, die jetzt vorgeben z.B. als bayrische Kreuzritter das Abendland so heroisch zu verteidigen, saßen auch vor Jahrzehnten in den Regierungen, die Gastarbeiter nach Deutschland einluden, sich aber keine Gedanken darum gemacht haben, was mit der zweiten und dritten Generation wird.

Ein Hartzer ist kein Käse

Genausowenig konstruktiv haben sich die kleineren Parteien verhalten. Unter dem “Deckmantel der Toleranz” hat auch das linke Spektrum der Politik sich nie wirklich für die Menschen interessiert, weder für die Migranten, noch für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Einheimische. Ignoranz und Arroganz aller Akteure. Das Resultat sind jahrzehntelange Hinterhofmoscheen, ältere Damen, die ohne jegliche Deutschkenntnisse seit 30-40 Jahren in Deutschland leben, Jugendliche, die weder richtig Deutsch noch Türkisch sprechen können und direkt nach der Schule “Hartzer” werden (Hartz IV). Sie haben weder in Deutschland noch in der Türkei noch auf dem Mond eine Chance. Einige von ihnen machen eine kriminelle Karriere durch.

Hierzu gab es erst diesen Samstag einen interessanten Beitrag im Deutschlandfunk

Hier gehts zum Link: www.dlf.de Kriminalität in Berlin – Die Macht der Clans

Beschrieben wurde u.a., wie in den 80er Jahren geflüchtet libanesische Großfamilie zunächst weder arbeiten durften, die Kinder nicht schulpflichtig waren (wie geht das eigentlich?) und vor allem auf sie Clanstrukturen angewiesen waren, um zu überleben. Die Folge war die kriminelle Parallelgesellschaft. Aber daran störte sich anscheinend kein Politiker, oder etwa doch?

Ein Pendant auf deutscher Seite: Menschen in sozialen Randgruppen, die nichts oder kaum etwas vom Wirtschaftswachstum abbekommen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Situation selbst verschuldet ist oder nicht. Auch das sind “Abgehängte”. Auch das ist eine Parallelgesellschaft

Das Gefühl, das diese Menschen haben, zählt an der Wahlurne.

Allerdings wurde auch in den Jahren vor der Flüchtlingskrise eine Verrohung der Gesellschaft diskutiert und Problemviertel und z.T. “No-go-Areas” wurden auch schon früher beschrieben. Umso unverständlicher dann, dass jetzt mit Straftätern, “Gefährdern” und “Intensivtätern” so falsch-nachsichtig weiter umgegangen wird wie bisher – oder ist das dann das Konsequente der Politik?

Fordern, Fördern, Richtlinien vorgeben. Dafür gab es jahrzehntelang viel Zeit. Genutzt wurde sie nicht, oder kaum.

Wir mit unseren freiheitlichen Werten, die ja mit Akzeptanz und dem selbstverständlichen Recht auf Unversehrtheit einhergehen, büßen gewaltig an Glaubwürdigkeit ein , wenn wir Gewalt egal welcher Form zulassen. Genauer gesagt: wir lassen es de facto zu, indem Vergehen nicht adäquat geahndet werden.

Gewaltvoyeurismus – oder: die Pornographie der Gewalt

Auch präventiv wird zu viel “digitalisiert” (Kameras), zuviel protokolliert, statt wirkliche Präsenz zu zeigen und zu handeln. Es ist wie eine Form der unterlassenen Hilfeleistung: der Staat guckt lieber zu. Die Täter können sich dann noch über mediale Aufmerksamkeit freuen, wenn ihre Schandtat im Netz oder im Fernsehen ausgestrahlt werden.

Die Gültigkeit unserer Werte und Gesetzte erlischt damit teilweise oder vollständig und wird zur Farce – zumindest gefühlt vom Opfer. Wenn Menschen schwere Verletzungen erleiden, die Täter dann aber nur zu Bewährungsstrafen oder Sozialstunden verurteilt werden, dann hebelt das ganz gewaltig unsere Werte aus!

Als ich zur Schule ging, war es üblich, dass die Polizei Jugendliche, die nach 22 Uhr draußen angetroffen wurden, einsammelte und die Eltern ermahnte. Heutzutage gibt es das nicht mehr, oder?

Viel zu oft wird mit der Sorge vor dem Polizeistaat und der deutschen Vergangenheit argumentiert. Dass diese Gedanken grundsätzlich nicht falsch sind, versteht sich. Nichtstun ist ebenso gefährlich. Gepaart mit dem Einsparungswahn der 90er und 2000er Jahre ist daraus ein -wenn auch zugegeben kleines- Machtvakuum entstanden.

Hatte man gehofft, dass sich der Mensch selbst zügelt?

Wenn man der Mehrheit von uns beim Essen zusieht, dann glaube ich nicht recht daran.

Und die Maßlosigkeit beim Essen findet ach so oft ein Pendant in anderen Lebensbereichen. Zumal bei solchen Zeitgenossen, die das Gespür für Respekt, Friedfertigkeit und Gerechtigkeit verloren haben.

Sollte man erwarten, dass die Autofahrer brav am Stoppschild halten, auch wenn kein Polizist danebensteht? Wir sind doch im geordneten Deutschland, möchte man meinen…

Der Hofstaat rebelliert

Zurück zum Fall Maaßen: reflexmässig wird immer lauthals nach Rücktritt von der jeweiligen Opposition gerufen, ganz egal wer gerade regiert und was eigentlich vorgefallen ist. Glauben die wirklich selber, das sich durch den Fall eines Behördenchefs oder eines Ministers etwas Grundlegendes ändert? Bestimmt nicht, aber man will uns weismachen, dass “man ja etwas getan hat”. Grundsatzfragen werden kaum angegangen.

Was dann anschließend geschah war bewundernswert und genial: der “Eiserne Horst” hatte es geschafft, den Spieß umzudrehen: der Verfassungsdienstchef stürzte – allerdings fiel er die Treppe nach oben. Für die “Zartstimmige Andrea”, die ja dauerheiser klingt, wäre es auch zum Jubeln gewesen, da das “Hasskind Maaßen” ja nicht mehr im Amt wäre. Und “Mutti” hätte wieder Ruhe im Laden gehabt. Dumm nur, dass das alles auffiel. Der Volksmund spricht bei solchen Vorkommnissen von Vetternwirtschaft – man verschiebt Posten, wie es die Beziehungen ergeben. Das gehört zum Spektrum der Korruption. Was für ein böses Wort! Das heißt natürlich “Kompromiss”, wie konnte ich das vergessen, ich Dummchen…

Geiz ist geil?

Doch was hat das alles zu bedeuten? Gewalt, Migration, Rechtsruck usw. sind die aktuellen Schlagworte. Wie hängt das alles mit uns zusammen?

Also, insgeheim glaube ich, dass wir in Europa nur deshalb ein angenehmes Leben führen können, weil es anderen Leuten schlecht geht. Stichwort Verteilung der Güter, knallharte Machtinteressen der (auch deutschen) Wirtschaft, die international vermutlich genauso korrupt und blutig agiert wie die Mafia in Italien oder Kolumbien aber auch unsere Gier nach Luxus. Bullig muss es sein und sofort verfügbar!

Mein laienhaftes Hirn kann das natürlich natürlich nur begrenzt erahnen, doch gewisse Bestätigung bekommt es durch z.B. einen Beitrag des Deutschlandfunks vor ein paar Wochen. Hierin wird versucht eine Antwort auf unsere Fragen zu geben. Ich kann ihn wärmstens empfehlen!

Hier gehts zum Link: www.dlf.de Leben im Überfluss – Luxus – eine verbrannte Perspektive?

Auszeit – Up ´n away

Endlich, es ist der 14.11.2017, der Geburtstag meiner Mutter und der Beginn des langersehnten Urlaubs. Der letzte Arbeitstag in dem alten Krankenhaus ist vorbei, jetzt sind Ferien!

Wie lange ist das her, dass wir das letzte Mal verreist sind? Also ich meine jetzt mal nicht diesen anstrengenden Umzug von “Sverige” nach Deutschland, oder die Heimaturlaube, die wir von Schweden aus unternommen haben. 2015 muß das gewesen sein, als wir auf unserem Weg nach Schweden durch Jordanien, Istanbul und Russland tingelten. Eine tolle Reise, über die ich vielleicht auch etwas schreiben werde, aber dazu später einmal.

Jetzt geht es los. Die Wohnung wird noch einmal aufgeräumt, das Katzenklo gemacht. Ich packe das Auto mit zwei großen Taschen, während Olga Nico anzieht. Nico ist genervt und trötet etwas vor sich hin. Ich nehme ihn auf den Arm und will gerade nach unten gehen, als ich eine kleine Druckwelle an meinem Arm spüre. Nico hat ein Häufchen gemacht und grinst mich an. Na toll! Also wieder Retour, Baby “gewechselt” und “gepudert” und wieder nach unten. Um halb eins am Mittag sitzen wir endlich im Auto. Wahnsinn, wie lange das gedauert hat! Und wir haben ja “nur” 350 km bis nach Frankfurt mit massenhaft Baustellen vor uns…  Kaum sind wir losgefahren kommt schon das nächste Hindernis. “Mjamjam” macht Nico und bedeutet damit, dass er Hunger hat. Oh nee, denke ich, aber eigentlich habe ich auch schon Appettit. So endet unsere erste Etappe bei einem Inder – noch innerhalb Osnabrücks!

Continue reading